Krautreporter des tages

Könnt ihr euch noch an dieses krautreporter-dingens erinnern, dass von so vielen angehörigen der alfabloggeria in die allgemeine aufmerksamkeit getragen wurde, so als „besserer jornalismus“ und so. Nun, Stefan Niggemeier ist nicht mehr dabei, und ich kommentiere gern und genussvoll aus dem kommentarbereich ein paar seiner leseranmerkungen zur technischen umsetzung der krautreporter-idee:

  • „Ich finde, die Seite ist unbenutzbar. Da sind die Emails, die seit neuestem kommen, besser zu lesen“
  • „Dazu kommt die furchtbare Webseite, die bis heute nicht vernünftig läuft. Aber Herr Esser wollte ja offenbar unbedingt seine eigene Firma die Programmierung durchführen lassen. Das hat Geschmäckle“
  • „Und die Einschätzung mit der Software unterschreibe ich 100%. Fail, leider“
  • „Einen Großteil der Inhalte habe ich nicht lesen können, weil die Seite auf den meisten meiner Geräte katastrophal dargestellt wird“
  • „Ich will einfach Artikel lesen und nicht erst meinen Browser an das Layout anpassen (Größe) müssen um vernünftig etwas zu sehen. Sorry es gab mal ne Zeit wo sich Seiten dem Benutzer und nicht umgekehrt angepasst haben“
  • „Aber rausgekommen ist am Ende leider sehr, sehr wenig. Eigene Site, aber ohne wirkliche Community und mit unterirdischer Usability“
  • „Die Seite ist in der Tat wirklich grausig zu bedienen. Will man zu den Kommentaren scrollen, landet man in irgendwelchen vorigen Artikeln. Ältere Artikel zu finden ist sehr schwer, u.a. auch durch die komplett sinnfreie Praxis, unterschiedliche Überschriften bei Artikel und Übersicht zu verwenden“
  • „Was dabei rausgekommen ist, war lächerlich, und damit meine ich noch nichtmal die social media fails und content dumps, sondern hauptsächlich die sinnlose Plattform (vor der ja auch frühzeitig von vielen gewarnt wurde) und das unbenutzbare feed-format“
  • „Leider wurde seitens der Kollegen auch sehr konkrete Untersützungsangebote, etwa im Bereich der Software, nie beantwortet“
  • „Die Website ist nach wie vor kaputt. Grundlegende Dinge funktionieren nicht und ständig bin ich nicht mehr eingeloggt“

Ich erinnere mich noch gut, wie viele menschen mich damals für irgendwie weltfremd gehalten haben, weil ich meinte, dass ein projekt zum scheitern verurteilt ist, wenn es auf einem halbwegs sicher konfigurierten brauser nicht nutzbar ist. Nun, wie ich sehe, haben die tollen technikideen von jornalisten — die übrigens nur weiterhin ihr dingens aus überschrift, foto, anriss, text zum besten gegeben haben — bei ziemlich vielen leuten für probleme gesorgt.

Übrigens braucht man dafür kein javascript. Semantisch ausgezeichneten text nebst mediendateien kann HTML seit 1993 ganz hervorragend, und es ist eigentlich immer nur besser geworden. (Nun gut, bis auf die entrechtende und knechtende DRM-kacke jetzt.)

Ist schon scheiße, wenn man was über ein technisches medium machen will, aber von der verwendeten technik nicht die geringste ahnung hat — und außerdem, so wie es ein jornalist eben tut, seine leser verachtet und deshalb kein problem damit hat, ihnen solche zumutungen in die augen zu machen. Und sich dann auch noch selbst das geld für diese leistung in die tasche steckt, um gleich mal zu zeigen, wie viel besser das jetzt alles ist. Auf die idee, dass die leute lieber zu einer besseren und zugänglicheren kwelle gehen, statt in diese kloake zu hüpfen, kann ein jornalist ja gar auch nicht kommen. Der hält sich nun einmal für unentbehrlich und glaubt, dass wir alle ohne seine tolle leistung gar nicht lesen könnten.

Zum abschied — denn es sieht aus, als wäre das projekt demnächst tot, wenns nicht von der bildzeitung, dem lokus oder speichel onlein übernommen wird — möchte ich an meinen gruß an die „krautreporter“ vom 12. juni letzten jahres erinnern.

Das, was sich da im bilde bewegt, ihr jornalisten, das ist euer spiegelbild!

So lächerlich seid ihr.

Und das schlimmste daran: euch fehlt jedes bewusstsein dafür. (Weils euch generell an bewusstsein fehlt? Nun, von eurer schreibtätigkeit her könnte man das denken.)

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