Die NZZ über den zustand der meinungsfreiheit

Auch mit Argumenten vorgetragene und in einem sachlichen Ton formulierte Positionen werden zunehmend mit dem Hinweis aus Medien verbannt, dass über bestimmte Fragen nicht mehr diskutiert werden könne. Die Wahrheit steht offensichtlich schon fest, wer daran zweifelt, hat nicht eine andere Meinung, sondern ist ein Ketzer […] Dazu gehören Bekenntnis- und Bussrituale, die Wiederholung der immergleichen Formeln und Floskeln, die Gesten der Empörung und des Zornes angesichts ketzerischer Behauptungen sowie die pathetischen Bekundungen tiefen Abscheus: So etwas höre man sich nicht länger an, mit solchen Menschen setze man sich sicher nicht auf ein Podium, „derartige Meinungen haben in diesem Blatt nichts zu suchen“. Ein Reizwort genügt, und man wendet sich brüsk ab – was immer dann noch kommen mag

Diese das bewusstsein umgehende reakzjon auf einen schlüsselreiz ist nun einmal das ergebnis einer kondizjonierung. Das schlimmste daran: die opfer dieser schulisch, universitär und massenmedial täglich verabreichten kondizjonierung merken gar nicht, wie blöd und psychisch ihre reakzjon ist, sie halten sie für heilig, richtig, schlau und wahr.

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