Privatsfäre des tages (mit guhgell-aroma)

Stellt euch mal vor, ihr schreibt einen brief an hans müller, der an einer bestimmten adresse wohnt. Und der briefträger findet in dem haus keinen hans müller vor, aber dafür einen heinz meier. Also sagt sich der briefträger: diese namen klingen doch sehr ähnlich, stecke ich den brief einfach beim meier rein…

Üble vorstellung, nicht wahr? Natürlich müsste der brief im wirklichen leben als unzustellbar zurückgehen.

Guhgell mäjhl schickt mäjhls auch an… ähm… vertipper-adressen. Wenn ich eine mail an vorname.name at gmail punkt com schreibe, diese mäjhladresse aber nicht oder nicht mehr existiert, dafür jedoch eine mäjhladresse vornamename at gmail punkt com existiert, dann kommt die falsch adressierte mäjhl nicht etwa zu mir zurück (im besten fall mit einem hinweis auf die mögliche korrektur des vertippers), sondern geht an die existierende ähnliche mäjhladresse. Und der absender erfährt nichts davon.

Zu wie vielen milljonen, wenn nicht gar milljarden falschen zustellungen¹ diese tolle idee guhgells jedes jahr führt — auch von mäjhls, die sehr weit in die privatsfäre reinreichen oder ihrem empfänger das ändern von passwörtern ermöglichen (dafür reicht es ja oft, die mäjhl empfangen zu können).

Wer ein konto bei guhgell hat — und wer hat das nicht? — kann es eigentlich niemals kündigen. Was noch an mäjhl auf seine adresse geht, steht in gefahr, nach erlöschen der mäjhladresse zu einem völlig anderen menschen zu gehen. Es reichen ein paar bekannte, die nach ein paar jahren funkstille mal wieder kontakt aufnehmen wollen und deshalb an die nicht mehr aktive adresse schreiben. Der von guhgell nach irgendwelchen hokuspokus-algoritmen zur besseren nutzererfahrung auserkorene falsche empfänger kann nach belieben eine fremde identität missbrauchen und vermutlich fast alles über den inhaber der anderen adresse herauskriegen. Damit kann man zum beispiel betrugsnummern machen, man kann sich aber auch aus dem relativ anonymen medium heraus als psychopat üben. Dass da draußen leute rumlaufen, die eine sich bietende gelegenheit nutzen werden, ist für mich klar. Was guhgell mit dieser intransparenten umleitung von mäjhl auf ein nicht als empfänger angegebenes konto macht, ist eine verantwortungslose förderung der kriminalität und ein scheißen auf das bedürfnis der menschen nach privatsfäre in ihrer persönlichen kommunikazjon.

Oder ist es etwa von guhgell gar nicht vorgesehen, dass jemand mal sein guhgell-konto kündigt? Steht da „ihr vertrag mit guhgell erlischt erst mit dem tod, und auch dann nur unter dem vorbehalt, dass wir nicht irgendwann eine technik entwickeln, noch aus leichen profit zu schlürfen“ tief in den nutzungsbedingungsen verborgen, die dem nutzer jedes recht nehmen und guhgell dazu ermächten, sich eiskalte unverschämtheiten als recht herauszunehmen?

¹Wieviele nutzer hat guhgell mäjhl? Eine milljarde? Zwei milljarden? Nicht die zwangsregistrierungen aufgedrängten registrierungen nach dem händikauf vergessen!

7 Antworten zu “Privatsfäre des tages (mit guhgell-aroma)

  1. tl;dr. Habe nach den beiden Beispielemailaddressen aufgehört, da alles danach nur noch falscher werden konnte.
    Sorry, aber ‚foo.bar@isp.tld‘, ‚f.o.o.bar@isp.tld‘ und ‚foobar@isp.tld‘ sind die _selben_ E-Mail-Adressen. Kaum zu glauben, ist aber so. Das ist weder von Google, dem Zentralrat der pensionierten Illuminaten noch von der Bumsregierung; nein, das ist die RFC.
    RTFM!

    • Vielleicht bin ich ja gerade zu verpeilt und kriege gleich meinen verdienten RTFMA hinterher, aber nach „genuss“ des RFC 5322 ist mir das immer noch nicht klar.

      Zwischen punkten kann, was mir ebenfalls neu war, ein mit anführungszeichen umgebener teil sein, der dann sogar leerzeichen enthalten darf — den postmaster, der solche adressen vergibt, sollte man meiner meinung nach durch ein leerzeichen ersetzen — aber dass der punkt völlig bedeutungslos für die zeichenkette des local-part ist, kann ich der im RFC beschriebenen syntax nicht entnehmen.

    • Watt?
      Also ich lese jetzt nicht die RFC, aber unterschiedliche Zeichenketten sind unterschiedliche Zeichenketten – zumindest in der Programmierung. Wer so eine RFC verzapft gehört in die Computergrundschule. Ich bezweifle aber stark, dass das so Gültigkeit hat.

      • Ich hab da trotzdem lieber nochmal schnell reingeschaut, denn in den RFCs stehen dermaßen viele und oft sehr überraschende „altlasten“, dass mich gar nichts mehr wundern würde… 😉

        • Hmmm ja, wäre möglich. Aber ich mutmaße da nicht nur, sondern spreche auch aus Erfahrung, denn ich hatte vor Jahren schon so ein Fall bei web.de (nein. Ich will jetzt nicht über web.de diskutieren) und hatte dort ne Addy mit dem Schema vorname.x@web.de also Vorname.erstesZeichenDesNachname@web.de.
          Ich bekam dann oft Emails von einem Namensvetter der die selbe Addy hatte nur mit einem zusätzlichen Punkt. vorname.x.@web.de
          Der Typ hatte allerlei Nazizeug gesammelt, also so Blechorden usw. und ich bekam öfter solche Angebote die an ihn gerichtet waren, bei dem die Absender einfach den letzten Punkt vergasen.
          Hat mich tierisch genervt, aber das is ne Andere Geschichte 😉

          Also. Diese Erfahrung und das Computerwissen das ich habe, genügt mir, das als falsch zu identifizieren, bis mich jemand vom Gegenteil überzeugt. Und soweit ich weiß ist der Punkt auch keine Wildcard, so wie z.B. bei regulären Ausdrücken.

          Im übrigen wäre es ja auch zu einfach mal die Stelle zu nennen, wo das in welcher RFC stehen soll 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..