Es war kein fußball

Ich, ich vergaß es völlig zu erwähnen. Am samstag nahm ich den kürzesten weg von der hannöverschen südstadt nach ricklingen, der mich ans stadion vorbeiführt. Ich glaubte, dass ich den direkten weg nehmen könnte, da ja die bundesliga sommerpause macht.

Aber ich sah schon von weitem polizeiabsperrungen, verkehrsumleitungen und ungewohnte massen von menschen, und ich dachte mir nur: „scheiße, ich sollte vielleicht doch etwas weniger hinterwäldlerisch sein und gelegentlich eine zeitung zur hand nehmen“. Doch wollte ich nicht mehr umkehren und fuhr tapfer weiter, auf das schlimmste gefasst.

Schon nach wenigen minuten bemerkte ich, dass es sich nicht um fußball handeln kann. Woran ich das bemerkte? An allem, was fehlte. Es gab kein barbarisches gröhlen, es gab keine sprechköre mit ausländerfeindlichen parolen, es gab niemanden, der mich anpöbelte, es gab keine sinnlos betrunkenen idjoten, es gab keine auf dem weg zerdepperten bierflaschen. Kurz: es gab nicht jene atmosfäre der rohheit und gewalt, die zu jedem fußballspiel fest dazugehört.

Später erfuhr ich, dass es sich um ein großes konzert handelte. Ach, wären doch alle veranstaltungen in diesem stadion so gesittet und erträglich!

Was für ein tag

Nein, ich habe diesem tag kein gutes leben gegeben. Ich habe viel am bildschirm gelesen, und weil es immer wieder reizte, habe ich auch viel am bildschirm geschrieben. Es wird zeit für eine allgemeine, mehrtägige bildschirmpause, sonst kann ich doch glatt wieder anfangen, als kompjuter-dressör zu robotten.

Wenn es morgen nicht gerade kleine hunde regnet, werde ich mich auf ein fahrrad schwingen und mir etwas anderes anschauen als pixelwelten. Als ich gestern unterwegs war, flatterte mir in der leinemasch auch ein erfreulicher anblick übern weg, ein rotkehlchen. Ich habe so lange kein rotkehlchen mehr gesehen gehabt, dass ich mich bei diesem anblick förmlich erschrak, so als hätte ich eine längst ausgestorbene tierart zu gesicht bekommen.

Die sind aber auch selten geworden.

Tagclouds

Wie anders doch manches durch vielfachen gebrauch abgeschliffenes wort klingt, wenn man es nur in eine sprache überträgt, die wieder fühlbar ist. Ich habe mir angewöhnt, in foren und tschätts an stelle des englischen „tag cloud“ die direkte deutsche übersetzung „etikettenwolke“ zu verwenden. Das klingt doch gleich viel hübscher und auch angemessen bewölkt, damit auch ja keine assoziazjonen zu klarer sicht aufkommen.