Vom verschreiben

Früher, als ich noch nicht direkt um die dinge bettelte, die ich zum leben benötige, sondern mich als abhängig beschäftigter arbeitsbettler durchs leben schlug, da habe ich auch als programmierender gearbeitet.

Wer nicht selbst programmiert, hat in der regel eine völlig falsche vorstellung von der natur dieser arbeit. Es ist erstaunlich, wie viel man beim programmieren zu lesen hat, ob es sich nun um die dokumentazjon benutzter biblioteken, um API-schnittstellen oder auch nur ganz allgemein um handbücher handelt. Jeder programmierer liebt dokumentazjon, die am bildschirm lesbar ist und mit vielen beispielen typischer anwendungsfälle daher kommt, die man direkt über die zwischenablage in den editor befördern kann, um sie an die eigenen aufgaben anzupassen. Und jeder programmierer hasst fehler in solcher dokumentazjon.

Als ich mich zum beispiel mit der manchmal etwas ungewöhnlichen SQL-syntax der SQL-datenbank von gupta (die hießen zwischendurch auch mal centura) herumschlug und noch nicht so recht auskannte, da habe ich immer wieder einmal ein beispiel aus der dokumentation eingeflogen, um es mir anzupassen. Und dabei habe ich so manche überraschung erlebt, weil diese beispiele fehlerhaft waren. Um mich mit dem völligen hohn zu übergießen, waren diese fehler in der gedruckten dokumentazjon beseitigt — ganz offenbar wurden die hilfetexte aus einem anderen dokument erstellt, und man hatte auf guptas seiten im veröffentlichungsdruck nicht immer die allergrößte sorgfalt walten lassen.

Aber die geschichte hatte auch ihr gutes, denn gupta ist nicht microsoft. Als ich einmal aus ganz anderen gründen den support anrief (teures ferngespräch in die USA, abstottern auf englisch, nuschelnder südstaaten-dialekt auf der anderen seite der leitung — gut, dass das nicht mein geld war…), da nutzte ich gleich die gelegenheit, diese handvoll fehler in der dokumentazjon zu melden. Und zu meiner größten verwunderung wurden alle von mir gemeldeten fehler im nächsten pätsch der entwicklungsumgebung korrigiert. Als jemand, der es gewohnt war, wie microsoft seine korrekturen irgendwo in den tiefen des MSDN-geraffels verbarg, erlebte ich so etwas wie eine begegnung mit einer anderen welt. Seitdem weiß ich, dass es sich manchmal wirklich lohnt, fehler in einer dokumentazjon zu melden.

Manchmal aber ist es gut, auch die offensichtlichen fehler aus der dokumentazjon zu übernehmen, sie könnten nämlich zum standard geworden sein. Mein liebstes (allerdings inzwischen historisches) hass-beispiel ist der RFC für das protokoll HTTP. Irgend jemand hat sich dort beim schlüsselwort für die übermittlung der verweisenden URI vertippt, er schrieb falsch „Referer“ statt korrekt „Referrer“. Dieser tippfehler ist zum bestanteil des HTTP-standards geworden, und er ist es bis heute; die falsche schreibweise ist technisch korrekt. Ich habe schon mehr als einmal erlebt, dass menschen falschen programmkohd schreiben, weil sie eben korrektes englisch schreiben. Die zwischenablage wäre hier besser gewesen…

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