Hagen Rether

Ich hatte nicht damit gerechnet, und ich konnte auch nicht damit rechnen. Sie bat mich — ohne eine spur weiterer erläuterung — dass ich mir den ganzen sonntag für sie freihalte, und unser miteinander ist von dieser problembeladenen natur, die mich bei solcher bitte nichts gutes erwarten lässt. Und dann konnte ich sie die ganzen tage vorher so was von nix erreichen! Dabei hätte ich doch so gern gewusst, wofür ich mir einen tag freihalte…

Es war kein problem, sondern sie wollte unbedingt mit mir einmal etwas anderes machen, rausgehen, zu einen ort, wo ich nicht die ganze zeit am kotzen bin. Sie ist nicht gerade reich, sie lebt sogar von hartz IV, aber das war ihr eine menge geld wert. Und so fand ich mich am sonntag in einer dröhnenden straßenbahn, die durch die ödnisse hannovers fuhr, mit dem ziel langenhagen, in ein kleines teater, die mimuse.

Und dort gab es

Hagen Rether

Und sie hatte recht, ich habe nicht die ganze zeit gekotzt. Obwohl das, was dieser wortmagier da sehr unterhaltsam brandmarkte, durchaus zum kotzen war — nein, nicht der vortrag, sondern die darin beschriebenen zustände der medialen angstmache, des p’litischen betriebes, der stumpfen beschäftigungsterapie für die menschen und der völligen resignazjon. Nein, ich habe sogar gelacht. Denn Hagen Rether schwebt so weit über diesem ganzen klamauk und über den allzu eingefahrenen wegen des p’litischen kabaretts, dass es ein genuss ist. Der hat da über drei stunden auf der bühne gestanden, und es war eigentlich nur deprimierend, und man hat gelacht.

Ein ganz großer zauberer!

Ich habe sogar die gelegenheit genutzt, ihn kurz kennenzulernen, als er nach seinem programm einfach dasaß, um seine CDs mit autogrammen abzustempeln. Ich hatte keine CD gekauft, ich wollte kein autogramm, ich hasse jeden personenkult. Ich wollte ihn einfach nur sagen, zusammen mit ihr, was das für ein wundervoller abend war, und das habe ich getan. Ich dachte mir, dass er so etwas schon hundertmal gehört hat, denn ich vermeide jedes drängeln und habe auf das ende des ansturms gewartet. Aber nein, er schaut uns an, sagt so etwas wie „Ihr habt doch da oben auf der empore gesessen, hat man da auch alles gut gehört?“ und ich bin fassungslos. So viel aufmerksamkeit habe ich noch nie bei jemanden erlebt, der auf einer bühne sein programm abspult (und glaubt mir: bei dem sitzt jedes wort ganz sicher und fest).

Ich sage es ja: ein ganz großer zauberer, und ein abend, den ich so schnell nicht vergessen werde.

3 Antworten zu “Hagen Rether

  1. Den Abend kann ich dir ja nicht mehr verderben 😉
    Daher einige kritisch Anmerkungen:

    Seit einem gewissen Reinhard M. nach dessen Konzerten ich auch immer so ein heimeliges, verzaubertes Gefühl hatte, bin ich vorsichtig geworden. Politisches Kabarett ist für mich zwar sowas wie das „Opium des linksintellektuellen Volkes“ wozu ich mich selbst als Abhängiger zähle, nichtsdestotrotz versuche ich kritische Distanz zu halten: gerade durch das Ankoppeln von eigentlich unerträglichen Zuständen an Lachen, werden diese erträglich gemacht. „Man kann darüber lachen“ bedeutet nichts anderes als dass man es leicht und nicht mehr so ernst nimmt, zumindest bis die Wirkung der Droge Lachen nachlässt. Und letztlich verdienen die Kabarettisten parasitisch (wenn es wenigstens parasitoid wäre, aber selbst die rotten ihren Wirt nicht aus) von dem Unrecht, das die Staatsmafia produziert. Gäb’s kein Unrecht und keine Politkaste, dann hätten wir auch weit weniger zum Lachen, das einem im Halse stecken bleibt, dafür mehr erwerbslose Kabarettisten. Wie ich von Rethers TV-Auftritten weiß bringt er auch die Personenkultnummer mit Angela M.&Co. Und wer ins TV darf, muss harmlos sein. Angela M.&Co. darf man in der richtigen Sendeschublade übelst beschimpfen, aber wehe eine Elke Heidenreich bezeichnet außerhalb einen Thomas G. als „dumm“. Die kriegt nicht mal mehr einen Job als Parkwächter beim ZDF.
    Und wer hinter der Maske des Hagen Rether in der Öffentlichkeit steckt … vielleicht sollte man ihn mal Fragen ob der bei der VG Wort ist oder seine CDs mit Kopierschutz versetzt oder seine Werke unter einer CC-Lizenz freigibt. Ob er sich da anders verhält als ein Reinhard M. http://www.tamagothi.de/2008/04/24/propaganda-der-content-industrie/

  2. ja. der hagen rether ist schon noch eine der besseren dieser komikerdeppen.

    und.

    ja. was cassiel da bei 1. sagt, da stimm ich auch zu. es ist zum heulen das lachen 😦

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