Sind die SEOs krank…

Was ist los? Ich habe jetzt schon den dritten tag hintereinander ohne handgeschriebene SEO-spämm. Dabei stand ich schon kurz davor, die kommentare in meinen blogs abzuschalten, um diesen ein-euro-jobbern des deutschen internet keine schange mehr zu geben, ihren dreck bei mir abzuladen.

Oder fanden die spammenden firmen meine recht ausführlichen „lobenden erwähnungen“ im spämm-blog doch nicht so toll? 👿

Es scheint ja doch manchmal etwas zu bringen, wenn man das nicht alles nur stumm über sich ergehen lässt.

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Man sollte immer eine kamera dabeihaben…

…weil es in der irrsinnigen wirklichkeit der heutigen zeit dinge gibt, die einem keiner glaubt, wenn man nicht ein foto davon macht. Sie klingen einfach zu meschugge, um einen anspruch auf glaubwürdigkeit zu haben, wenn man keinen beleg für ihre existenz hat.

Nein, ich spreche nicht von UFOs.

Ich spreche von einem findsel meiner augen, das schmerzhaft in den optischen apparat drang, als ich einen mitmenschen zum gemeinsamen schleppen in einen baumarkt begleitete. So ein baumarkt ist ja längst nicht mehr nur ein versorger für die vielen heim- und schwarzarbeiter, sondern er bietet auch ein sammelsurium von wenig geschmackvollem tinnef feil. Vor allem in den monaten vor weihnachten findet man dort alles, um vorgärten und balkone in eine industriell genormte vorhölle des deutschen spießertumes zu verwandeln — und manchmal ist das, was dort an- und ausgepriesen ist, keiner satire mehr fähig.

So etwa auch ein produkt, das mich zum haltlosen lachen brachte. Es war nicht so ein lachen aus heiterer fröhlichkeit, es war mehr ein lachen aus dem konkreten schmerz erlebter idjotie heraus. Mein bekannter konnte erst gar nicht verstehen, worüber ich eigentlich lachte, hielt wohl eher mich für ziemlich gaga. Er war so sehr auf das konzentriert, was er in diesem baumarkt kaufen wollte, dass jede andere aufmerksamkeit verloren ging. Aber als ich es ihm zeigte, verstand er, was mir wehtat.

Doch ich hatte keine kamera dabei. Und das dort angebotene produkt und vor allem das preisschild, auf dem dieses produkt angeboten wurde, erschien mir als eines dieser dinge, die man ohne beleg niemanden als ausfluss der wirklichen, kollektiven geisteskrankheit dieser welt erzählen kann, ohne dass es in zweifel gezogen wird.

Das brachte mich dazu, eine kamera zu leihen, einzustecken und völlig freiwillig und ohne not einen baumarkt zu besuchen, wofür ich immerhin eine ziemlich lange strecke durch den kalten tag auf einem fahrrad zurücklegte. Nur, um dieses eine preisschild für ein ganz tolles produkt auf einem foto zu konservieren:

Pferd mit Sound - 100kg Tragfkraft - 35,99

Hoppe hoppe reiter:
Wenn er denkt, denn schreit er!

Wer es an der farbgebung und an der dort inflazjonär gebrauchten schrifttype „blue highway“ noch nicht bemerkt hat: Es war übrigens ein OBI, und wahrscheinlich gibt es dieses tolle angebot in jedem OBI…

Jamendo und die SACEM

Dieser pohsting ist sozusagen eine „sicherheitskopie“, da ich bei diesem gesamten vorgang erwarte, dass es zu einem akt der zensur durch jamendo kommen könnte. Deshalb lege ich auch einen gewissen wert darauf, dass es außerhalb des rechtsraumes der BRD erscheint. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass ich einsehen muss, dass dieses pohsting völlig überflüssig war — aber ich bin ein „ausgelernter optimist“, der schon genug scheiße erlebt hat, um mit dem schlimmsten zu rechnen. Vor allem, wenn geld und die jurakeule der besitzenden im spiele sind.

Der bezug ist ein vorgang, bei dem sich der französische rechteverwerter SACEM nachträglich die rechte an werken aneignet, die ursprünglich unter freien lizenzen veröffentlicht wurden. In der folge verschwinden diese ursprünglich frei veröffentlichten werke aus dem internetz, und die idee der freien lizenzen wird auf diese weise sabotiert und entwertet. Nachdem ich erleben musste, dass im verlaufe zweier wochen niemand von den mehreren tausend menschen, die das unter einer freien lizenz veröffentliche album heruntergeladen haben und deshalb auf ihrer festplatte haben müssen, so viel mumm hatte, dieses album völlig legal zum daunlohd anzubieten, ist mir ein bisschen der kragen geplatzt. Zum glück hatte ich das album auch, ich fand es auf einer DVD mit bäckapps. Deshalb habe ich es zum freien daunload zur verfügung gestellt und das nachfolgend zitierte posting in der entsprechenden diskussjon auf jamendo von mir gegeben:

Auf einer alten DVD mit Backups habe ich es gefunden! Das originale ZIP-Archiv von Jamendo, MP3, 192 kbit/s mit den originalen Lizenztexten und den Begleitmaterialien. Es handelt sich um ein Werk, das in dieser Form unter einer freien Lizenz veröffentlicht wurde, ich erachte daher die Weitergabe als legal. Das Archiv ist völlig unverändert. Für mindestens einen Monat wird der folgende Download-Link funktionieren (ich kann mich nicht beliebig auf dem verwendeten Server austoben):

[dryfe — Frederic Ribeiro — MP3, 192kbit/s]

Sollte sich die SACEM entschließen, einen obdachlosen Künstler wie mich, der nicht einmal eine ladefähige Adresse hat, dessen gesamtes Werk von der Idee der Freiheit aller Kulturgüter geprägt ist, zu verklagen, dann werde ich den gesamten Vorgang als freie künstlerische Performance zum Thema der Geldherrschaft und Phobokratie betrachten, verwerten und veröffentlichen. Unter dem Motto: „Kultur kann man nicht einsperren, aber Menschen – die SACEM tobt sich aus“. Das wird meine erste Darbietung in Spontankabarett.

Ich habe fertig!

Nachtrag, Kategorie wichtig: Mann oh mann oh mann, da muss doch noch jemand dieses Album haben! Wenn man angstdoof und hündisch auf jene Rechte verzichtet, die in freien Lizenzmodellen eingeräumt werden, weil ein paar — sorry! — finanzkräftige Kulturschmarotzer der Kopierindustrie mit der Jurakeule winken, denn sind die freien Lizenzmodelle endgültig wertlos geworden. Von daher bitte ich jeden Menschen, dem freie Lizenzen noch etwas bedeuten, um eine legale Weiterveröffentlichung dieses Albums im frei zugänglichen Internet, von Filesharing bis zum HTTP-Download. Sollte ich in den nächsten Tagen feststellen, dass es ausgerechnet hier bei Jamendo niemanden mehr gibt, dem freie Lizenzen so viel bedeuten, dass es zu einer kleinen Geste des Widersprechens gegenüber dem unverschämten Anspruch eines institutionalisierten Rechteverwerters nach rückwirkender Ungültigkeit einmal erteilter Lizenzen kommt, denn sehe ich das als Signal, dass Jamendo für mich gestorben ist. Das gleiche gilt für mich übrigens, wenn dieser Forumsbeitrag, der zu einem völlig legalen Handeln zum Schutz der Bedeutung freier Lizenzen auffordert, in den nächsten Tagen verschwinden sollte — ich habe viel unter freien Lizenzen gegeben, etliche davon noch freier als die CC-Lizenzen, und ich werde niemals zulassen, dass so ein Akt des freien Gebens nachträglich von irgendjemanden entwertet werden kann.

Was von der freiheit übrig bleibt, wenn man nicht bereit ist, dafür auch nur ein kleines wagnis einzugehen, das möchte ich nachfolgende generazjonen gar nicht sehen lassen!

Post vom forum…

Warum können mir diese verkackten webforen eigentlich immer brav eine mäjhl schreiben, wenn jemand zu einem tema antwortet, zu dem ich geschrieben habe — sind aber dabei nicht fähig, einfach mal den text des pohstings in diese mäjhl aufzunehmen? Manchmal glaube ich, dass die programmierer von forensystemen ihre eigene softwäjhr gar nicht benutzen. Das muss man doch merken, dass eine solche funkzjon ziemlich sinnfrei ist.

Vielleicht denken sie aber auch nur, dass das alles so schlecht sein muss.

Wenn ich jemals ein eigenes forum programmiere, werde ich jedenfalls an eine völlig vernünftige mäjhlschnittstelle denken, wo man die antworten auf wunsch nicht nur als mäjhl erhält, sondern auch gleich als mäjhl beantworten kann. Das ist gar nicht so schwierig umzusetzen, und es machte das leben mit webforen viel leichter.

Hagen Rether

Ich hatte nicht damit gerechnet, und ich konnte auch nicht damit rechnen. Sie bat mich — ohne eine spur weiterer erläuterung — dass ich mir den ganzen sonntag für sie freihalte, und unser miteinander ist von dieser problembeladenen natur, die mich bei solcher bitte nichts gutes erwarten lässt. Und dann konnte ich sie die ganzen tage vorher so was von nix erreichen! Dabei hätte ich doch so gern gewusst, wofür ich mir einen tag freihalte…

Es war kein problem, sondern sie wollte unbedingt mit mir einmal etwas anderes machen, rausgehen, zu einen ort, wo ich nicht die ganze zeit am kotzen bin. Sie ist nicht gerade reich, sie lebt sogar von hartz IV, aber das war ihr eine menge geld wert. Und so fand ich mich am sonntag in einer dröhnenden straßenbahn, die durch die ödnisse hannovers fuhr, mit dem ziel langenhagen, in ein kleines teater, die mimuse.

Und dort gab es

Hagen Rether

Und sie hatte recht, ich habe nicht die ganze zeit gekotzt. Obwohl das, was dieser wortmagier da sehr unterhaltsam brandmarkte, durchaus zum kotzen war — nein, nicht der vortrag, sondern die darin beschriebenen zustände der medialen angstmache, des p’litischen betriebes, der stumpfen beschäftigungsterapie für die menschen und der völligen resignazjon. Nein, ich habe sogar gelacht. Denn Hagen Rether schwebt so weit über diesem ganzen klamauk und über den allzu eingefahrenen wegen des p’litischen kabaretts, dass es ein genuss ist. Der hat da über drei stunden auf der bühne gestanden, und es war eigentlich nur deprimierend, und man hat gelacht.

Ein ganz großer zauberer!

Ich habe sogar die gelegenheit genutzt, ihn kurz kennenzulernen, als er nach seinem programm einfach dasaß, um seine CDs mit autogrammen abzustempeln. Ich hatte keine CD gekauft, ich wollte kein autogramm, ich hasse jeden personenkult. Ich wollte ihn einfach nur sagen, zusammen mit ihr, was das für ein wundervoller abend war, und das habe ich getan. Ich dachte mir, dass er so etwas schon hundertmal gehört hat, denn ich vermeide jedes drängeln und habe auf das ende des ansturms gewartet. Aber nein, er schaut uns an, sagt so etwas wie „Ihr habt doch da oben auf der empore gesessen, hat man da auch alles gut gehört?“ und ich bin fassungslos. So viel aufmerksamkeit habe ich noch nie bei jemanden erlebt, der auf einer bühne sein programm abspult (und glaubt mir: bei dem sitzt jedes wort ganz sicher und fest).

Ich sage es ja: ein ganz großer zauberer, und ein abend, den ich so schnell nicht vergessen werde.