Am falschen ende gespart

„The Register“ berichtet, dass die klimawandel-seite von Al Gore gehäckt wurde. Das wordpress-blog von Al Gore, das fester bestandteil dieser seite ist, läuft zurzeit unter der wordpress-versjon 2.0.4. Diese ist gut anderthalb jahre alt, sie hat etliche bekannte und zum teil leicht ausnutzbare fehler. Wenn ich ein häcker gewesen wäre, der einen solchen angriff fahren will, hätte ich mich mit sicherheit auf das blog gestürzt, um einen fuß in die tür zu kriegen.

Aber wieso sind die deppen um Al Gore nicht dazu imstande, eine einigermaßen aktuelle versjon der verwendeten softwäjhr zu installieren. Ich kann ja verstehen, wenn jemand bei der 2.0.x von wordpress bleiben will, weil vielleicht etliches im blog verbastelt ist. Aber die 2.0.x wird als eigener fork weitergepflegt und jedes bekannte problem wird behoben. Es besteht überhaupt kein grund, eine derart alte und unsichere versjon zu verwenden.

Ich möchte ja wetten, dass da mal wieder am web gespart wurde. Irgendjemand, der gewiss nicht besonders gut bezahlt wurde, hat das aufgesetzt – es ist wirklich erstaunlich, wie viele auch große netzpräsenzen von schlecht bezahlten studenten nebenbei hochgezogen werden. Und niemand hat die notwendigkeit gesehen, dass man jemanden mit ausreichender kompetenz damit beauftragen muss, sich weiterhin um die verwendete softwäjhr zu kümmern. Wahrscheinlich ist der jetztige stand der frickelei nicht einmal ausreichend dokumentiert, weil ein mensch ohne langfristige aussicht eben nicht an eine dokumentazjon denkt. Vor allem denn nicht, wenn er nicht dafür bezahlt wird.

Ja, ich denke mir das alles einfach nur so, ich weiß es natürlich nicht genau. Aber ich habe solche sachen in meiner aktiven zeit als programmierer immer wieder in freier wildbahn gesehen, und keineswegs nur bei kleinen unternehmen. (Ich nenne jetzt aber keine namen, obwohl es mich irgendwie juckt. Aber es waren sogar große bankhäuser dabei.) Besonders beliebt ist es, dass der auftrag an ein unternehmen gegeben wird, das denn lehrlinge oder praktikanten für billig proggen lässt (geiz soll ja geil sein), aber so teuer abrechnet, als wären richtige experten mit hohem stundensatz am werk gewesen. Klar, dass dabei nur strunz entsteht – hauptsache, es läuft so schnell wie möglich. Klar auch, dass der schnell aus fertigen komponenten zusammengefrickelte haufen strunz nicht gut wartbar ist und sich hartnäckig noch dem nötigsten appdäjht widersetzt.

Wer als p’litiker, organisazjon, verein oder unternehmung im web auftreten will und dabei die erforderlichen kosten für technisches personal und entwicklung gering halten will, darf sich nicht wundern, wenn es zu peinlichen und letztlich schädlichen ausfällen kommt. Und wer sich als p’litiker, organisazjon, verein oder unternehmung blind und unkontrolliert auf das verlässt, was irgendwelche fragwürdigen klitschen (so genannte „consulting-firmen“ oder „softwäjhr-firmen“) abliefern, der ist schnell verlassen.

Ein solches sparen am falschen ende ist dennoch häufig. Auch dort, wo das geld ansonsten eher locker sitzt und reichlich vorhanden ist. „Geiz ist geil“ führt eben zu recht ungeilen auftritten, wenn die folgen der lohndrückerei im internetz für ein großes publikum sichtbar werden.

(Außerdem: irgendwie gönne ich es dem herrn nobelpreisgewinnler…)

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