Oh, habe ich damals gar nicht mitbekommen…

Im jahr 2016 hat es mal wieder jemand geschafft, das voynich-manuskript zu lesen. Diesmal mit „künstlicher intelligenz“. Mein schnellurteil (nach genervtem überfliegen): bullschitt!

Warum bullschitt? Ich fasse mich kurz.

  1. Die „buchstaben“ innerhalb der wörter sollen also umsortiert worden sein. Das erklärt zwar die seltsamen strukturen innerhalb der wörter, die manchen schon eine „grammatik“ vermuten ließen, es ignoriert aber die wohlbelegten strukturen innerhalb der zeilen und innerhalb der seiten. Und außerdem: so ganz neu ist die idee nicht
  2. Es wird eine im päjper nicht weiter erläuterte abbildung der currier-transkripzjon auf das hebräische alfabet vorgenommen, danach sind noch „ortografische korrekturen“ erforderlich, um wörter zu erhalten.

    According to a native speaker of the language [hebrew], this is not quite a coherent sentence. However, after making a couple of spelling corrections, Google Translate is able to convert it into passable English: „She made recommendations to the priest, man of the house and me and people.“
    S. 84

    Gar nicht auszudenken, wenn es sich nicht um hebräisch, sondern um arabisch handelt — eine sprache, die im mittelalter jeder richtige gelehrte so gut wie latein beherrschen musste — und wenn gängige abkürzungen und ligaturen dabei auf eigene glyfen abgebildet wurden. Gerade handschriftliches arabisch gebildeter menschen ist voller ligaturen (und deshalb auch heute noch sehr schwierig lesbar), dafür brauchte die arabische welt aber auch niemals eine spezjelle form der stenografie zu entwickeln. Die notwendigkeit, arabisch zu beherrschen, galt insbesondere für spätmittelalterliche mediziner, die die schwächen in der hippokratischen säftelehre beim bedauerlichen wegsterben ihrer pazjenten erkannten und eine „etwas evidenzbasiertere“ und somit wirksamere medizin kennenlernen wollten, was im kristlichen abendland völlig unmöglich war. Ein solcher hintergrund des manuskriptes liegt allein deshalb nahe, weil ein beachtlicher teil der flinken federzeichnungen am besten als medizinisch motivierte notiz (heilpflanzen, wasseranwendungen) verständlich ist. Die scheinbar kosmologischen, kalendarischen und astrologischen zeichnungen hingegen zeigen eine große ferne von der lateinsprachigen gelehrsamkeit des mittelalters und stehen zurzeit noch völlig beispiellos da.

  3. Die annahme eines abjad als grundlage, also eines schriftsystems ohne eindeutige vokalzeichen, gibt beim „übersetzen“ sehr viel zusätzliche freiheit, muster zu finden, die mögliche wörter formen. Vor allem, wenn dann auch noch „orthografische korrekturen“ der umsortierten wörter nötig sind. Da wäre es fast erstaunlicher, wenn man nix findet.
  4. „Sie gab dem Priester, dem Mann des Hauses, mir und den Leuten Ratschläge“ soll also der erste übersetzte satz sein. Weia! Das ist… ähm… etwas unerwartet. Hat der schreiber die illustrationen auf dem (ziemlich teuren) pergament einfach nur gekritzelt, haben sie keinerlei bezug zum text? Da würden mich aber mal weitere „übersetzungen“ interessieren. Oh, die gibt es gar nicht. Na, so ein jammer aber auch!
  5. Aber hej, künstliche intelligenz! Versteht ihr: künstliche intelligenz! Das ist eine tolle neue sache. Da kann man doch mal ein päjper verfassen, es muss ja nicht gleich substanz haben.
  6. Habe ich heute eigentlich schon erwähnt, dass alle transkripzjonen des verdammten manuskriptes sehr fragwürdig sind? Gut, dann habe ich es jetzt getan. Wenn man für etwas an diesem manuskript vieleicht metoden der künstlichen intelligenz gut gebrauchen könnte, denn dafür, die grenzfälle bestehender transkripzjonssysteme aufzuspüren und stellen zu entdecken, an denen möglicherweise die „eingebaute mustererkennungsfähigkeit“ des transkriptors anstelle der glyfenfolge des manuskriptes ihren niederschlag fand. Diese unsicherheiten gelten in besonderer weise für die an vielen stellen des manuskriptes uneindeutigen leerzeichen, die im vorliegenden päjper von bedeutung sind.

Ja, mein ton bei der beurteilung dieses bullschitt-päjpers ist mal wieder etwas gallig, ich weiß. Wer einen schnellen ersten eindruck vom manuskript bekommen möchte oder lust hat, mit den vorliegenden transkripzjonen ein wenig zu experimentieren, bediene sich einfach beim VIB. (Die transkripzjon von Takeshi Takahashi ist unglaublich gut und in höchstens zwei bis drei prozent der getroffenen entscheidungen fragwürdig, so lange es sich nicht um kreisförmig geschriebene texte handelt. Bei denen wird sie allerdings sehr viel schwächer. Ansonsten ist sie für einfache untersuchungen völlig ausreichend.) Allerdings gibt es im VIB aus gründen des „geistigen eigentums“ nur uralte schwarzweiß-fotos in nicht so toller kwalität. Ungleich bessere bilder, auf denen man sogar die poren in der haut der rinderembryos erkennen kann, auf welche der „text“ geschrieben wurde, kann man aber leicht mit einer suchmaschine auffinden. Ja, das pergament ist aus der haut von rinderembryos hergestellt worden. Das war sehr teures schreibmaterjal. Deshalb wurde es auch genäht und geflickt, wenn es vor dem beschreiben erforderlich war. So etwas warf man auf keinen fall weg.

Aber bitte nicht vom ersten eindruck täuschen lassen, den das verdammte manuskript so leicht erwecken kann! Es handelt sich mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit nicht um eine direkt notierte sprache. Wer appetit bekommen hat und sich eingehender damit beschäftigen möchte, wird vielleicht meinen merkzettel für neue voynichologen hilfreich finden, und, als ergänzung im falle vorhandenen humors, den voynich bullschitt index… 😉

(Der VBI macht hoffentlich auch deutlich, was ich schon alles an lustigen teorien vor meine äuglein bekommen habe…)

Kurz verlinkt

Was hier wie Realsatire wirkt, kennzeichnet den Zustand unserer Handschrift

Hach, was bin ich froh, dass ich kaum noch von hand schreiben muss… wobei meiner sauklaue gern nachgesagt wird, dass sie auf dem ersten blick schön aussieht, aber dafür jedem versuch der entzifferung erheblichen widerstand entgegensetzen kann. Wenns dann wirklich mal für andere lesbar sein soll, falle ich doch lieber in nur leicht verflüssigte druckbuchstaben zurück… 😉

Demokratorische handhebepuppen und verfassungsfeinde des tages

Die Tagesordnung der Kabinettsitzungen soll den Fraktionen vorab mitgeteilt werden. Im Bundestag und in allen von ihm beschickten Gremien stimmen die Koalitionsfraktionen einheitlich ab. Das gilt auch für Fragen, die nicht Gegenstand der vereinbarten Politik sind. Wechselnde Mehrheiten sind ausgeschlossen

Und in der näxten sonntagsrede: die tolle demokratie der BRD, die ins grunzgesetz für die BRD gestempelt wurde und von tapferen volxvertretern gegen alles andere verteidigt wird.

Schlangenöl des tages

Foto eines Kindes beim FacepalmWoran erkennt meikrosofts defender jetzt irgendwelche schadsoftwäjhr, die den CPU-fehler „spectre“ ausnutzt? Richtig: an ein paar zeichenketten mit text im programm und nicht etwa an irgendwas im programmkohd. Da sind die ganzen verbrecher auf dieser welt jetzt völlig machtlos geworden, denn auf die idee, einfach andere texte als im original-exploit zu verwenden, kommen die nie!!!!1!!1!!elf!!1!

Ja, meikrosoft prüft wirklich auf einen verdammten string! Auf so eine schwachsinnige idee muss man erstmal kommen. Die ist selbst für meikrosofte verhältnisse ungewöhnlich bescheuert.

Ich wünsche allen schlangenölnutzern auch weiterhin viel spaß mit ihrer vom jornalistenonkel in der schleichwerbung und vom reklamelügner in der offenen reklame versprochenen gefühlten sicherheit! Glaubt einfach schön weiter an den ganzen lügenhokuspokus „heuristik“, „KI“, „verhaltensanalyse“, mit dem ihr euch das schlangenöl andrehen lasst, erlaubt dem schlangenöl schön, weitere klaffende sicherheitslöcher in eure rechner zu reißen und fühlt euch wohl dabei, wenn ihr euch in doofheit und leichtgläubigkeit suhlt, als wärt ihr esoteriker! (Aber macht wenigstens halbwegs regelmäßig verdammte sicherungskopien! Bitte! Die werden nämlich am ende eure einzige rettung sein.)

11,2 kilometer in der sekunde…

…oder etwas „anschaulicher“ rd. 28.500 km/h ist die geschwindigkeit, die man erreichen muss, um die erde auf einer nicht zurückkehrenden bahn zu verlassen. Warum mir diese zahl gerade einfällt? Weil ich bei heise onlein eine schlagzeile gesehen habe:

Unicef ruft Gamer zum Ethereum-Mining für syrische Kinder auf

Und jetzt will ich hier weg. Ganz weit weg.

Um mir wenigstens etwas glauben an das gehirn zurückzugeben: bitte, liebe spieler, gebt der UNICEF einfach stattdessen ein paar euro, dollar, kronen, franken oder sonstwas, statt den in der BRD mit braunkohleverbrennung und nebenan in belgien und frankreich mit hochgefährlichen schrottreaktoren erzeugten strom für so eine spekulazjonskacke in abwärme und lüfterlärm zu verwandeln (und dafür auch eine rechnung zu bezahlen, die möglicherweise viel höher ist, als das errechnete kryptogeld wert ist)! Vor allem, weil durch den durch gas- und kohleverstromung erzeugten klimawandel — zumindest bei den vereinten nazjonen glaubt man völlig felsenfest daran, so dass ich dieses argument problemlos bringen kann — noch mehr kinder leiden und elend verhungern werden.

Oder noch besser: seht zu, dass ihr eine möglichkeit findet, so zu spenden, dass das geld nicht in der korrupzjon der vereinten nazjonen verschwindet! Und wählt niemals wieder p’litiker, die den gesamten nahen osten mit kriegs- und mordwaffen beliefern, also keine blutsaufenden schreibtischmörder im brote der rüstungsindustrie aus SPD, CDU, CSU, FDP und von den scheißgrünen.

Kurz: seid nicht so doof wie ein p’litiker!

Und wenn ihr mir noch was gutes tun wollt, spendiert mir ein raumfahrzeug! Ich muss weg hier… 😦