Kwalitätsjornalisten bei der arbeit

Heute erklärt uns mal spiegelonlein, wie der seriöse, fäjhknjuhs-freie, leistungsschutzrechtgeschützte kwalitätsjornalismus aussieht, der im zeitalter von fratzenbuch und zwitscherchen um werbeplatzvermarktung buhlt:

Heute Vormittag wurde in Karlsruhe das Urteil des Bundesverfassungsgerichts im NPD-Verbotsverfahren verkündet. Nachrichten dieser Tragweite veröffentlicht SPIEGEL ONLINE als sogenannte Eilmeldungen. -- Wie kam es dazu, dass die Nachricht mit der falschen Schlagzeile (Bundesverfassungsgericht verbietet NPD) veröffentlicht wurde? -- Als der Vorsitzende des Zweiten Senats, Andreas Voßkuhle, zu reden begann, zitierte er zunächst den Antrag auf das NPD-Verbot. Der Antrag wurde von uns versehentlich mit dem - tatsächlich anderslautenden - Urteil verwechselt.

Ich wünsche den medien der contentindustrie auch weiterhin viel erfolg bei der vermarktung von einblendmöglichkeiten für die lüge der reklame!

Nachtrag: zeitonline wollte auch gaaaaanz schnell sein!

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Karlshure des tages

Wenn du eine partei gründest, die klar verfassungsfeindlich ist, wird diese partei von der karlshure nur dann verboten, wenn sie auch eine erfolgsaussicht hat.

Allerdings fehlt es (derzeit) an konkreten Anhaltspunkten von Gewicht, die es möglich erscheinen lassen, dass dieses Handeln zum Erfolg führt, weshalb der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts den zulässigen Antrag des Bundesrats auf Feststellung der Verfassungswidrigkeit und Auflösung der NPD und ihrer Unterorganisationen (Art. 21 Abs. 2 GG) mit heute verkündetem Urteil einstimmig als unbegründet zurückgewiesen hat

Kommt, lasst uns eine kannibalen-partei gründen und für die bundesweite versorgung mit kannibalischen schnellimbissen kämpfen! (Immer schön mit einem grinsenden bratmenschen dekoriert, der messer und gabel in seinen knusprigen händen hält.) Das löst so viele probleme auf einmal und nicht nur endlösungsmäßig endgültig, sondern auch kalorienreich und schmackhaft: das problem mit den renten, mit den hartz-IV-empfängern, mit den flüchtlingen, mit den behinderten, mit den veganern. „Friss weg, was dich frisst!“ — und so lange dieses p’litische programm keine aussicht auf erfolg hat, können wir schön parteiarbeit machen, vielleicht sogar in das eine oder andere rathaus einziehen, vielleicht sogar wahlkampfkosten vom staate ersetzt kriegen. Das ist doch toll. :mrgreen:

Datenschleuder des tages

Erstmal zur aufheiterung ein paar weise worte eines weisen p’litikers:

Der bisher gültige Grundsatz, dass Datensparsamkeit das Übermaß der Dinge ist, der hat sich überholt, der muss weg. Datenreichtum muss der Maßstab sein, nach dem wir unsere Politik ausrichten

Alexander Doofrindt, bummsdatenautobahnminister

So, jetzt zum richtigen kram:

Tja, wenn so eine niederträchtige, menschenfeindliche, unterdrückerfreundliche kräcking- und überwachungsklitsche wie „cellebrite“ auf einmal selbst zu den gekräckten und überwachten zählt, denen jemand sportliche neunhundert gigabyte daten abgezogen hat, dann kann mich diese meldung nicht traurig stimmen. 😀

Das ist von der datenmenge her nicht wirklich kleinkram, da dauert die bloße datenübertragung beim abziehen schon ihre zeit. (Deutlich länger als das herunterladen eines HD-filmes.) Offenbar gab es kein monitoring, in dem das aufgefallen ist. Und das bei einer klitsche, die schadsoftwäjhr an staaten verkauft. Na ja, staatliches geld wird ja auch eher selten intelligent ausgegeben.

Übrigens: 900 gigabyte… was zum henker! Selbst eine recht aufgeplusterte datenbank für ein paar milljonen kunden mit jeweils sehr vielen geschäftsvorfällen kommt höchstens auf ein paar hundert megabyte. Und diese klitsche hat ganz sicher keine paar milljonen kunden. Gar nicht auszudenken, wenn die die ganzen von den händis abgezogenen daten da irgendwo auf einen übers internetz zugänglichen rechner gelagert hätten! Schade, dass das Zeug bei der scheißpresse liegt und nicht irgendwo zum freien daunlohd, so dass davon auszugehen ist, dass keine wirklich interessanten einzelheiten bekannt werden.

Hej, ihr ganzen überwachten, habt ihr euch eigentlich schon einmal gefragt, was mit euren ganzen überwachungsdaten passiert? Ach, ihr vertraut? Und denken ist so anstrengend? Na, dann ist ja alles gut! Ihr seid großartige idjoten! Und glaubt schön weiter an den datenschutz, der euch überall versprochen wird! Die liste wäxt und wäxt und wäxt.

Und hej, heise, deine autoren werden auch immer ungenießbarer: erstens hat „cellebrite“ keinen „datenverlust“, die daten sind noch da und wurden „nur“ von jemanden kopiert, und zweitens handelt es sich nicht um häcker, sondern um kräcker. Weia! Werd doch zur kompjuterbild mit schlips, heise onlein!