Unicode

Der unicode-bestand an modernen hieroglyfen für die dealfabetsierten smartgerätenutzer aus der generazjon jamba wird mal wieder ein bisschen größer. Juchu!

Und das, während immer mehr menschen in irgendwelchen anwendungen auf das abbild einer diskette klicken, um etwas zu speichern, aber gar nicht mehr wissen, wie eine diskette aussieht und wozu man sie benutzt hat. Ein tolles technikchinesisch ersinnen sie gerade, die verblödeten, die lesen und schreiben zu anstrengend finden und deshalb immer wie die kleinkinder mit dem mauszeiger — oder seit den smartdingern: mit dem patschehändchen — auf das zeigen, was sie haben wollen. Die reise in die idiocracy scheint unaufhaltsam… 😦

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3 Antworten zu “Unicode

  1. Bei deiner gemeiniglichen Verschmähung der Emojis und ihres Nutzens übergehst du aber eine gewichtige Einzelheit, die dich deiner Weltuntergangsstimmung nicht wenig abspenstig machen müßte, nämliche die wirtschaftliche Wirkung der Zeichen für das Unicode Consortium.
    Es ist doch nicht zu verachten, welchen Wind das Geschäft mit den Emojis macht: Es eignet sich offenbar, Aufmerksamkeit auf das Gesamtgeschäft des Unicode-Consortiums zu lenken, und bildet somit Ansätze, zu einer Erhöhung der gemeinen technischen Bildung beizutragen, ebenso wie gewiß geldliche Mittel wegen des Emojiaufhebens der Unicode Inc. derselben und somit deren vielen Vorhaben zur Unterstützung der Sprachen der Welt zufließen – welche Erhebung die drögen Schriften, die einen verstandesmäßig geneigten Menschen eher unterstützenswert dünken, nicht zu leisten vermögen.
    Und da wir nicht in der besten aller möglichen Welten leben, ist das doch gewitztes, liebenswertes Unternehmertum (oder in weltanschaulicher Ausdrucksweise: klassischer Kapitalismus). Darüber hinaus ist es nicht klar, warum denn gerade das Unicode-Consortium darob zu schelten sein sollte, daß der Leute Sprachgebrauch immer verblödeter wird: Soll nicht eine genaue Abbildung des bereits gegenwärtigen Sprachgebrauches in einer Kodierung den bestehenden und den gewollten Sprachgebrauch öffentlich machen? Wenn doch die Leute blöde sind, kann eine dermaßen technische, d.h. meistenteils im Hintergrund auftretende Einrichtung nicht mehr (zurechenbar) die Blödheit befördern (andere Täter sind stattdessen zu besehen), sondern nur vor Augen führen, und wofern die Leute nicht blöde sind, sollen sie es in der Vielfalt der verfügbaren Zeichen beweisen – die anarchistisch-kapitalistische Ansicht der Dinge ist dieselbe wie die des aufrechten Wissenschaftlers, denn freier Zeichenverkehr ist das Mittel zur Vergesellschaftung des Wissens, als welche selbstverständlich auch Voraussetzung für einen gesunden Wirtschaftsverkehr ist (bekannt mit dem Titel »The Use of Knowledge in Society« von F.A. Hayek, näher dargelegt auch bei Stefan Blankertz, Die Katastrophe der Befreiung, Berlin 2013, S. 17 ff.) ebensowie sie Daseinszweck des Wissenschaftsbetriebes ist.
    Das Raunen über die Emojis ist die gleiche Unbilde wie bei gewissen »verfassungswidrigen« und sonstigen Zeichen, vor denen der Übermut Schauder hervorruft. Man verbietet Hakenkreuzdarstellungen und dergleichen, wiewenn sie magische Wirkung hätten, und verkennt darbei, daß nur ein freier Markt »unter Wettbewerbsbedinungen« die tatsächlichen Bedarfsverteilungen der Welt gerecht darstellt, die Menschen wacker macht. Magie findet auch in der Sprache keine statt, sondern die Gesetze des Marktes; die andere Betrachtungsweise ist ebenso oberflächlich wie belemmernd, gleichsam von religiösem Eifer geprägt:
    Ein Tun oder Unterlassen (im Anlaßfalle das angelegentlich scheinende Unterlassen zu kodieren), das die Nutzung von Zeichen zu verkürzen bezielt, weil sie als ein Auswuchs der Verdummung erscheint, führt notwendig, aber unscheinbar selbst zur Verdummung, weil es die Wahrheiten verdeckt, die ihre Nutzer aus den Umständen ihrer Nutzung erschließen ließen und die ihre Nichtnutzer durch ihren Abstand von ihr zur Schau trügen, ist mithin für die gesamte Sprachgemeinschaft ein schlechtes Geschäft. Möglicherweise ist dies auch der Grund, warum so viele, im kapitalistischen Sinne gewiß gescheite Unternehmer zum Emojimeer beitragen, was auf den ersten Blick wahnhaft vorkommt. Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig.

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