Frage des tages

Die Frage sei gestellt: Ist es auszuschliessen, dass man schon bald nicht mehr nur Werbung als geistige Umweltverschmutzung betrachtet, sondern auch Journalismus? Dass es nicht nur Werbeblocker gibt, sondern auch News-Blocker? Installiert, um uns vor einer geistlosen Ablenkung zu bewahren, die umso verführerischer ist, als sie sich den Anschein von Relevanz gibt?

Ja, werte jornalisten. Wenn ihr eure schleichwerbung jetzt „native advertising“ nennt und eure textprodukte — nein, nicht nur die im web — voll mit abgeschriebener PR-kacke (ohne kennzeichnung als reklame, und doch auffällig wie ein stroboskop in der neumondnacht) und markenbehochjubelung (besonders aufdringlich bei äppel zu beobachten) im tarnanzug des contents sind, dann wird das die logische entwicklung sein. Ihr seid irrelevante gestalten, die an der aufmerksamkeit zerren und beschränkte lebenszeit wegnuckeln.

(Übrigens auch ihr da drüben in der karl-wiechert-allee bei heise onlein, wenns dort so weiter geht — noch ist der kern intakt, aber er ist schon ganz schön angeknabbert.)

Verschlüsselung des tages

Adobe will sich jetzt nicht noch einmal dabei erwischen lassen, dass die ihh-buks nicht nur von lesern gelesen werden, sondern auch die leser lesen und lässt sein ih-buk-lesedingens „digital editions“ deshalb verschlüsselt nach hause telefonieren; ja, das telefonieren muss ja sein, wisst schon, wegen des jedes eingriffes in die privatsfäre rechtfertigenden „geisigen eigentums“:

Dazu gehören etwa die IP-Adresse, die Lesedauer und der bereits gelesene Umfang des Buches. All dies sei nötig, um Piraterie zu verhindern und Bezahlmodelle nach Region, Zeit oder Umfang zu ermöglichen

Wurde natürlich bei jedem ih-buk gemacht, das damit gelesen wurde, selbst wenn es freie literatur war. Auch weiterhin viel spaß mit dem „geistigen eigentum“, der weitgehenden überwachung durch vertreter totalitärer geschäftsmodelle und der allgegenwärtigen technikverhinderung durch DRM. Wer davon die schnauze gestrichen voll hat: wo die piratenbucht liegt, wisst ihr?! 😉

Prof. dr. Offensichtlich

Prof. dr. Offensichtlich hat mal im auftrag durchgeschepperter kaufleute eine dummfrage gemacht und dabei etwas wahrlich erschreckendes rausgekriegt:

Laut einer repräsentativen Umfrage des Bitkom und Aris gibt jeder zweite Verbraucher in Deutschland – 51 Prozent – kein Geld für PC-Software aus

Tja, wozu denn auch geld ausgeben? Das windohs gibts meist gleich zusammen mit dem gekauften kompjuter, die zugehörige softwäjhr ist für viele menschen ausreichend, das gute „open office“ gibts kostenlos zu saugen, das antivirus-schlangenöl gibts ebenfalls kostenlos und die internetz-softwäjhr kostet auch nichts. Wer auf schlangenöl und unendlich langsame aktualisierungen keine lust mehr hat und sich ein besseres betrübssystem als windohs installieren will, bekommt das auch kostenlos. Oder, ums mal mit dem sprachrohr der durchgeschepperten kaufleute zu sagen:

Für den Rundfunkbeitrag zahlt jeder Haushalt pro Jahr über 200 Euro, für Mobilfunk, Festnetz und Internet sind es schnell 600 Euro, aber bei Software gibt es eine weit verbreitete Kostenlos-Mentalität

Tja, schon scheiße, wenn man den leuten nix mehr verkaufen kann, weil alles bereits in guter kwalität kostenlos da ist.. Da muss man gleich die leute als „kostenlos-mentalisierte“ anpinkeln, um ihnen wenigstens übers schlechte gewissen irgendwas verkaufen zu können. Ob das wohl funkzjoniert, wenn alles andere so scheiße teuer geworden ist — oder was glaubt diese überbezahlte PR-fresse von den bitkomikern, was die leute da draußen so verdienen?! :mrgreen: