Blogger fragen, Schwerdtfegr antwortet (ein bisschen)

Ich hab heut ein neues Design auf meinen Blog gemacht, im Firefox wird alles korrekt angezeigt, aber der IE macht Probleme […] Im Internet Explorer rutscht die Sidebar nach unten, außerdem werden die Grafiken in der Sidebar anstatt mit 150×50 Pixel (so sind sie auch im Original) mit 158×58 Pixel angezeigt. Ich hab keine Ahnung, woran das liegt.

Dieser effekt ist relativ einfach zu erklären. Es gibt im internetz unterschiedliche formen der matematik. Zum einen gibt es die gewöhnliche matematik, die alles in allem ähnlich zu dem ist, was die meisten menschen an der schule gelernt haben sollten. Die addizjon, subtrakzjon, multiplikazjon und divisjon funkzjoniert hier genau so, wie die meisten menschen das erwarten, auch verhält sich die prozentrechnung nicht ungewöhnlich. Die geometrie entspricht ebenfalls der anschauung.

Es ist aber ein fehler, diese form der matematik für die einzige zu halten. Nur, weil sie sich im menschlichen alltag bewährt hat.

Darüber hinaus gibt es nämlich noch die so genannte „microsoft-matematik“, die vor allem im boxmodell aller ausgaben des populären „internet explorer“ verwendung findet. Hier wurden die konvenzjonellen pfade der inneren konsistenz und logik verlassen, statt dessen führen einfache rechnungen zuweilen zu komischen ergebnissen. Wenn man etwa in einem CSS ein kwadrat mit 150 pixel seitenlänge definiert und der inhalt einen abstand von 10 pixel zum rand haben soll, so erhält man ein microsoftlogischerweise ein kwadrat mit einer seitenlänge von 170 pixel. Natürlich nur im IE. Die microsoftlogische lösung für dieses problem ist es, ein kwadrat mit 150 pixel seitenlänge zu nehmen und in dieses ein kwadrat mit 130 pixel seitenlänge zu positionieren, das 10 pixel abstand von umliegenden elementen hat. Um also ein kwadrat zu machen, das in der matematik von „internet explorer“ und konvenzjonell rechnenden brausern (das sind alle anderne) gleich aussieht, muss man zwei kwadrate ineinander legen. Und das gleiche gilt für alle anderen elemente.

Dass der HTML-kwelltext auf diese weise mit rein technischen elementen aufgebläht wird, die keine semantische bedeutung haben, muss man in kauf nehmen. Dass er unübersichtlich wird und dass sich sehr leicht fehler einschleichen, die sehr schwer zu finden sind, gehört zu den dingen, an die man sich gewöhnt.

Die microsoft-prozentrechnung ist ein ganzes tema für sich. Grundregel: nimm 99 prozent, wo du 100 schreiben willst, sonst hast du meistens einen horizontalen rollbalken. Aber die 99 sind 100, jedenfalls in den meisten fällen. Richtig kompliziert kann es werden, wenn man prozentuale angaben mit angaben in pixeln oder anderen einheiten kombinieren muss, da fällt dem IE immer ein weg ein, diese dinge anders zu interpretieren, als das ein normaler mensch erwarten würde.

Der grund für die einführung der microsoft-matematik liegt im dunkel. Wahrscheinlich hat irgendwann einmal ein kaufmann etwas von „alleinstellungsmerkmal“ gefaselt, und das wort gefiel dem microsoft-vorstand richtig gut. Es ist ja auch eine tolle vorstellung, dass man seiten so gestalten kann, dass sie nur im IE richtig aussehen, in jedem anderen brauser hingegen unbenutzbar sind. Vor allem, wenn man verhindern will, dass die menschen einen anderen brauser verwenden, weil der eigene immer so fröhlich nach hause telefoniert und microsoft zu einer umfangreichen datenbank über das internetz-verhalten der anwender liefert. (Diese idee hat schule gemacht, und guhgell sammelt ähnliche informazjonen mithilfe der so genannten „guhgell-tuhlbar“.) Und geschäftskunden kann man die verwendung anderer softwäjhr gleich ausreden. Böse zungen sprechen davon, dass der IE für seine berechnungen ein eingebautes excel hat, das ja auch gern zu komischen und inkonsistenten ergebnissen kommt.

Sicher ist nur eines: die spezielle interpretation des CSS–boxmodelles durch den IE ist von microsoft beabsichtigt. Sie ist allgemein bekannt und wird aus gründen der „kompatibilität“ des IE mit dem IE seit jahren erhalten. Obwohl es eine kleinigkeit wäre, mit einer einfachen meta-angabe im HTML für normales rechnen beim IE zu sorgen. Aber diese kleinigkeit ist nicht gewünscht, sie würde das leben der menschen im internetz zu einfach machen.

Wer im internetz gestaltet, kommt nicht umhin, mit den beiden formen der matematik zu leben. Manche schreiben eigene CSS-dateien nur für den IE, andere basteln stundenlang „vernünftige“ lösungen für unvernünftige zustände.

Manche haben auch überhaupt keine lust mehr, sich um die matematische parallelwelt des IE zu kümmern. Was einst ein „alleinstellungsmerkmal“ des redmonder brausers war, wird immer mehr zu einem merkmal, das den IE aus gewissen bereichen des internet ausschließt. Wer es sich leisten kann, ungefähr 35 prozent seiner besucher mit einer fehlerhaften ansicht (und vielleicht noch dem hinweistext, dass man einen „richtigen brauser“ verwenden soll) abzuspeisen, der soll das ruhig tun. Vielleicht gibt es ja doch noch mal einen IE, der das kann, was man von einer softwäjhr für kompjuter eigentlich erwartet: richtig rechnen…