Und immer noch…

Und immer noch zeigt die kompjuterfachpresse bei jedem artikel, wie windohs 10 werden wird, ein bildschirmfoto des startmenüs. Werter jornalist, die meisten menschen haben inzwischen mitbekommen, dass der flitsch-flatsch-fliesenleger sich nicht mehr in den weg stellt, und so eine tolle innovazjon ist das startmenü auch nicht.

Unbuntu des tages

Weg mit dem ollen debian-paketkrams, der ausgereift ist und funkzjoniert (aber bei paketabhängigkeiten manchmal für einen heftigen kopfschmerz gut ist), da muss unbuntu¹ einfach mal wieder was eigenes und besseres einführen: bissige äpps. Ja, die nennen das wirklich so. (Aber „snappy“ wird hier besser als „flott“ verstanden. Trotzdem: wer so einen namen wählt, soll sich über spott nicht beklagen. Ach ja, apropos spott…)

Übrigens erinnert mich die ganze idee sehr daran, wie die anwendungen auf äppel-betrübssystemen abgelegt werden. Aber ich befürchte, dass unbuntu in der haltung schreiender dummheit auch den systemkern so verwalten wird, und wenns dann mal ein kleines fehlerchen in einer vielgenutzten bibliotek wie… sagen wir mal… openssl oder libc gibt, dann darf praktisch einmal das gesamte system anwendung für anwendung auf die jeweils neuen versjonen gebracht werden, statt dass man einfach nur eine einzige beschissene datei austauscht, um den fehler zu fixen. Und wenn ein paketverwalter für so eine „bissige äpp“ dann einmal nicht der schnellste ist oder aus persönlichen gründen abgesprungen ist, so dass das paket verwaist ist, dann läuft die anwendung halt monatelang weiter mit einem längst gefixten sicherheitsproblem, weil sie ja ihre eigenen biblioteken verwendet. Diese zusätzliche komplexität mit den zur laufzeit gebundenen biblioteken wurde nicht eingeführt, um probleme zu bereiten, sondern um probleme zu lösen.

Unbuntus idee wird also schon längst gelöste probleme zurückholen, aber ich sehe im moment gar nicht, welches problem unbuntu damit lösen will… und warum zum heiligen, hackfleischmachenden henker nicht einfach statisch gebundene anwendungen gepackt werden, wenns um unkompliziertes verwenden von anwendungen ohne rücksicht auf abhängigkeiten geht. Hallo? Versteht ihr überhaupt etwas von dem system, das ihr gerade zu einem windohs — aber nur mit dem schlechten von windohs, nicht mit dem guten — umgestaltet? Ich habe vor ein paar monaten mal meinen ollen mosaic netscape 0.95 beta aus dem jahr 1994 wiedergefunden. Der war statisch gebunden und lief deshalb sofort, obwohl ich keine von diesen veralteten biblioteken auf irgendeiner platte habe. (In etwas jüngerer zeit hatte der opera-brauser seine recht altmodische QT-bibliotek statisch gebunden, um die installazjon so einfach wie möglich zu machen.) Das problem, das canonical da mit einem ganz tollen, neuen und etwas bissigen verfahren lösen will, ist schon längst gelöst. Und zwar ungefähr schon, seitdem es linker gibt, also so seit den siebziger jahren.

Bleibt für die anwender nur zu hoffen, dass ihnen die „snappy apps“ etwas ausgereifter begegnen als damals der in frühen versjonen nahezu unbrauchbare „unity“-desktop. Obwohl… warum etwas für die anwender hoffen? Es ist ja doch noch nicht windohs. Es gibt ja gute alternativen zu unbuntu. 😉

¹Schreibweise ist absicht