Dr. Frankenstein forscht wieder

[…] „Semisynthetische“ Organismen, kurz SSO […]

Wenn das stimmt, ist es ein heißer kandidat für einen der nächsten nobelpreise in biologie. Leider ist der FAZ-artikel zwar durchaus wortreich, aber verrät die hauptsache nicht: wie weit sind die forscher wirklich? Haben die wirklich ein sich reproduzierendes und lebensfähiges bakterium mit teilweise völlig fremdartig gebauter DNA, für die sie wirklich einen laufenden und sich selbst mitvermehrenden transkripzjonsapparat gebaut haben? Da, wo klarheit vonnöten wäre, wird der text ganz schön nebulös, was in merkwürdigem gegensatz zum teilweise überpräzise ausgebreiteten geschwafel steht.

Und: weia, ist das niewo der FAZ-wissenschaftsredakzjon in arsch gegangen!

Irgendwann die Möglichkeiten der biologischen Produktion zu erweitern und so möglicherweise im Bioreaktor Substanzen mit Hilfe von SSO zu produzieren, die therapeutisches oder sonstwie sinnvolles Potential besitzen. Was das konkret sein soll, ist den Wissenschaftlern offenbar selbst noch schleierhaft

Ja, das ist die FAZ. Nicht irgendein arsch- und tittenblatt.

Hej, jornalist! Deshalb nennt man so etwas auch grundlagenforschung. Im reßßor wissenschaft sollte das ein jornalist eigentlich wissen oder doch zumindest schon einmal gehört haben. Und deine tolle idee von der DNA als datenspeichermedium… ach, geh einfach kacken, das kannst du vermutlich besser als über ein wissenschaftstema zu schreiben. Wie, du bist wirklich so doof und begreifst nicht, warum das keine tolle idee ist? Nun, ich wills mal so sagen: Man möchte auf gespeichertes zeug auch mal wieder zugreifen, und zwar effizjent, denn sonst brauchte man es nicht erst zu speichern. Frag mal deinen kollegen, der wenigstens ein halbes semester biologie studiert hat, wie schnell man DNA sekwenzieren kann und vergleich die dabei herauskommenden bits pro tag mal mit den bits pro tag… ähm… einer altmodischen diskette! (Festplatte oder gar SSD wäre doch etwas ungerecht — und falls du nicht weißt, was eine diskette ist: das ist dieses ding, das so aussieht, wie diese für dich unverständliche hieroglyfe, auf die du schon so oft zum speichern geklickt hast.) Und selbst, wenn du die transkripzjon in aminosäuren als „auslesen“ bezeichnen willst, ohne das kleine problem zu lösen, die entstandenen, hochkomplex gefalteten proteine „inhaltlich“ zu deuten, sieht das tempo sehr bescheiden aus. Da hilft dann auch die große datendichte nicht mehr.

Ach, so einen kollegen mit richtigem studium — also etwas anderes als schwafelwissenschaft und volxerziehung — gibts bei der FAZ gar nicht mehr? Und rechnen hast du auch nicht gehabt, als du jornalist gelernt hast? Na, das merkt man aber auch!

Sollte dieser artikel demnächst ungekennzeichnet totalumformuliert werden, wie ich es von kwalitätsjornalisten kenne: hier ist ein dauerhaftes archiv davon.

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2 Antworten zu “Dr. Frankenstein forscht wieder

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