Des blahens blühender erfolg

Vor etwas über einem jahr habe ich als nebenprojekt meines damals an gleicher stelle gehohsteten bloggs das kleine blah-blog begonnen. So richtig ernst habe ich das gar nicht genommen, es handelte sich um einen schnellen behelf, mit dem ich kurze mitteilungen rausbloggen konnte, ohne dass ich auch noch twittern würde. Denn von allen diesen „web-zwo-null“-diensten halte ich eigentlich immer weniger.

Entstanden ist eine fröhliche linkschleuder, die keinen übergroßen anspruch verfolgt und immer wieder eine spur galle enthält, manchmal sogar einen kurzschluss, eine spur des übereifers. Ich nutze dieses kleine blog selbst inzwischen sehr gern, aber ich kann mir immer kaum vorstellen, dass andere menschen an so einer lockeren zusammenstellung wirren krams und seltsamer links ernsthaftes interesse haben könnten. Nun, ob ich mir das vorstellen kann oder nicht: Andere menschen haben daran interesse. Tatsächlich hat dieses blog schon kurz nach seiner eröffnung mehr zuleser gehabt als das recht ambzjonierte „lumières dans la nuit“, und heute sieht es so aus, dass ich dort im durchschnitt den dreifachen datenverkehr vergangener zeiten habe.

Oder kurz gesagt: Die sicherste metode, mit einem blog erfolg zu haben, scheint darin zu bestehen, dass man auf komplexe aussagen, trübe gedanken, hübsche sprache und gepflegte nachdenklichkeit verzichtet. Vielleicht ist das auch der tiefere grund für das scheitern so vieler ambizjonierter projekte — scheitern vor allem, wenn man die gescheiterten versuche betrachtet, aus dem täglichen ablassen von blogeinträgen geld zu machen.

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Interestingness…

Und immer wieder kann ich mich über die „fähigkeit“ der gestalter von so genannten „web zwo null“-anwendungen wundern, die nichtsigkeit ihrer „konzepte“ in unsinniger sprache zu verkleiden, damit sie nicht ganz so nackt vor dem anwender steht. Bei flickr habe ich zum beispiel eben den folgenden text lesen müssen:

Dies sind ihre 57 beliebtesten Inhalte, sortiert nach Interestingness

Wenn mir jetzt noch jemand erklären würde, was „interestingness“ sein soll… es kann sich dabei kaum um die zugriffszahlen handeln, da selbst fotos ohne nennenswerte zugriffszahlen weit oben in der liste aufscheinen und der spitzenplatz von einem niemals betrachteten foto eingenommen wird. Wahrscheinlich ist es einfach nur eine technisch ermittelte unsinns-zahl, und um das besser zu verbergen, wird ein hübsches unsinns-wort dazu geschrieben. Und damit man nicht merkt, wie unsinnig das unsinns-wort und das dahinter stehende technokratische „konzept“ wirklich ist, wird dieses unsinns-wort als englisches unsinns-wort in den deutschen text gekleistert. Sicherlich, man hätte auch „interessantheit“ schreiben können, aber das klingt erstens ziemlich falsch und zweitens merkt dabei jeder, was es für ein unsinn ist, wenn bilder ohne einen einzigen zugriff in einer solchen liste der „interessantheit“ ganz oben stehen.

Eben typisch „web zwo null“: ganz viel heiße luft. Was anderes kann solche blasen ja auch nicht groß machen.

Daheim und im büro

Auf einer speicherkarte — „compact flash„, wie wenig kompakt das doch heute wirkt — die ich in meinem dachlosen, vorübergehenden leben häufig für den transport von daten verwende, wurde der sehr informative text „for home or office use“ gedruckt. Was wäre ich nur ohne den hilfsbereiten texter, der mir solche informazjonen auf die produkte stempelt? Ich würde doch glatt glauben, dass man eine solche karte nur daheim oder aber nur im büro verwenden könnte…

Aber ich habe auch immer wieder dagegen verstoßen und diese karte draußen benutzt — sie passt nämlich in meine mobile schreibmaschine, einen jornada 820e, und an hübschen tagen schreibe ich gern unter einem baume sitzend. Das hat der karte bis jetzt auch nicht geschadet — alles andere hätte mich auch gewundert.

Vielleicht sollte der text mal erweitert werden und alle denkbaren anwendungsfälle ausweisen. Sonst kriegt noch jemand angst, wenn er eine solche karte unter einem baum verwendet. 😉

Testeintrag

Dies ist nur ein testeintrag, ich plage mich gerade mit dem plackinn „ScribeFire“ für den bloatfox herum. Dabei will ich natürlich auch sehen, ob das hochladen von bildern klappt…

Technik, die funkzjoniert, kann so schön sein…

Wichtiger Nachtrag: Das plackinn ist grundsätzlich benutzbar, wenn es auch ein paar fröhliche javascript-fehlermeldungen beim veröffentlichen anzeigt. Aber ich werde es dennoch nicht benutzen, da es die folgende kleine hinzufügung…

<div class="zemanta-pixie">
<img class="zemanta-pixie-img"
src="http://img.zemanta.com/pixy.gif?x-id=24783458-63b5-83e1-adcf-16d064ce5ab2"
alt="" /></div>

…einfach und ungefragt an den blogeintrag dranklatscht. Es handelt sich um eine unsichtbare GIF-grafik, über die auf dem oben in der URL sichtbaren sörver die über „ScribeFire“ gemachten einträge geträckt werden, und dass einem so etwas einfach zusammen mit einer eindeutigen ID untergemogelt werden soll, finde ich schon ein bisschen frech.

Von daher ist meine empfehlung an andere: finger weg davon! Auch, wenn sich hinter einem solchen mechanismus nur die unendliche gier nach immer mehr statistik verbirgt, das stille unterjubeln einer versteckten träcking-funkzjon ist untragbar. Mir reichen die Schäubles dieser welt, da brauche ich nicht auch noch so einen mutmaßlich kommerziell orientierten träcker. Auch andere kann ich davor nur warnen.

Ende der mitteilung.

Tauchen nennt man das jetzt also…

Als ich noch jung war, da nannte man dieses plumpe herangehen an interessante weiblein schlicht „baggern“ oder „anmachen“, und wann es sprachlich derb wurde, war auch vom „aufreißen“ die rede. Inzwischen bin ich alt geworden und die zeiten haben sich geändert. Der frühling zieht mit sonnenschweif und lindem wind über die lande, die sträucher blühen auf, die vöglein pressen ihre kloaken aufeinander und einige leute scheinen zu glauben, dass sich im internetze… ähm… was reißen lässt. Nun, im internetz sürft man ja bekanntlich, und der wesentliche unterschied zwischen sürfen und segeln besteht immer noch darin, dass man sich beim segeln meistens über wasser befindet. Kein wunder, dass man das jetzt tauchen nennt. 😀

Völlig nutzlos…

…aber so lustig für alle lateiner, die vom typischen kompjuterlatein die schnauze so richtig voll haben und lieber richtiges latein lesen wollen.

$ sudo aptitude install hodie
$ hodie
Hodie post. Non. Apr. MMIX est
$

Ehrlich gesagt finde ich so etwas wesentlich erfreulicher als das ganze selbstbezügliche PR-geschwafel auf der re:pubsmalda.

Schade, dass sich noch niemand die mühe einer vollständigen lateinischen lokalisierung von debian gemacht hat, sonst hätte ich den besten denkbaren zugriffsschutz. Aber nein, ich bin nicht kompetent dazu. Das muss jemand machen, der treffliche und gute lateinische ausdrücke für „datenbank“, „datei“, „internet“ und eine menge anderes zeug findet, das die alten römer so nicht kannten.

Zusammen getäggt

Ich habe mir heute eine dieser ganz simplen fragen gestellt. Seit das blah-blog läuft, verwendet es ja kaum das kategorien-system von wordpress, sondern die meist kurzen texte werden mit täggs ausgezeichnet. Und weil das so schön einfach geht und weil man sich dabei keine strukturellen gedanken machen muss, werden an so einem text gern mehrere täggs gehängt. Das ist nur natürlich.

Die frage, die ich mir stellte, lautete nun: Welche täggs tauchen oft gemeinsam zu einem text auf. In dieser kleinigkeit könnte sich, so meine idee, doch einiges von der geisteshaltung kristallisieren, die jeden tag zu den kurzen hinweisen antreibt — und die sehr subjektive geisteshaltung ist wieder eine reakzjon auf den oft wenig erkwicklichen zeitgeist.

Es gibt nun für so ziemlich jeden mist irgendwelche statistiken, die schon einmal jemand fertig programmiert hat, aber diese frage musste ich mir denn doch selbst beantworten — mit einem kleinen python-skript und einem bisschen SQL. (Niemand erwarte hier ein wunder der eleganz, ich habe das schnell hingestrokelt.)

Das skript steht zusammen mit seiner ausgabe für den nachtwächter-blah zum freien daunlohd zur verfügung. damit sich auch niemand anders mehr diese mühe machen muss. Auf hinweise, wie man das ding zum laufen kriegt, verzichte ich hier, wer python kann, wird sofort damit klar kommen. Allerdings muss das skript auf einem rechner laufen, der die möglichkeit zu einer direkten verbindung zur wördpress-datenbank bietet, da es seine informazjonen unmittelbar aus der datenbank gewinnt.

Ein paar kleine anmerkungen zur täggbenutzung im blah-blog

Glotzrepublik — Es ist schon interessant zu sehen, dass das tag „BRD“ in mehr als zehn prozent seiner benutzungen zusammen mit „propaganda“, „dämonkratie“ und „kotzreiz“ gefallen ist, aber das entspricht durchaus meinen eigenen erwartungen. Dass ich „ARD“ aber vergleichbar oft zusammen mit „BRD“ benutze, ist mir nicht ganz so klar gewesen.

Netzweg — In mehr als 10 prozent der fälle habe ich die täggs „internet“ und „zensur“ gleichzeitig benutzt.

Werbewahn — Ähnlich stark korrelliert sind „werbung“ und „wahnsinn“. Dabei habe ich doch gar keinen fernseher und sehe die autowerbung, die so manifest irre geworden ist, nur sehr sporadisch. Das „werbung“ und „bullshit“ gut zusammen passen, ist aber für mich kein wunder.

Müllblogger — Wenn ich das tägg „bloggen“ in einem fünftel der fälle zusammen mit dem tägg „spam“ verwende, sagt es wohl einiges darüber, womit man sich beim bloggen so herumschlagen muss.

Propaganda — Was sich so richtig spitzenmäßig zum tägg „propaganda“ gesellt hat, das sind die täggs „link“ (gut, im blah-blog werden viele links gesetzt), „hirnfick“, „brd“, „lüge“, „journaille“, „krieg“, „kotzreiz“. Und das ist eine prächtige zusammenfassung, warum ich beim besten willen keine zeitung mehr aufschlagen werde.

Geglaubtes — Ach, ich lasse zum tägg „religion“ einfach mal den spitzenreiter „link“ weg und zähle auf, was sich sonst dazu gesellt, denn es spricht für sich: „christentum“, „wahnsinn“, „bibel“, „bullshit“,  „katholizismus“, „hirnfick“, „dummes“, „papst“, „bild“, „islam“, „jesus“, „kirche“, „mord“… es klingt fast wie ein zynisches synonym-wörterbuch. Aber es ist nicht so mörderisch und menschenverachtend zynisch wie die wirklichkeit der religjon, die sich darin abbildet.

Guglhupf — Wie sich doch die ehemalige suchmaschine guhgell in den letzten monaten darum bemüht, dass eine alternative zu diesem datensammler mit angeschlossener suchmaschine entsteht: „chrome“, „internet“, „datensammlung“, „google is evil“, „überwachung“, „kotzreiz“, „schrott“, „wahnsinn“, „werbung“, „adsense“, „weltherrschaft“, „zensur“… wenn das ein fragment eines entstehenden synonym-wörterbuches ist, denn sollte sich guhgell ernsthaft geganken um die außenwirkung machen.

Dosenfleisch — In mehr als zwanzig prozent der fälle ist das tägg „spam“ mit dem tägg „seo“ verknüpft. So sieht es aus mit der handgeschriebenen SEO-spämm in einem harmlosen, kleinen blog, das jetzt weg ist. Na ja, es ist nicht richtig weg, nur aus der juristischen schusslinie gezogen ist es.

Dämonenherrschaft — Das schon seltene tägg „dämonkratie“ verbindet sich mit „brd“, „hirnfick“, „propaganda“ und „überwachung“, direkt gefolgt von der „spd“. Ja, die sind im hochbeschwören dämonischer ängste offenbar viel aktiver als ihr politische mitbewerb. Oder liegt es daran, dass leute wie Wolfgang Schäuble und Porno-Ursel von der Leyen nur noch geisteskrank wirken?

Brägenficker — Das tägg „medien“ erscheint in einem viertel der fälle zusammen mit dem tägg „hirnfick“. Das kommt mir fast ein bisschen zu wenig vor…

Käferplage — Wenn ich das tägg „bug“ verwende, steht jedes zweite mal „wordpress“ dahinter. Das lässt ziemlich tief blicken.

Alles in allem hätte ich mir etwas mehr aufschluss und auch ein paar überraschungen von einer solchen analyse erwartet, aber davon gab es nur wenig. Vielleicht werde ich diese analyse in einem jahr noch einmal über das blah-blog laufen lassen, das kleine skript dafür ist ja schon fertig.