Ubuntu des tages

Wollt ihr mal lachen?!

Ubuntu ist ja eine tolle linux-distribuzjon. Die haben in ihrem streben nach vereinfachung und trivialisierung auch eine tolle oberfläche gemacht, den unity-desktop. Der ist im grunde wie ein GNOME 3, nur nicht so gut bedienbar wie ein solcher — und glaubt mir, GNOME 3 ist auch schon ein krampf im arsche! Wenn man mit unity ein programm starten will, kann man ein bildschirmfüllendes dingens zum starten von programmen (und ein paar anderen dingen, wie suchen und internet-suchen und krams) aufmachen. Wer weiß, wie das programm heißt und rausgekriegt hat, dass man das durchsuchen kann, fängt am besten damit an, den namen der anwendung zu tippen, um schnell die startmöglichkeit zu sehen, und wer das (noch) nicht weiß, klickt mindestens dreimal in einem bildschirmfüllenden riesenstartdingens voller lustiger bunter bilder rum. Und weil das im alltag doch ein bisschen umständlich ist, hat unity an der linken bildschirmseite noch ein anderes dingens. Das ist etwas, was die älteren vielleicht ein bisschen an die seitenleiste aus NeXTstep erinnert. Gestartete programme erscheinen darin, und man kann sie über einen kontextmenüeintrag in der leiste fixieren, damit die piktogramme nach dem beenden der programme drin bleiben und beim nächsten mal bekwem und schnell gestartet werden können. Das muss man natürlich wissen oder zufällig entdeckt haben, um es nutzen zu können. Und weil irgendwelche benutzerschnittstellen nach dem vorbild von konzepten der frühen neunziger jahre so eine weltraumtechnologie sind, hat canonical dieses dingens „launcher“ genannt. Mit lautem wusch-geräuschen der bezahlten bejubler des konzeptes startete das ding in den luftleeren raum hoch, und in den frühen versjonen fiel es halt auch öfter mal wieder runter… :mrgreen:

Der große vorteil dieser oberfläche? Also jetzt: außer dass sie anders ist, als die konzepte beinahe jeder anderen grafischen schnittstelle und deshalb vom anwender von grund auf neu erlernt werden muss? Ähm… eigentlich keiner… und natürlich, dass man mit den gleichen konzepten auch gleich eine oberfläche für wischofone und wischopädds hat. Weil… dass es eine extratolle idee ist, die gleiche oberfläche für mausbediente tischrechner — meist dazu verwendet, damit ergebnisse zu erzielen — mit tastatur und meist großen monitor und kleine mediengenuss-, unterhaltungs- und kwasselgeräte verwenden zu wollen, das hat ja gerade schon meikrosoft mit seinem windohs-acht-totalversagen bewiesen. Die einfache beobachtung, dass menschen zum beispiel kein problem damit haben, eine glotze zu bedienen, die inzwischen auch ein kompjuter geworden ist, obwohl sie dort eine andere benutzerschnittstelle als an ihren händi oder an ihrem kompjuter haben; dass es den menschen sogar entgegenkommt, wenn man die GUI an die wichtigsten anwendungsfälle eines gerätes anpasst und nicht etwa den benutzer an „eine GUI für alles“ (unity!) anzupassen versucht, ist für manche leute mit technischen beglückungsideen offenbar zu viel der angewandten praktischen intelligenz. Inzwischen scheint sich bei herrn Schüttelwert ja eine kleine einsicht breit gemacht zu haben und das techniktrunkene gelaber von „konvergenz“ mit irgendwelchen wischodingern ist verstummt. Zumindest fürs erste.

Es fällt mir schon ein bisschen schwer, nicht in einen ironischen ton zu verfallen, wenn ich diesen ganzen bullschitt zu beschreiben versuche. Es ist einfach nur komisch, zum brüllen komisch.

Und zu dieser komik passt es ganz hervorragend — und nur deshalb habe ich diesen etwas länglichen schlenker in die ubuntu-vergangenheit gemacht — dass sich leute hinsetzen und ein mutmaßlich größeres stück ihrer lebenszeit dafür hergeben, eine art aufwändiges startmenü als äpp für den unity-launcher nachzubilden. Natürlich immer noch nicht so bedienbar wie das überkommene und jedem kompjuternutzer aus den meisten anwendungen heraus vertraute konzept eines menüs, das eventuell weitere menüs öffnet, sondern eher wie das öffnen einer programmgruppe im unsäglichen programm-manager von windohs 3.x. Da hätte man doch gleich bei einem richtigen startmenü bleiben können… aber nein doch, das ist jetzt ja neu und toll und wird ganz anders angepriesen:

Although it’s not perfect, Drawers brings a lot of extra functionality to the Unity Launcher. Once the development settles down (and it more seamlessly works with 14.04), this will be a must-have for most Ubuntu Unity users

Bwahahaha!

„Do-Not-Track“ des tages

Könnt ihr euch noch dran erinnern, dass sie ins HTT-protokoll eine neue kopfzeile „Do not track“ eingefügt haben, mit der der brauser mitteilen kann, dass nicht geträckt werden soll? Und an den ganzen sturm im wasserglas, der daran hing, als auf einmal einige brauserprojekte dieses dings standardmäßig aktivierten, also das träcking und die pseudonymisierte oder personalisierte datensammelei zu etwas machten, dem ein mensch explizit und bewusst zustimmen muss, statt irgendwo in den einstellungen seines brauser ein häkchen zu suchen, dass der brauser sagt, dass es unerwünscht ist. Und daran, dass der ganz scheiß auch noch nutzlos war, weil sich ja niemand dran halten muss, was der brauser da an wünschen übermittelt. Das war ganz großes kino im vorstellungssaal „gefühlter datenschutz“…

Echter datenschutz sieht übrigens so aus, dass man javascript abstellt¹ und keine site-übergreifenden cookies annimmt. Letzteres dient wirklich nur zur nutzerüberwachung durch reklame-klitschen und kann global abgestellt werden — hallo feierfox, das wäre mal eine gute standardeinstellung! Ach, das mit banknoten wedelnde guhgell will das nicht, ich verstehe… 😦 — ersteres erleichtert man sich mit einem addon wie „no script“, um schnell seine zwanzig ausnahmen setzen zu können. Wer noch fauler ist oder einfach mal sehen möchte, wie schlimm der seit-überspannende träcking- und überwachungswahnsinn durch irgendwelche klitschen ohne seriöses geschäftsmodell mittlerweile geworden ist, installiere sich das addon „ghostery“.

Warum ich das alles nochmal schreibe? Wegen „Yahoo“. Wenn der brauser zu irgendwas von „Yahoo“ sagt, dass nicht geträckt werden soll, dann antwortet „Yahoo“ auf diesen wunsch mit einem klaren FUCK YOU in richtung seiner nutzer. Oder, um Yahoo zu zitieren:

Die Privatsphäre unserer User ist und bleibt von hoher Priorität für uns.

*göbel!*

Mit den träckern und datensammlern — und ich sage, dass das nicht nur für Yahoo gilt, sondern für alle diese widerlichen und letztlich menschenfeindlichen unternehmen, die kein seriöses geschäftsmodell haben und deshalb ans geld durch reklame auf grundlage einer datensammlung glauben — ist kein frieden möglich. Da helfen keine standards. Da hilft nur das abschalten der träckingmöglichkeiten. Je öfter, desto besser!

(Und nein, ich habe nichts dagegen, wenn menschen explizit und aufgeklärt zustimmen, dass sie geträckt werden. Dies geschieht meiner meinung nach nicht durch die häufigste lüge im gesamten internet: das häkchen im kästchen vor „ich habe die nutzungsbedingungen gelesen und bin damit einverstanden“. Ich habe was gegen das heimliche, unsichtbare ausspähen durch unternehmen ohne seriöses geschäftsmodell. Und etwas gegen ihre pseudoverträge, deren 30 kilobyte 8-punkt-augenpulver in abstoßender, unerfreulicher juraprosa niemals jemand liest geschweige denn auf anhieb versteht. Wer mit solchen mitteln vorgeht, ist eigentlich nur noch ein arschloch.)

¹Javascript wird ausgiebig zum träcking verwendet, gerade in der scheiß-reklame, die überall eingebettet ist. Es ist mit javascript möglich, informazjonen über die installierten addons, die auf dem rechner verfügbaren schriftarten und dergleichen zu bekommen, was eine spätere wiedererkennung des brausers — und damit des nutzers — auch oft dann möglich macht, wenn die cookies nach jeder sitzung gelöscht werden. Eine demonstrazjon, wie weit das geht, hat die EFF ins web gestellt. Inwieweit die persistenten speichermöglichkeiten von HTML5 schon zum träcking eingesetzt werden, hab ich mir noch nicht angeschaut, aber auch hier hilft die abschaltung von javascript. Eine etwas fernliegende träcking-möglichkeit ist der brauser-cache. Beim abruf einer datei, die schon in diesem zwischenspeicher ist, übermittelt der brauser den zeitpunkt, zu dem er die datei empfangen hat, und erhält darauf meistens die antwort, dass die datei noch aktuell ist. Sörverseitig könnten die von einer IP-adresse übermittelten zeitpunkte zu einem pseudonymen profil zusammengesetzt werden, das wiedererkennung ermöglicht. Ich weiß nicht, ob jemand diesen aufwand treibt, aber den datensammlern traue ich alles zu. Regelmäßiges leeren des cache schließt auch dieses kleine türchen. Ach ja, und den fettesten träcker, datensammler und werber des web, guhgell, sollte man nicht gerade als suchmaschine nutzen…

Wenigstens sind bei der NSA die daten sicher…

Wenigstens sind bei der NSA die daten sicher, außer natürlich, es kommt mal ein Edward Snowden und trägt sie raus. Ansonsten versteht man dort doch wohl was von kompjutersicherheit. Außer natürlich, die webseit wird einfach mal eben so von einem deutschen gepwnt. Das war jetzt bestimmt ein irre schwieriger häck, den nicht jeder hinbekommt. Oder vielleicht auch nicht:

Das ist jetzt keine Lücke, die wirklich viel Fachwissen beansprucht