Selbsttest depressjon

Beim kompetenznetz depressjon kann man einen selbsttest machen, ob man auch zur waxenden menge der depressiven gehören könnte. Selbstverständlich ist ein solcher test so gestrickt, dass jeder denkende und fühlende spielend als ein kranker abgestempelt und gegebenenfalls auch behandelt werden kann – auch ich mache da keine ausnahme.

Es wird gefragt, ob man seit mehr als zwei wochen unter den folgenden emozjonalen zuständen leidet:

1. gedrückter stimmung
Nun, das ist leicht beantwortbar, ich leide seit etwa fünf jahren unter gedrückter stimmung. Und das hat eine klare ursache in den bedrückenden umständen, in denen ich leben muss. Allerdings sehe ich darin nichts krankhaftes, ich halte es eher für krankhaft, dass man hier auch bei persönlicher aussichtslosigkeit noch dem allgemeinen zwang zur unreflektierten fröhlichkeit folge leisten soll.

2. interesselosigkeit oder freudlosigkeit, auch bei sonst angenehmen ereignissen
Was sind angenehme ereignisse?

3. schwunglosigkeit, müdigkeit, innere unruhe
Wo soll mir noch der schwung herkommen? Ich schlage mich bettelnd durch ein dasein, das ich hassen gelernt habe. Natürlich bin ich müde. Der tosende, irrsinnige lärm raubt mir die tage, die letzten einigermaßen befriedigenden mentalen leistungen kann ich nur des nachts erbringen. Innere unruhe ist nur der spiegel äußeren tosens, das ich meistens zu meiden schaffe.

4. fehlendem selbstvertrauen, selbstwertgefühl
Wenn einem jeden tag die offene verachtung der gesamten mitwelt entgegenschlägt, nur weil man anders als die massengestanzte norm ist, wenn einem diese verachtung gelegentlich sogar als offene gewaltdrohung entgegenschlägt, wo sich die barbarischen mitmenschen im kollektiven fußball- und alkoholrausch als entfesselte spießbürger aufführen, wo soll da das selbstwertgefühl herkommen? Aus meinen träumen? Oder aus einer schusswaffe, die ich trage? Nein, leute, ich bin dreck. Und ich bin so unverschämt, dass ich dreck bleiben will. Ich würde im zweifelsfall sogar dafür morden, dass ich ichselbst bleibe. Das ist nicht mit einem wertgefühl verbunden, es ist auch kein selbstvertrauen, es ist die für mich einzige möglichkeit, zu leben. Mit nur körperlichen beeinträchtigungen, aber flüchtend geretteter, einsamer seele.

5. verminderte konzentrazjonsfähigkeit, grübelneigung, unsicherheit bei entscheidungen
Wie soll sich ein fühlender mensch konzentrieren, wenn das geplärr des konsumismus, die lautstarke forderung an jeden, der unter dem derzeit über die gesellschaften ablaufenden prozess wesen muss keine ruhe mehr lässt. Zum grübeln neige ich freilich nicht, ich nenne es denken, eine produktive tätigkeit, die gedanken hervorbringt. Entscheidungen sind in der regel von außen aufgedrängt, eine bedingung der not, selten nur etwas "freies" – ich bin nicht unsicher bei entscheidungen, sondern verweigere sie völlig.

6. starke schuldgefühle, vermehrte selbstkritik
Diese fase habe ich schon lange hinter mir.

7. negative zukunftsperspektive, hoffungslosigkeit
Eine selbstverständlichkeit für jemanden, der hier nichts mehr zu erwarten hat, oder? Das hoffen überlasse ich jenen, die ewig darauf warten wollen, dass noch etwas anfängt.

8. hartnäckige schlafstörungen
Diese sind von mir gewichen, seit ich mein richtiges, aktives leben in die nächte verlegt habe, wo mir nicht der lärm die luft zum atmen raubt.

9. verminderter appetit
Ich weiß gar nicht mehr, was appetit ist – manchmal freilich, manchmal habe ich hunger. Vor allem, wenn ich mal wieder ein paar tage lang nicht dazu gekommen bin, mir etwas zum essen zu erbetteln – es wird ja auch immer schwieriger. Aber vor der gefahr zu verhungern stehe ich nicht…

10. tiefe verzweiflung, todesgedanken
Halte ich angesichts meines lebens für eine ganz gewöhnliche reakzjon des körperlich-seelischen systemes.

Und, was ist das wenig überraschende ergebnis, wenn ich diese antworten absende? Na, ist doch klar…

Sie sollten auf jeden Fall möglichst bald Ihren Arzt konsultieren. Ihre Angaben weisen auf eine ausgeprägte behandlungsbedürftige Depression hin.

…ich soll mich mit meinem ganz beschissenen leben als marginalisierter der globalisierung auch noch im medizinbetrieb verwursten lassen, wenn ich schon zu nix anderem mehr tauge. Eine ganz tolle aufforderung, die auch ein gutes geschäft ist. Da kriege ich denn hübsche, bunte pillen, die machen mich pflegeleicht und lassen mich vielleicht sogar an die beglückungsideen derer glauben, die mir allerlei tinnef oder p’litische heilslehren verhökern wollen.

Allerdings sträube ich mich strikt dagegen, gesunde reakzjonen auf kranke zustände als eine krankheit behandeln zu lassen. Und den gefallen, mich still umzubringen, werde ich auch niemanden tun – jedenfalls nicht, ohne ein paar leute mitzunehmen. Wenn ihr astlöcher da draußen meint, das sei als depressjon zu bezeichnen, denn tut das ruhig. Es geht mir am arsch vorbei.

So oft ich über guhgell lästere…

…jetzt hat guhgell eine maßnahme für ein schöneres internetz ergriffen. Ich werde die obskuren, kryptofaschistischen pi-pi-macher in den guhgell-nachrichten nicht vermissen, ganz im gegenteil.

Wie sehr ich diese "nachrichtenkwelle" schon ausgeblendet habe, merke ich daran, dass ich es gar nicht bemerkt habe. Dass die plötzlich nicht mehr dabei war. Dafür habe ich zu oft bemerkt, dass die notdürftig getarnte hetzpropaganda gegen eine große religjonsgemeinschaft dabei war.

Via watchblog islamophobie