Eine DDoS-attacke der spämmer

Ich habe es wirklich erst eben bemerkt, als ich einen ruhtinierten blick in die logdateien des websörvers warf. Aber angesichts der mechanischen wucht dieses angriffes werden es gewiss ein paar leute bemerkt haben – ich kann mir nicht vorstellen, dass das blog noch gut erreichbar war.

Es handelt sich um „Unser täglich Spam„. Dieses projekt habe ich anfang des jahres zusammen mit Frank begonnen, weil wir beide von der damaligen spämm-flut richtig übel genervt wurden. (Die gute alte mäjhl war zwischendurch so gut wie unbrauchbar geworden.) Eine hoch trabende, aufklärerische absicht haben wir mit diesem blog niemals verbunden und lieber guten und etablierten vereinen wie antispam überlassen, wir wollten einfach nur der flut von teilweise strunzdummer spämm etwas entgegen setzen, indem wir sie in zersetzender weise kommentieren. Es war uns auch vom ersten tag an klar, dass wir zudem auch andere formen der werbung würdigen werden. Unser damals sehr schnell formuliertes „manifest“ ziert noch heute die seitenleiste:

Wir alle erhalten jeden Tag Spam. Hier trifft die Spam auf wahre Genussmenschen, die sie verkosten und verdauen. Auch andere Formen der Werbung gehen durch unseren Darm. Natürlich kann dabei manchmal Satire entstehen. Aber das meiste ist „nur“ Realsatire. Unfreiwillige.

Und genau das haben wir die ganze zeit getan. Frank hat sich im laufe der monate immer mehr zurückgezogen, aber ich bin eben in den letzten fünf jahren so eine richtige bloggerseele geworden und habe dafür umso energischer die dümmsten ausflüsse von spämm und werbung „verdaut“. Da die gegenwärtige spämm-flut in mäjhl, „social web“ und blogkommentaren zu einem kleinen, aber aufdringlich stinkenden bächlein zusammengeschrumpft ist, machen würdigungen legaler werbeformen mittlerweile ein gutes drittel der neu entstehenden textmenge aus.

Schade übrigens, dass noch niemand mitmachen wollte. Bloggen über spämm ist insofern sehr einfach, als dass das material jeden tag von allein kommt. „Unser täglich Spam“ ist ein blog, das sich relativ mühelos füllt.

Dieses recht harmlose blog hat – anders, als meine ganzen anderen blogs – zuweilen sehr wilde zeiten hinter sich bringen müssen. Als „wordpress deutschland“ die neue form der plackinn-spämm etablieren wollte, war der sörver kurz vorm zusammenbruch. Aber auch andere besonders penetrante formen der spämm führten immer wieder zu erheblichen spitzen im zugriff, da ich oft zeitnah fröhliche und mahnende hinweise zu diesem wahnsinn veröffentlichen konnte.

Und so wurde das blog doch „ein bisschen aufklärerisch“, wurde „ein bisschen“ über das lockere spaß-bloggen erhoben. Schon nach relativ kurzer zeit legte ich eine FAQ zum tema spam an, die in kürze die wesentlichen fragen beantwortet. Etwas länger hat es gedauert, bis ich mich dazu durchrang, spämmtexte neu zu verlinken und eine seite mit einem deutlichen warnhinweis einzublenden, wenn jemand auf einen link in einer zitierten spämm geklickt hat – was dann auch öfter einmal vorkam.

Aber niemals hätte ich gedacht, dass ein relativ unbeachtetes blog bei den spämmern beachtung finden würde. Doch genau das ist jetzt geschehen. Wer sonst außer der spämm-mafia hat die botnetze parat, mit denen sich kurzer hand eine derartige attacke gegen ein blog fahren lässt? Einfach so viele zugriffe machen, bis das blog nicht mehr erreichbar ist.

Es waren ungefähr 60 verschiedene IP-adressen, alle aus den IP-bereichen der zugangs-proweider. Es waren übernommene heimrechner, wahrscheinlich von spämm-opfern, die sich mal eben die aktuelle kollektion von schadsoftware geholt haben, als sie auf einen link in der spämm klickten. Immer wieder holten sie die startseite und die RSS-fiehds für einträge und kommentare ab, um das blog vorübergehend vom netz zu nehmen und um mir probleme zu bereiten.

Und ich habe es gar nicht richtig bemerkt. Wenn es durch die extrem gehäuften zugriffe nicht starke verschiebigen in den „beliebtesten spämms“ gegeben hätte, die ich an der seite einblende, denn hätte ich es vielleicht niemals bemerkt.

Das blog war bestimmt für einige stunden praktisch vom netz. Aber es ist wieder da. Ohne, dass ich etwas dafür tun musste. Zum glück gehört zu Franks hosting-vertrag ein ordentlicher datentransfer, da sind die sabotöre aus der spämm-mafia nicht einmal in die nähe gekommen. Das mag für andere menschen anders aussehen. Wir haben keine schädlichen spätfolgen dieses angriffes.

Aber ich weiß jetzt, dass die existenz dieses blogs einige verbrecher wirklich stört. Das ist neu, ich habe nicht damit gerechnet. Und es ist für mich eine gute nachricht, ein zeichen von wirksamkeit dessen, was ich tue. Genau das gehört zu den dingen, die man als blogger nur selten zu sehen bekommt, wenn man in einer eher einsamen haltung seine texte für eine anonyme leserschaft schreibt.

Dennoch ist es möglich, dass das blog bei einer weiteren attacke richtig zerstört wird. Dass es dauerhaft lahm gelegt wird. Es gibt ein paar leute da draußen, die daran interesse haben.

Deshalb möchte ich jeden menschen bitten, über spämm zu schreiben. Sie zu zerlegen. Mit ätzendem finger auf ihre ungereimtheiten zu deuten. Über ihre natur aufzuklären. Dafür zu sorgen, dass nach möglichkeit niemand diese seuche des internetzes auf die leichte schulter nimmt. Das muss nicht jeden tag sein, vielleicht nicht einmal jede woche. Einmal im monat würde reichen. Je weniger zentral solche informazjonen gelagert sind, desto geringer ist die schangse für einen solchen angriff. Und je leichter sich solche informazjonen mit guhgell (und anderen suchmaschinen) finden lassen, desto mehr verbrecherische geschäfte entgehen denen, die uns allen mit ihrer spämm das internetz vergällen. Vielleicht kommt es sogar einmal dazu, dass sich die asozjale haltung eines spämmers nicht mehr lohnt, weil kaum noch jemand auf die betrügerischen maschen reinfällt.

Das wäre wirklich wünschenswert.

Denn ein internetz ohne spämm (ganz schwärmerisch eingeworfen: und ohne sonstige werbung) ist wieder das, was es sein soll: ein netzwerk von kompjutern, das menschen zusammen bringt.

Widerstand lohnt sich also. Und. Er ist einfach. Legen wir den spämmern ihr dreckiges handwerk!

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