Prof. dr. Offensichtlich

Prof. dr. Offensichtlich, der umtriebige forscher an allen fronten der erkenntnis, hat sich mal die sache mit den minibezahldiensten für jornalisten scharf angeguckt und dabei rausgekriegt und unter dem pseudonym Marcel Weiß publiziert, dass menschen eher weniger bereit sind, für ein literarisch meist ungenießbares wegwerfprodukt überhaupt etwas zu bezahlen:

Man liest selbst den besten journalistischen Text nur einmal. Musikstücke, vor allem die, die man sogar kauft, hört man öfter an. Noch wichtiger: In der Regel hat man den Song, den man kaufen will, bereits oft gehört -im Radio, auf YouTube, in einer TV-Serie-. Man kennt also schon das Informationsgut, das jetzt erworben wird und weiß bereits, dass es gefällt und den zu bezahlenden Preis wert ist. Das kann für journalistische Texte niemals gelten

Sag ich doch! 😀

Eine Antwort zu “Prof. dr. Offensichtlich

  1. […]In der Regel hat man den Song, den man kaufen will, bereits oft gehört -im Radio, auf YouTube, in einer TV-Serie- Man kennt also schon das Informationsgut, das jetzt erworben wird.[…]

    In der Regel – gilt das nur für Weibchen? 😆
    OK, Spaß beiseite.
    Da ist sicherlich etwas dran, wenn man von sich auf andere schließt und das Otto-Normal-Verhalten mit einbezieht, welches ich nie so richtig verstanden habe, bzw. schon verstehe, aber mir etwas merkwürdig vorkommt.

    Als ich Musik noch kaufte (heute höre ich nur noch die alten Sachen, oder nur noch Online im freien Stream, den man ja auch mal herunter laden kann, je nach dem), kaufte ich überwiegend gerade nicht die Musik die man überall hören konnte. Wozu, wenn man es ohnehin überall zu hören bekommt?! Mainstream war ohnehin noch nie so mein Fall und wenn mir doch mal ein Stück richtig gut gefiel und ich es kaufen wollte, dann bemühte ich mich eine Version / einen Mix zu finden, den man eben nicht überall hörte und aufgezwungene Ohrwürmer die ich gar nicht mag, aber trotzdem ständig im Kopf dudeln, weil man damit überall Akustik-Gecheated[1] wird, die hasse ich wie die Pest und Cholera zusammen.
    Das hat auch einen kleinen und guten Nebeneffekt. Wenn man mal die alten Sachen auf Vinyl oder CD bei einer Plattenbörse verkaufen will, dann sind solche raren Scheiben zumeist auch etwas wert, wohingegen die Massenware, wenn überhaupt für paar Cent auf dem Flohmarkt noch Käufer findet.
    Nun denn, wie ich schon erwähnte, der Otto-Normal-Mensch mit seinem Verhalten will halt überwiegend das Zeug besitzen, egal oder gerade weil er es überall zu hören bekommt – psychologische Effekte, die sich die Industrie da auch zu nutze macht, sind wie immer völlig ausgeschlossen 🙂

    [1]
    Akustisches Cheaten, oder auch akustische Irreführung.
    Ich nenne das so, um es von der akustischen Täuschung abzugrenzen, da „akustische Täuschung“ schon ein Begriff für spezielle reale Täuschungen, ähnlich der „optischen Täuschung“ ist.
    Für mich fällt darunter z.B. die schon erwähnte Überrumpelung durch ständiges wiederholen auf allen Kanälen zur Gewinnmaximierung.
    Weiterhin die (emotionale) Beeinflussung von Konsumenten durch Klang / Musik z.B. in der Werbung.
    Aber auch solche (emotionale) Beeinflussung durch Klang / Musik in Film, Fernsehen und Videospiele – man stelle sich nur mal vor, im Täglichen Leben würde ständig irgend etwas dudeln und je nach Situation würde sich der Charakter des Gedudels ändern, so z.B. wenn man über eine viel befahrene Straße geht, auf einmal im Kopf oder irgendwo aus dem Off bedrohliche Musik erklingt.
    Solche Musik in Videogames, mache ich immer aus, sofern das geht. Ich spiele vornehmlich aus der Egoperspektive, also FPV und will dann auch gerne ein realistisches Erlebnis so gut es geht haben, mich nervt dabei die Musik, vor allem wenn die Musik emotional etwas vorgaukeln will.
    Nun denn. Viele Menschen, ja die meisten wollen das sogar, vermutlich weil sie es so gelernt haben, dass kaum ein Film und kaum ein Videospiel noch ohne solches Cheaten, ohne akustische Irreführung auskommt. Historisch gesehen kommt das aus Urzeiten des Stummfilm, um mit der Musik die zu der Zeit sehr lauten Projektoren zu überdecken, bis man gemerkt hat wie man die Zuschauerr mit der Musik / dem Ton auch dramaturgisch emotional beeinflussen, in die Irre führen kann – bis heute.

    Menschen sind schon faszinierende Wesen. Tagtäglich sterben Menschen an Hunger und Durst, bei Unfällen, oder werden totgebomt usw. – wenn darüber mal etwas in den Nachrichten kommt, wird das meist achselzuckend hingenommen. Sitzen sie aber im Kino oder vor der Glotze bei einem, oft rein erfundenem Drama, da schluchzen und heulen sie wie die Schlosshunde – nicht zuletzt auch durch die akustische Irreführung mit Musik.

    Greetz and take care!

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