Eine “notepad”-funkzjon, die man missen lernt

Vermutlich ist der zu microsoft windohs gehörende editor “notepad” einer der schlechtesten editoren, die jemals zusammen mit einem betriebssystem ausgeliefert wurden. Dieses programm kann einfach nichts, und jeder amatör könnte unter zuhilfenahme einer modernen entwicklungsumgebung in wenigen stunden einen besseren editor programmieren. Der schmerzhafteste mangel in “notepad” ist wohl die unfähigkeit des programmes, lange zeilen für die darstellung am bildschirm umbrechen zu können. Dieser mangel wird gefolgt von einem zweiten mangel, nämlich der unfähigkeit des programmes, textdateien zu editieren, die nicht der zeilenende-konvenzjon von microsoft windohs folgen, was ihn für die schnelle bearbeitung eines unter einem unixoiden system erstellen kwelltextes völlig ungeeignet macht — und genau das brauche ich immer wieder einmal. Und dass “notepad” in älteren windohs-versjonen (bis windohs me) nicht mit textdateien umgehen kann, die größer als 32 kilobyte sind, ist schon ein bisschen peinlich.

Das ding ist eben ein lebendes fossil aus den zeiten von windohs 1.01, und ihm wurde alles in allem nur wenig pflege angediehen. Dies vielleicht auch deshalb, weil die wenigsten nutzer eines klickigen microsoft-betriebssystemes einen bedarf nach einer so klassischen anwendung wie einen editor haben, und wer solchen bedarf hat, der hat sich “notepad” höchstens ein einziges mal angeschaut, bevor er nach alternativen ausschau hielt. Selbst der MS/DOS-editor (nein, nicht der alte zeileneditor EDLIN, sondern der editor, der seit dem sowieso schon recht brauchbaren MS/DOS 5.2 mitgeliefert wurde) ist um klassen besser.

Deshalb ist es erstaunlich, dass ausgerechnet dieser für jede richtige arbeit fast unbrauchbare editor “notepad” über eine funkzjon verfügt, die ich bei allen anderen für microsoft windohs verfügbaren editoren vermisse. Und das ist die unter den meisten anwendern wenig bekannte funkzjon, ein automatisches logbuch erstellen zu können. (Ist das überhaupt irgendwo von microsoft dokumentiert worden?)

Es reicht, wenn die erste zeile einer textdatei aus dem wort <code>.LOG</code> (genau so geschrieben) besteht, und schon fügt “notepad” bei jedem öffnen der datei an das ende der datei eine neue zeile mit dem aktuellen datum und der uhrzeit ein und die eingabemarke springt zum zeilenende.

Es mag für jüngere menschen etwas seltsam klingen, aber wenn man seine notizen zu irgendwelchen projekten in einem editor verfasst, gewöhnt man sich sehr an eine solche funkzjon. Auf meiner windohs-ce-schreibmaschine, einem jornada 820e, benutze ich bis heute für bestimmte arten von dateien ein programm namens “pocket notepad“, das die meisten funkzjonen des unsäglichen microsoft-originales gut nachbildet (was nicht sehr schwierig ist), unter anderem auch diese log-funkzjon (was mich sehr erfreut hat, und was der grund ist, weshalb ich dieses programm überhaupt benutze). Weil ich — auch wegen meines lebensstiles — wirklich häufig gedanken, ideen und notizen zu projekten und gesprächen unterwegs erfasse, empfinde ich diese an sich einfach zu implementierende funkzjon als einen echten nutzen. Ich mag es eben, wenn mir ein kompjuter arbeit abnimmt, und sei es auch nur der kleine arbeitsschritt, zum ende einer datei zu springen und dort ein datum einzufügen. Genau dafür ist ein kompjuter und jede andere technik nämlich da, mir die ruhtine zu ersparen und mich so in den dingen zu unterstützen, die ich eigentlich zu tun gedenke.

Umso erstaunlicher, dass die vielen alternativen editoren unter windohs, die oft deutlich besser sind, diese kleine funkzjon nicht implementieren. Liegt es daran, dass ich wirklich der einzige mensch bin, der so arbeitet? Oder liegt es vielleicht daran, dass die programmierer eines editors diese funkzjon gar nicht kennen, weil sie viel zu unbekannt ist.

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5 Antworten zu “Eine “notepad”-funkzjon, die man missen lernt

  1. Hm, eigentlich eine gute Idee: Mal ein Vim-Plugin dafür schreiben.
    Da hab ich noch gar nicht dran gedacht, dass der das nicht kann.
    Boah.
    :)

  2. Pingback: Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » vis, Vim, vi

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