Pressekommentar des tages

Hej, der scheißspiegel — der übrigens nach diesen ganzen jahren neoliberaler und neubrauner propagandascheiße noch deutlich mehr tun muss, bis ich ihn nicht mehr verachte — kann ja inzwischen richtig gute kommentare.

Ich würde ja gern glauben, dass ein bisschen textgewordene selbstreflexjon im ressor „panorama“ mehr als eine wohlfeile lüge ist. Aber noch glaube ich, dass spätestens übermorgen wieder so eine menschen- und intelligenzverachtende hirnbeize wie „stoppt putin jetzt“ im auftrag irgendwelcher kriegstreiber mit ihrem mordsgeschäft auf seine titelseiten stempeln lässt.

Für begriffsstutzige spiegel-kwalitätsjornalisten an der propagandafront noch einmal ganz klar: ihr habt verkackt, und das ist nicht mehr so leicht zu flicken. Geht sterben! Oder lernt einen anständigen beruf! Irgendwas seriöseres als jornalist… strichjunge zum beispiel!

Erklärung des tages

Mal wieder eine schöne nachricht aus dem sommerloch.

Wisst ihr, warums beim zwitscherchen nix wird mit den ratternden sörvern, die rauschende profite abwerfen? Die aktuelle kamera des BRD-staatsfernsehens erklärt es euch: weil das zwitscherchen zu schwierig zu bedienen ist.

Tja, wer mit der total komplexen und echt schwierigen tätigkeit „text eingeben und absenden“ überfordert ist, sollte sich vielleicht ein anderes spielzeug als einen kompjuter zulegen. Zum beispiel einen hampelmann.

Aber es kommt noch besser:

„Menschen in aller Welt kennen Twitter, aber es ist nicht klar, warum sie Twitter nutzen sollten“, sagte Interimschef Jack Dorsey in einer Telefonkonferenz mit Analysten

Bwahahahaha! Ich kann nicht mehr!

Dank der großen reklamearbeit des zwitscherchens, in der alle möglichen zeitungen und fernsehsender immer und immer wieder in einem jahrelangen, penetranten hirnpflug irgendwelche zwitscherchen-ausschnitte als „stimme des internetzes“ präsentieren, weiß inzwischen jeder, was das zwitscherchen ist und was man damit so machen kann. Und was folgt für die meisten menschen aus dieser kenntnis? Richtig, es folgt für sie die einsicht, dass sie den scheiß einfach nicht brauchen. Tja, das wird wohl nix mehr mit dem großen S/M-geschäft; mit der monetarisierung über in die timelines verklappte, zielgruppengerechte scheißreklame, die in voll zielgruppengerechten drexmäjhls angepriesen wird. Die — nur, ums mal deutlich gesagt zu haben — braucht übrigens auch niemand, denn wir haben wahrlich keinen mangel an hirnverachtender reklame… :mrgreen:

Nimm dein unseriöses geschäftsmodell und stirb, scheißtwitter, stirb!

Schutzgelderpresser des tages

Kennt ihr schutzgelderpresser? Bei guhgell zum beispiel kann man jetzt geld dafür latzen, dass man weniger möglicherweise mit schadsoftwäjhr verscheuchte drexwerbung im internetz sieht¹. Natürlich liefert guhgell da dann nicht nix aus, denn das wäre ja schlecht fürs geschäft mit dem datensammeln und träcken:

Die Contributor-Nutzer sehen statt der Textwerbung Dankesbotschaften. Bei grafischen Werbeflächen können sie unter anderem wählen, ob Google ihnen leere Flächen oder Katzenbilder anzeigen soll

Ich wünsche guhgell bei dieser diversifizierung ins schutzgeldgeschäft viel erfolg auf seinem weiteren lebensweg. Vor allem, weil es auch eine billigere, nämlich völlig kostenlose möglichkeit gibt, diese grenzkriminelle belästigung mit scheißreklame abzuschalten: einen guten adblocker. Der hilft — im gegensatz zur geldzahlung an den schutzgelderpresser guhgell — übrigens auch gegen das träcking durch guhgell und verhindert wirksam, dass ein weit in die privatsfäre hineinragendes profil der eigenen webnutzung von guhgell erstellt wird. Das gesparte geld kann man dann zum beispiel den leuten geben, die webseits machen, auf denen man sich gern aufhält. Oder man kann auch einfach lakritz davon kaufen. Aber hej, so richtige vollidjoten ohne hirn und rückgrat können natürlich auch gern bei so einer widerlichen schutzgeldklitsche wie guhgell bezahlen…

¹Ja, guhgell hat schon schadsoftwäjhr in seiner reklame verteilt, und das kann sich jederzeit wiederholen. Ein adblocker ist eine essenzjelle sicherheitssoftwäjhr, in der praxis eher etwas wichtiger als ein so genannter „virenskänner“. Das angebot guhgells, gegen geld so eine grenzkriminelle scheiße wie den unüberprüften kohd irgendwelcher dritter nicht mehr auszuliefern, nenne ich eine schutzgelderpressung. Wer ein trefflicheres wort kennt, sage es mir.

„Industrie vier-null“ des tages

Los, leute, die p’litische klasse findet das ganz toll und die reklameheinis der großen kompjutertechnikvermarkter finden das auch ganz toll und führende industrievertreter finden das ebenfalls toll, weil die fernwartungsmöglichkeiten einen stellenabbau ermöglichen, also muss das auch ganz toll sein: hängt alle geräte und fabriken ans internetz!

Tschipp, tschipp, hurra, industrie vier-null ist da!

Der TÜV süd hat da mal ein kleines honigtöpfchen-wasserwerk ins netz gestellt, um überhaupt einen eindruck davon zu erhalten, wie viele „angriffe“ es gibt:

Infrastrukturen und Produktionsstätten werden gezielt angegriffen, potenzielle Angreifer lauern überall. Den Nachweis dafür lieferte die Analyse der 60.000 Zugriffe auf eine virtuelle Infrastruktur, die der TÜV SÜD während der achtmonatigen Laufzeit seines Honeynet-Projektes verzeichnen konnte

Es bleibt natürlich in der von heise übernommenen pressemitteilung völlig unklar, was die spezjalexperten vom TÜV da gezählt haben. Jeder rechner wird hin und wieder kurz durchgeskännt, einfach, weil er eine IP-adresse hat. Hier, wo ich gerade sitze, zeigt mir die logdatei des routers (mit einer stinknormalen dynamischen IP-adresse) elf versuchte portskänns am gestrigen tag an, außerdem gabs ein paar verbindungsversuche auf port 80 (HTTP) und port 23 (TELNET). „Ein paar“ heißt hier, dass ich keine lust hatte, die zu zählen oder mir einen guten ausdruck für grep auszudenken, um wc zählen zu lassen. (Es wäre keine schwere aufgabe gewesen…) Fertige skripten, die alles mögliche durchprobieren, gehören zur ausstattung jedes anständigen häckerkindergartens für angehende 1337 63RM4N H4X0R2. Niedlich war der eine zugriffsversuch über port 79 (FINGER), so etwas habe ich lange nicht mehr gesehen… 😉

Die hohe, alarmierende zahl von 60.000 zugriffen relativiert sich da ganz schnell wieder. Das ist rauschen, normaler wahnsinn, der wie schrotmunizjon aufs internetz geballert wird und bei einem halbwegs gewarteten gerät keine schangse hat. Die zahl ist da auch nur reingeschrieben worden, um informazjontechnisch ungebildete menschen zu erschrecken, damit sie nicht bemerken, welche viel wichtigere zahl aus nicht näher kommunizierten gründen heraus gar nicht erst genannt wurde. Denn es gab gezielte angriffe auf industrieanlagen, was angesichts eines unbedeutenden, kleinen wasserwerkes viel erschreckender ist:

Zudem erfolgten die Zugriffe […] auch über Industrieprotokolle wie Modbus/TCP oder S7Comm

Das sind mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit keine kinder, sondern schwerkriminelle, geheimdienste anderer staaten und vergleichbares geschmeiß.

Und dieser eine harmlose satz…

Der erste Zugriff erfolgte nahezu zeitgleich mit der Inbetriebnahme des Systems

…lässt in mir sofort die frage aufkommen, ob wohl irgendein verbauter tschipp „nach hause telefoniert“ hat. Nichts würde mich so wenig wundern wie verwanzte hardwäjhr für industriesteuerungen…

Ach ja, man konnte bislang auch so ein wasserwerk betreiben, ohne dieses stück lebenswichtiger infrastruktur für gleichermaßen anonyme wie risikoarme terror- und sabotahscheangriffe zu öffnen. Aber das ist scheinbar nicht mehr modern und auch nicht p’litisch gewünscht.

Also los, tanzt in die industrie vier-null, tschipp, tschipp, hurra!

Händi des tages

Da sage noch mal jemand, die ganze reklame im internet wird gar nicht mehr wahrgenommen! Trojanifizierte wischofone rufen doch so viel reklame ab, die dann für ordentlich umsatz sorgt:

Um Umsatz zu generieren arbeiten die Apps mit Zufallsklicks und rufen ebenfalls vom Nutzer unbemerkt die Landing Page des jeweiligen Werbetreibenden auf. Das heimliche Abrufen kann den Sicherheitsforschern zufolge ein Datenvolumen von rund zwei GByte pro Tag einfordern

Die entwicklung erreicht mindestens elf Schwitters auf der nach oben offenen dada-skala: die internetreklame ist so scheiße geworden, dass man softwäjhr dafür schreibt, die sie „anschaut“, um umsätze damit zu generieren — während dank der guten adblocker immer weniger „richtige menschen“ den kommunikazjonsmüll der reklameheinis zu gesicht bekommen. Und zur steigerung des kirren hirnkitzels: Guhgell selbst liefert die trojaner an die händis, mit denen ein betrug über guhgells reklame-dienste durchgeführt wird, weil guhgell mit seinem pläjh-dingens eigentlich auf die kompjutersicherheit der nutzer scheißt. Hach, wird das hübsch, wenn die ganze reklame-blase im internetz platzt! Scheiß auf die paar unseriösen geschäftsmodelle, die da auch gleich den bach runtergehen, die von diesen ganzen S/M-seits¹ wie dem fratzenbuch zum beispiel! 😈

Ach ja: euch allen weiterhin viel spaß mit den ganzen bekwemen äpps mit trojanerfunkzjon, die ihr euch bei äppel, guhgell oder meikrosoft runterladet! Ist ja so toll. So modern. Und so viel besser als der kram auf richtigen kompjutern…

¹S/M, wer hier öfter liest, weiß es schon, ist meine abk. für „social media“. Aus gründen.