Kurz verlinkt

Über 40 Menschen, die in einem gebrandschatzten Gewerkschaftshaus ums Leben kamen. Über 200 Verletzte. Eine Regierung, der an einer Aufklärung der Geschehnisse ganz offensichtlich nicht gelegen ist. Ist das ein Thema? Berichterstattenswert? Für ARD, ZDF, Süddeutsche, Zeit, F.A.Z. und den Rest des sogenannten Alpha-Journalismus explizit nicht. Vielmehr legten die deutschen Leitmedien einen Info-GAU hin, der den Vergleich mit der vielgeschmähten Berichterstattung russischer Medien in keiner Weise zu scheuen braucht

Ach ja, einen herzlichen nachträglichen glückwunsch von mir. Zum tag der pressefreiheit am 3. mai. Wenn man euer treiben so anschaut, ihr lohnschreiber für die herrschenden und besitzenden, dann wird ja völlig klar, dass diese große, heilige „pressefreiheit“ völlig unverdient über euch gekommen ist. So wie etwa eine geburt. Da kann ich nicht mehr anders, als euch wie zum geburtstag zu gratulieren.

Nein, behaltet euer glas. Ich stoße nicht mit an. Sauft das von euch mitvergossene blut gefälligst selbst, ihr scheißjornalisten und schreibtischmörder!

Lösung ohne problem des tages

Das wird ja heiter, wenn sie die „smartwatches“ als ganz tolle lösung verkaufen werden, für die es nur leider noch kein problem gibt. Dafür allerdings machen diese uhrförmigen armbandkompjuter ein paar neue probleme:

Derzeitige Smartwatches haben vergleichsweise kurze Akkulaufzeiten. Wer als Besitzer einer herkömmlichen Armbanduhr zu einer Smartwatch wechselt, muss sich umgewöhnen und die intelligente Uhr alle paar Tage an ein Ladegerät hängen

Nee, dann doch lieber ein tamagotchi. Das macht zwar virtuellen mist und will virtuelle brötchen und gelegentlich auch mal bespielt werden, aber wenigstens hält die batterie eine ewigkeit… und die uhrzeit kann es ja auch anzeigen. 😀

Wiedergänger des tages

Vorab ein hinweis vor allem für jornalisten: die andersfarbig hervorgehobenen textbestandteile sind so genannte hyperlinks. Da kann man draufklicken. Die führen dann irgendwo anders hin, auf eine andere webseite. Ich pflege auf diese weise — die für euch als jornalisten ja ziemlich ungewohnt ist und deshalb wohl leicht ein bisschen wirr erscheint — meine kwellen zu belegen. Lasst das mal zehn sekunden sacken, damit ihr das prinzip versteht, und dann überzeugt euch davon, dass hier nicht etwa irgendwelche haltlosen behauptungen — wie sie zum beispiel eure arbeitgeber so gern von sich geben — aufgeführt sind. So, und jetzt könnt weiterlesen! Das mit diesem internetzdingens, das werdet ihr schon noch mal verstehen…

Was hatten wir denn mal so richtig richtig lange nicht? Na… :mrgreen:

Das Medienhaus M. DuMont Schauberg plant eine digitale Bezahlschranke für den „Kölner Stadtanzeiger“ und die „Berliner Zeitung“. Die Digital-Abos sollen im Juli dieses Jahres eingeführt werden

Richtig, der ewige erlöser der contentindustrie, „paid content“. Der wird wohl auch in fünf jahren noch erlöser sein, nur erlöse kommen eher nicht dabei raus. Selbst guhgell, sonst durchaus bekannt für langen atem und langjähriges durchtragen nicht-rentabler ideen hat diese bescheuerte idee auffallend schnell wieder aufgegeben. Vermutlich, weil absehbar war, dass die idee nicht wirtschaftlich ist.

Ich hoffe, ihr macht es anders als eure kollegen von der braunschweiger zeitung, deren von extrakompetenten spezjalexperten hingeproggte bezahlschranke mit einem adblocker überwunden werden konnte. Sonst ersetzt ihr ja nur das nicht funkzjonierende geschäftsmodell mit eingeblendeter drexreklame (nur echt mit mindestens zehn träckingskripten) durch das nicht funkzjonierende geschäftsmodell mit einer dysfunkzjonalen strokelscheiße.

Nicht einmal die feuchten träume von kostenpflicht durch irgendwelche wischofon-äpps scheinen sich so richtig erfüllt zu haben. Tja, das ist schon mistig, dass dinge, die man veröffentlicht, öffentlich werden. Und wenns nur abgeschriebene DPA-meldungen sind, die gibts weiterhin aus tausend kwellen. Dabei hat sich doch schon lange herausgestellt, dass es ein irrglaube ist, dass leute für zeitungen in einer äpp geld hinlegen, wenn diese keinen vorteil gegenüber dem frei verfügbaren web bietet. Da helfen alle dankgebete eurer kwalitätsjornalistischen exzellenzen an den großen gott des geldes nicht, unnützes wird nicht dadurch schon attraktiver, dass es auch noch geld kostet. Kann ich gut verstehen, diese leute, die eure beglückungsideen nicht haben wollen. So ein gehirn neigt ja doch manchmal zum denken. (Außer bei verlegern, versteht sich — und jornalisten sind auch gern mal denkresistent. Da werden dann entscheidungen getroffen, dass man leuten für eine ausgabe einer wischofon-zeitung mal eben 350 MiB daten ins wischofon steckt. Das macht vor allem bei volumenverträgen spaß, und ich habe mir sagen lassen, dass die bei händis gar nicht so selten sein sollen…)

Ach, übrigens der fürs wischofon hoch dankbare herr Döpfner, der hat immerhin für seine wischofon-bezahl-blutzeitung in einem kwartal stolze 785 abos verkaufen können.

Wisst ihr eigentlich, woran man inta… ähm… intellen… ähm… intelligenz erkennt? Daran, dass jemand aus seinen wahrnehmungen im großen und ganzen zutreffende schlüsse über die ursachen der erscheinungen und die folgen des tuns ziehen kann. Ein sechsjähriges kind, dass den test mit der glühenden herdplatte mehr als zwei bis drei mal macht, ist selbst für sein zartes alter ein bisschen schwach im denkmuskel. Bei deutschen verlegern ist doch schon 2011 (nach ein paar erfahrungen) die einsicht aufgekommen, dass „paid content“ unrealistisch ist.

Aber hej, da kann man ja nochmal auf die heiße herdplatte draufbatschen. Oh, das tut ja weh… na sowas!

Sucht also schön weiter, ob ihr einen findet, der für abgeschriebene PR-reklamehirnfickscheiße, die zudem auch noch in eine klickediklickediklickstrecke gebracht wurde ein onlein-abo bei euch abschließt. Also jetzt nur bei euch, also bei einer einzigen zeitung, die sich als betondummer pfeiler des kwalitätsjournalismus der ganzen vielfalt des offenen und frei zugänglichen web gegenüberstellt. Die mutter der doofen soll ja immer schwanger sein.

Und denkt dran, dass eure tricks, mit nicht-öffentlichen inhalten in den suchergebnissen guhgells und konsorten aufzuscheinen, nicht völlig schiefgehen. Das ist nämlich ein bisschen peinlich. Vor allem, wenn man sich hinterher hinstellt und sagt, dass man geglaubt hat, das würde doch keinen von den ganzen idjoten da draußen auffallen. Überheblichen arschlöchern geben die menschen nämlich noch viel lieber ihr geld, echt jetzt. Da müsst ihr nur ganz fest dran glauben!

Also los, macht es wie der „newsday“: investiert 650 megadollar in die einrichtung eurer bezahlschranke und habt nach drei monaten eure 35 abonnenten! Dieser Hans im glück hätte das als lohnendes geschäft empfunden. :mrgreen:

Und jetzt schön nochmal auf die heiße herdplatte batschen! Autsch!

Denn darin — so sagen es die ganz großen experten, deren weise worte in jedem jornalistischen produkt lautes echo finden — darin ist dieses deutschlanddingens vorreiter.

(Einmal davon abgesehen, ihr jornalisten- und verlegerlöcher, dass eure völlig offensichtliche propaganda-schreiberei kaum den strom fürs internetz wert ist. Ich freue mich jeden tag darüber, dass ich den anfang vom ende der presse noch erleben darf, dieser widerlichsten blüte unserer kultur, die sich während der ganzen zeit ihres bestehens hündisch schwanzwedelnd in so ziemlich jeden unterdrückerischen, unmenschlichen und mörderischen dienst der herrschenden und besitzenden gestellt hat, um sich dazu in die obszöne geste der aufklärung zu werfen. Stirb, verleger stirb; verrecke, jornalist, verrecke!)