DE-mäjhl des tages

Demnächst soll es die per gesetz als sicher erklärte „DE-mäjhl“ auch mit sicherer verschlüsselung geben. Und zwar, indem es der brauser über javascript erledigt. Weil… ähm… müsst ihr wissen: so ein moppeliges universalprogramm wie ein webbrauser ist viel sicherer und besserer als eine eigens dafür geschriebene anwendung. Das merkt man ja daran, dass es niemals irgendwelche kompjutersicherheitsmeldungen zu brausern gibt. Und das verschlüsseln selbst ist ebenfalls echt gefährlich:

Die Prüfung auf Viren ist dann nicht mehr möglich. Verschlüsselt ist verschlüsselt

Toller FUD! Verschlüsselung macht alles unsicher!!ölf!!!1! :mrgreen:

Aber glaubt mal nicht, dass das nicht heißt, dass auf das auspacken und temporäre entschlüsseln der DE-mäjhl auf den sörvern der anbieter verzichtet wird. Stattdessen wird lieber dafür gesorgt, dass die PGP-nutzung in DE-mäjhl umständlich ist, zum beispiel auch dadurch, dass man nicht gleich einen keysörver mit integriert, der dann das abfragen des public key und die verschlüsselung zur klicki-klicki-kleinigkeit machen würde. Das wäre ja auch echt scheiße für die horch- und morddienste der BRD, wenn sie in vielen fällen gar nicht mehr mitlesen könnten.

Was bleibt, ist die tatsache, dass DE-mäjhl für jeden nutzer eigentlich nur nachteile (kosten, lesepflicht durch juristische verbindlichkeit einer zustellung) hat und zudem zur internetz-mäjhl inkompatibel ist, so dass man weder eine mäjhl an DE-mäjhl noch über DE-mäjhl eine mäjhl verschicken kann. Das tote pferd wird also auch nicht reiten, wenn man auf die „mäjhl mit briefporto“ etwas in unlesbarer zaubertinte schreiben kann — aber nur mit einem kugelschreiber, der zum träjning eines schweratleten geeignet ist.

Ich frage mich ja gerade, was wohl eher geschehen wird: der abriss des berliner flughafens oder die einstellung des DE-mäjhl-projektes…

Ach, übrigens habe ich jetzt mehr als einmal gehört, dass die telekomiker seit einem vierteljahr ihre 40-øre-gutscheine für amazon, die man für die teilnahme an DE-mäjhl versprochen bekommen hat, nicht rausrückt. Nicht, dass es die am ende gar nicht gibt. Das wäre doch echt scheiße für die gierigen idjoten, wenn sie sich wegen eines von einem reklamelügner versprochenen tinnef-gutscheins ein lebenslanges problem (mit regelmäßig benutzungspflicht wegen rechtverbindlichkeit der zustellung, auch wenn sie nicht gelesen wurde) mit dieser DE-mäjhl-scheiße ans bein binden. Kann man diesen dreck überhaupt wieder kündigen? Und wenn das nicht so einfach geht oder auch einfach nur aus bekwemlichkeit oft nicht gemacht wird… was wäre das für ein tolles betrügerisches geschäftsmodell für die nahe zukunft: den ganzen leuten, die sich für ein paar billige reklameplundergeschenke eine DE-mäjhl-adresse besorgt haben und sie nicht nutzen, darüber rechtsverbindlich etwas zustellen, das ihnen kosten erzeugt, die man hinterher im gerichtlichen mahnverfahren durchsetzt. Da wird den ganzen halbseidenen anvergewälten schon was praktizierbares einfallen, jetzt, wo das geschäft mit der abmahnung wegen kinderraubfickmordkopieren immer schwieriger wird, weil man mit einer IP-adresse als „beweismittel“ nicht mehr durchkommt. Oder erwartet jemand, dass ein derartiges geschmeiß mit jurastudiumshintergrund plötzlich so etwas wie anstand entwickelt?

Brüller-nachtrag von 17:50 uhr:

Was passiert, wenn eine verschlüsselte amtliche Nachricht bei einem De-Mail-Nutzer eintrifft, dieser sie aber aus technischen Gründen nicht öffnen kann, weil er sein PGP-Passwort vergessen hat?

Oh bitte! Ich kriege kaum noch luft vor lachen!

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