Neusprech des tages: zensur heißt jetzt anders

Die unterdrückung unerwünschter inhalte durch US-amerikanische internetz-buchhändler nennt man jetzt nicht mehr unterdrückung unerwünschter inhalte, jedenfalls nicht im ticker von heise onlein. Statt von unerwünschten inhalten spricht man von schund, und damit sind nicht irgendwelche groschenromanchen gemeint, und statt unterdrücken und unsichtbar-machen nennt man es jetzt „ausmisten von schmuddelecken“, weils ja eh nur mist betrifft. So einen mist wie sexuelle fantasien zum beispiel, die manche (erwaxene, versteht sich) leute anregend finden. Und nicht so einen mist wie gewaltverherrlichendes und menschenrechtsverachtendes schriftgut wie etwa die bibel und den ganzen daran hängenden wust sekundärer und tertiärer dumm-, fromm- und kitschliteratur.

Was für ein glück, dass die nicht die als kulturleistung hochgeachteten, literarischen werke der griechischen und römischen antike verlegen. Eine lyrische ankündigung wie dieses „Pedicabo ego vos et irrumabo“ von Gaius Valerius Catullus ginge doch glatt als „schund“ durch, den man ausmisten kann…

Noch so ein „einzelfall“

Sitzt ein mann achtunddreißig jahre lang hinter den psychjatrischen mauern, an denen die grundrechte enden, weil ein gutachter „gemeingefährlich“ in sein gutachten geschrieben hat. Dass das irgendwie falsch war, konnte natürlich keiner der „fachärzte“ dort mitbekommen haben, es waren ja nur so ein paar jahre zeit dafür. Und jetzt hat das opfer dieses gutachters und der anschließenden paramedizinischen zwangsbehandlung so schweren schaden durch seine paramedizinische zwangsbehandlung genommen, dass er außerhalb der psychjatrischen klinik gar nicht mehr leben kann. Aber keine sorge, so etwas passiert im rechtsfreien raum der psychjatrie nicht öfter…

Der Fall sei „einmalig“

…sondern es handelt sich um einen bedauerlichen „einzelfall“. Das braucht man auch nicht weiter zu untersuchen:

Auch der Anwalt des 56-Jährigen, Peter Steenpaß, darf die Dokumente nicht lesen, die das wahre Ausmaß der falschen Behandlung offenlegen würden.

Willkommen in der BRD, diesem dingsda mit den menschenrechten und dem rechtsstaat und so. Mich würde es nicht wundern, wenns noch tausende von diesen „einzelfällen“ gibt.

Meikrosoft: müllverkauf durch umbenennung

Meikrosoft so: die leute haben irgendwie gemerkt, dass dieses kürzel „RT“ hinter unserem tollen flitsch-flatsch-fliesenleger-windohs dafür steht, dass sie nicht nach herzenslust softwäjhr installieren können und dass der kompjuter gar nicht mehr richtig ihnen gehört. Was machen wir da? Wir lassen unsere sprechepresser davon blahfaseln, dass dieses „RT“ für „kundenverwirrung“ gesorgt hat und lassen den verkaufsbehindernden hinweis einfach weg. Und dann krönen wir diese intelligenzverachtung noch mit einem kleinen, etwas gammligen sprachlichen sahnehäubchen:

Wir wollen es für die Leute jetzt einfacher machen.

Jetzt werden die ganzen entrechtungsdinger bestimmt wie freibier weggehen! Katzen im sack sind ja ein irre begehrtes gut! :mrgreen: