S/M des tages

#amadeuantoniofilme wurde – was einiges über das öffentliche Ansehen der Stiftung aussagt – ein grosser Erfolg und schaffte es bis zum Morgen des nächsten Tages auf die Liste der öffentlich angezeigten Trending Topics. Und während man sich noch amüsierte, verschwand der Hashtag schnell wieder aus den Topics. Gleichzeitig änderte sich noch etwas anderes: Normalerweise gibt es bei beliebten Themen ein “Autocomplete“. Man gibt die ersten paar Buchstaben ein, und dann erscheint darunter das ganze Wort. Mit dem Hashtag verschwand auch das Autocomplete schlagartig

Auch weiterhin viel spaß mit zwitscherchen und fratzenbuch, wo euch eure meinung mit gutsherrschaftlicher zensur im rechtsfreien raum und unter komplizenschaft der p’litkaste und ihrer schergen und günstlinge gebildet wird!

Wer nicht in wenigen jahren eine schlimmere zensur als in der DDR erleben will, sollte besser jetzt damit beginnen, über ein unzensierbares, unlöschbares, unüberwachbares, verschlüsseltes, dezentrales, anonymes, selbstarchivierendes, hürdenloses „web“ nachzudenken (mein erster namensvorschlag: evernet), in dem auch die möglichkeit, ein „recht auf vergessen“ durchzusetzen, schon rein technisch nicht mehr gegeben ist. Ich bin leider inzwischen zu alt für so einen kram, aber wenn mich in den näxsten wochen ein anfall von arbeitswut packt, schreibe ich mal wesentliche punkte und erste ideen zur technischen realisierung zusammen und übersetze das, wenns gut genug wird, auch noch ins englische. (Eine tragfähige beispielimplementazjon in einer mühelos portablen programmiersprache traue ich mir zurzeit nicht zu.)

Am schwierigsten kommt mir eine dabei dezentrale, unzensierbare suchfunkzjon vor, die man direkt im protokoll implementieren muss, damit eine wesentliche funkzjon niemals in die hand von fragwürdigen türstehern (suchmaschinen) geraten kann. Beim ersten nachdenken kommt mir YaCy als ausgangspunkt recht naheliegend vor, aber ich muss mal die kwelltexte (örks, java!) anlesen, um dazu näheres sagen zu können. Ob es bei einer guten, dezentralen suchfunkzjon und bei einem völligen verzicht auf zentrale sörver für inhalte und zusammenstellungen von inhalten (inklusive unlöschbarer, verteilter archive früherer versjonen der inhalte) noch erforderlich ist, eine art dezentrales DNS zu implementieren, kann ich beim derzeitigen, völlig unreifen stand meiner gedanken noch nicht sagen, aber ich gehe davon aus, dass das verzichtbar ist.

Eine weitere, mir nicht ganz so groß erscheinende schwierigkeit ist eine dezentrale autentifikazjon, die einerseits anonym und/oder pseudonym zu nutzen ist, aber auch vertrauensnetze wie in PGP ermöglicht, wenn jemand wert darauf legt und kein problem damit hat, zu seinem auftritt zu stehen. (Natürlich kann es gewerbliche auftritte im evernet geben, und natürlich muss für einen anwender die möglichkeit gegeben sein, die reputazjon des gegenübers zu überprüfen, bevor das geld weg ist. Daran, dass das nur eingeschränkt möglich ist und dass mit TLS eine weitere, wichtige funkzjon an zentrale türsteher gegangen ist, krankt auch das gegenwärtige web. Dass eine CA für den start eines perlskripts zum signieren eines privaten schlüssels wesentlich mehr als fünfzig cent nehmen kann und damit durchkommt, ist die folge dieser krankheit.)

Und ja, werte damen und herren innenminister und sonstige kwasistalinistische volxentrechter: es ist natürlich möglich, darüber dann auch kinderpornografie, „raubkopien“, terrorpropaganda, volxverhexung, „hate speech“ und schadsoftwäjhr zu verteilen sowie drogen- und waffenhandel zu betreiben — genau so, wie das jetzt schon über telefon, briefe, pakete, boten, brieftauben und direkte persönliche kontakte möglich ist, ohne dass ihr ein problem damit habt oder gar telefon, post, direkte sozjalkontakte und brieftauben verbieten wollt. Es gibt kriminelle handlungen. Es gibt asozjale handlungen. Es gibt menschen, die kriminelles und asozjales tun. Die dabei verwendete technik ist weder kriminell und asozjal, die taten sinds. (Auch lange, bevor jornalisten und innenminister ein wort wie „internet“ oder gar „darknet“ auch nur gehört hatten, wusste ich, wie ich an drogen und waffen hätte kommen können, wenn ich das gewollt hätte. Es hatte nichts mit einem netzwerk von kompjutern zu tun. Für eine uzi hätte ich achthundert mark bezahlt, wer bessere kontakte hatte, hätte bestimmt bessere schnäppchen machen können.)

Ach! Ich komme in den nächsten drei monaten sowieso nicht dazu…😦

Und wenn ich nur an die security-erwägungen denke, die erwogen werden müssen, und zwar verdammt gut und sorgfältig!😦

Vielleicht setzt sich ja jemand anders dran, bevor ich anfange. Ich wäre sehr dankbar dafür und bin auch gern zum mitmachen bereit.

4 Antworten zu “S/M des tages

  1. „Örks, Java“, wie wahr. Die Shellscripts dazu sind aber auch eher auf „läuft irgendwie“ als auf irgendwas anderes hin „optimiert“ worden. Der Port auf OpenBSD war trotz weniger Modifikationen schon unnötig krampfig.

  2. Hä? U was geht es da?
    Wegen ein paar Einträgen in der Zwitter-Datenbank so ein Aufriss machen?
    Erwirbt man als Zwitter-User irgendwelche Rechte z.B. am Zwitter-Index?

    Selber schuld, sag ich da nur, wer sich mit Börsen notierten Psychopatenkonzernen einlässt.

    Und für die willst Du jetzt ne neue Plattform entwickeln – oder versteh ich da was falsch?

    • Es geht wohl eher gegen die Infrastruktur werdende Kontrollwut.

      Ich habe von Freenet gehört, es aber nie ausprobiert. Das dürfte den hier vorgeschlagenen Merkmalen wohl recht nahe kommen.

      Unlöschbarkeit kann allerdings zum Problem werden: Man kann beliebig viel Müll zu einem Thema produzieren, aber nur relativ wenige gute Beiträge.
      Im Laufe der Zeit wird also jedes Thema von Müll-Beiträgen überhäuft. Das lässt sich auch taktisch verwenden. Dann arbeitet die Unlöschbarkeit gegen den Rezipienten.

      Tatsächlich halte ich die Zumüllung für ein größeres Problem als die Löschung.
      Deswegen schwebt mir ein anders gelagerter Ansatz vor:

      Es soll Filter geben, allerdings sind diese technisch unter direkte Kontrolle des Endnutzers zu bringen. Keine globalen Blocker.

      Die Filter-Philosophie: Die Beachtlichkeit von Inhalten ist grundsätzlich vergänglich. Sie kann durch direkte Verlinkung gesteigert werden, aber sie sollte sinken, wenn keine weiteren Links dazu kommen. Relevanz für die Filter darf keine statisch garantierbare Größe sein.

      Grund: Mit Vergänglichkeit können Mensch und Gesellschaft jedenfalls besser umgehen als mit Unvergänglichkeit. Die Vergänglichkeit hilft dabei, den Müll zu beseitigen.

      • […]Es geht wohl eher gegen die Infrastruktur werdende Kontrollwut.[…]

        Das hatte ich auch im Hinterkopf, beim lesen, wegen dem Evernet usw. – wurde mir aber nicht richtig klar dabei.

        […]Es soll Filter geben, allerdings sind diese technisch unter direkte Kontrolle des Endnutzers zu bringen. Keine globalen Blocker.[…]

        Ja, warum nicht. Ich denke sogar, so viel Kontrolle wie möglich zum Endnutzer, ist der brauchbarste Ansatz. Den Nanny-Kram gibt’s ja schon bei Zwitter usw.

        Freenet wird noch weiterentwickelt?

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