MH17 des tages

Habt ihr alle gelesen, wie eine bislang unbekannte und mit gängigen internetz-suchmaschinen gar nicht leicht auffindbare plattform für investigativen jornalismus namens „bellingcat“ total wasserdicht bewiesen hat, dass die russischen satellitenfotos zum MH17-massenmord¹ eine fälschung sind? Es war ja schwierig, das nicht mitzubekommen, sogar in der aktuellen kamera… ähm… tagesschau war das eine meldung wert. Ich hatte leider gestern keine zeit, mir die fünfundvierzig seiten gründlich durchzulesen, habe sie nur kurz überflogen und glaube, ich habe meiner skepsis hier angemessenen ausdruck verschafft, ohne das ding gleich zu zerreißen.

Nun, bei „the hobo and the gypsy“ gibt es dazu noch einen kleinen nachtrag zu lesen, der nicht so zurückhaltend formuliert ist, wie ich das getan habe.

Nun zur Methodik, die zum zweiten Teil der Schlussfolgerung führte. Bellingcat bediente sich bei seiner Bildanalyse des Webtools FotoForensics, das vom promovierten Computer-Forensiker Dr. Neal Krawetz betrieben wird. Ich fragte Neal über Twitter, was er von der jüngsten „forensischen Analyse“ von Bellingcat auf seiner Plattform hält. Er verwies mich daraufhin auf den lesenswerten Blogartikel „An Analysis of an Analysis“ von Myghty. Den Artikel hält Neal für eine „exzellente entlarvende Analyse“, bei der Myghty den Sachverhalt auf den Punkt gebracht habe. Das ist ein vernichtendes Urteil eines ausgewiesenen Experten über die „unabhängigen Investigativjournalisten“, die seine Plattform benutzten. Doch nicht das Urteil des Experten zählt, sondern die Argumente von Myghty, die das Urteil von Neal untermauern.

FotoForensics bietet eine gut und einfach erklärte Einführung in die Fehlerstufenanalyse an. Offenbar hat Bellingcat sich nicht die Mühe gemacht, die Einführung vorher durchzuarbeiten und hat kaum einen methodischen Fehler ausgelassen, vor dem FotoForensic ausdrücklich warnte

Kurz zusammengefasst: es handelt sich — wie immer, wenn krieg ist oder einer vorbereitet wird — um propaganda. Diese wurde dann von BRD-propagandamedien der vorkriegszeit (von bildzeitung über spiegel onlein bis zur tagesschau) als wahrheit wiedergegeben. Einmal der übliche hirnfick eben, damit auch ja die richtige kriegsstimmung für den „gerechten kampf auf der seite der guten“ aufkomme…

Nachtrag 3. Juni, 16:04 UhrHier bei spiegel onlein weiterlesen! Aber jetzt ist die nachricht halt rausgegangen und hat die gehirne gefickt. Bei den meisten hängt nur noch im kopf, dass die russische regierung beweise gefälscht hat und dass es dafür von „investigativen jornalisten“ eindeutige belege gibt. Propagandaziel erreicht.

¹Ich bin es leid, den mord an mehreren hundert menschen als „flugzeugabsturz“ zu bezeichnen, wie das jeder scheißjornalist in der BRD zu tun scheint, um wenigstens so zu tun, als sei er „objektiv“.

9 Antworten zu “MH17 des tages

  1. Dass bellingcat eine ‚bislang unbekannte und mit gängigen internetz-suchmaschinen gar nicht leicht auffindbare Plattform‘ sein soll, stimmt ja nun nicht. Ich habe sie noch nie suchen müssen, aber wer sich für Internationale- und vor allem Sicherheitspolitik interessiert, dem sollte sie längst begegnet sein. Ebenso wie der olle Chivers oder Wiegold hier in Deutschland.
    Tatsächlich sucht bellingcat seit Monaten im Netz nach Hinweisen und Experten, die den Abschuss aufklären könnten.
    Einfach nur zu sagen, öh, Propaganda, dürfte in diesem Falle nicht ausreichen.

    • Dass bellingcat eine ‘bislang unbekannte und mit gängigen internetz-suchmaschinen gar nicht leicht auffindbare Plattform’ sein soll, stimmt ja nun nicht

      Link anstelle einer ausführlichen antwort (einfach drauf klicken)

      Einfach nur zu sagen, öh, Propaganda, dürfte in diesem Falle nicht ausreichen

      Doch, die einseitigkeit und gleichermaßen unmittelbare wie unreflektierte kwellengläubigkeit der BRD-jornallje, wenn da nur „das richtige“ in den kwellen steht, ist ein klares zeichen für propaganda. Das „bellingcat“-dingens ist da nur ein beispiel für sehr viele in der laufenden säbelrasselei gegen russland, und immerhin subtiler als spiegel-titel wie „stoppt Putin jetzt“. Woran sollte man die propaganda denn sonst erkennen? 😉

      Über „bellingcat“ kann ich allen deshalb nichts substanzjelles sagen, weil mir „bellingcat“ im gegensatz zur scheißjornallje in der BRD zum ersten mal übern weg gelaufen ist.

  2. Dann würde ich mal die Nutzung einer anderen Suchmaschine empfehlen.
    https://www.google.de/search?q=bellingcat&ie=utf-8&oe=utf-8&gws_rd=cr&ei=8ZRtVeGqLev6ygORpICIBg

    Bellingcat hat sich seine Meriten bei Recherchen um die von Assad eingesetzten Waffen verdient. Seither ist mir Brown Moses bekannt. Von den bekannten Experten ist er jedenfalls hoch anerkannt, schon seit längerem.
    Hier ein recht guter älterer Artikel über seine Arbeit.
    http://www.theguardian.com/world/2013/mar/21/frontroom-blogger-analyses-weapons-syria-frontline

    • […] Nutzung einer anderen Suchmaschine […]

      Nur sehr sehr ungern, und zwar aus gründen, die etwas mit den breit belegten geheimdienstaktionen der USA zu tun haben.

      Bellingcat hat sich seine Meriten bei Recherchen um die von Assad eingesetzten Waffen verdient

      Wie gesagt: „bellingcat“ ist gar nicht mein tema, auch nicht, was „bellingcat“ zuvor geleistet hat, sondern nur diese eine sache und die reflexartig-gläubig reakzjon des (offen voreingenommen) jornalistischen apparates der BRD darauf. Dass jemand einmal etwas gutes, wahres und intelligentes geleistet hat, sagt nichts über andere dinge aus, die dieser jemand tut. Ich zum beispiel habe neben einer menge guter, wahrer und intelligenter dinge auch eine menge schlechter, falscher und dummer dinge geschrieben. (Und nein: ich bin kein jornalist und strebe das auch niemals an. Wer schreiben will, nennt sich autor und schreibt. Wenn er zudem ein arschloch ist, nennt er sich jornalist und nimmt von milljardären geld dafür, dass er die weltsicht der milljardäre regelmäßig in so genannten „njuhs“ formuliert.) Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Der oben verlinkte artikel, der gewisse metodische schwächen in der darlegung von „bellingcat“ beleuchtet, zerstört weder gute reschersche in der vergangenheit, noch führt gute reschersche in der vergangenheit automatisch dazu, dass spätere artikel besser werden.

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