Behindertendiskriminierung des tages

Immer mehr Webseiten und Apps benutzen die Schreibweisen mit dem Sternchen, dem Unterstrich oder dem Doppelpunkt, auch einige Zeitungen gendern. Für blinde und sehbehinderte Menschen, die sich Texte von einer automatischen Sprachausgabe vorlesen lassen, kann das unpraktisch sein. Robbie Sandberg: „Dann sagt die zum Beispiel sowas wie: ‚Hörer Unterstrich innen‘. Und jetzt kann man natürlich sagen: Das sind ja nur drei Silben, was soll die Aufregung! Aber es läppert sich halt sehr schnell – und wenn Sie einen gegenderten Text lesen, wo das oft vorkommt, dann wird das sehr, sehr schnell nervig und stört einfach ungemein den Lesefluss.“

[Archivversjon]

Sind bestimmt auch alles solche „maskunazis“, diese blinden! 🙃️

Wenn euch das grammatikalische geschlecht in der deutschen sprache nicht gefällt, dann sprecht doch einfach englisch! Das ist leicht zu erlernen und zurzeit die kwasiweltsprache der bildung. Und das beste: da gibt es das problem gar nicht oder zumindest so viel milder, dass man keine übelklingenden verrenkungen machen und bullschitt-zeichen in den text sprengseln muss, um es zu vermeiden. Die meisten ideologisch verdummten mensch:innen, die gendern, halten doch sonst auch nicht so viel von der deutschen sprache oder von irgendwas, was deutsch ist. :mrgreen:

(Siehste, jetzt kann ich schon wieder zum „nazi“ erklärt werden.)

6 Antworten zu “Behindertendiskriminierung des tages

  1. Also in meinem Text2Speech-Programm wäre das eine RegEx-Zeile und der ganze Gender$©ħ€ı$$ wäre zumindest akustisch gelöscht:
    sed ’s/\([*_:]\)innen//g‘ |\
    Aber was mich – auch an der Meldung – stört: die Quälerei des Sprachzentrums bei allen Menschen, die solche Texte visuell lesen, stört keinen.

    • Aber was mich – auch an der Meldung – stört: die Quälerei des Sprachzentrums bei allen Menschen, die solche Texte visuell lesen, stört keinen.

      Mich schon, aber es gibt ja den TextRewriter, und da kann ich so eine Korrektur auch visuell vornehmen.
      Probleme gibt es dabei allerdings mit der Korrektheit von Kasus und Numerus.
      Wegen… des grammatikalischen Geschlechts. Verdammt.

    • Ach, mich stört das schon ein bisschen. Die eingestreuten sonderzeichen sind nun einmal störend, und die sprachgefühllosen sprachhumpeleien der marke „studierende“ — ich habe ja schon eine menge studenten erlebt, die keine studierenden waren — zerstören oft sogar den sinn des gesagten und geschriebenen. Im moment schreibt die gesamte stadtverwaltung von hannover offizjell dieses humpeldeutsch. Als ob deutsche texte aus der bürokratie noch nicht ungenießbar genug wären!

      Aber wenns ums schreiben und komische parallelrechtschreibungen geht, stehe ich mit diesem kleinen rotzeblögchen im glashaus und werfe lieber nicht mit steinen. 😉

      (Übrigens haben blinde praktisch keine probleme mit meinen schreibweisen, weil ich mich drum bemühe, sie fonetisch gut zu machen, so dass die sprachausgabe nicht gestört wird. Aber sehende haben immer wieder ein problemchen mit der „rechten gutschreibung“.)

  2. Nebenbei: Wenn „Benachteiligung“ gemeint ist, sollte das vielleicht auch so geschrieben und nicht hinter „Diskriminierung“ versteckt werden. Im vorliegenden Fall wird ja gerade nicht diskriminiert, denn die Genderer legen allgemein keinen positiven Wert auf Les- und Sprechbarkeit ihres Gezwirbels, egal wer damit konfrontiert wird.

    Weiterer Vorteil: Es ist keine künstliche Unterscheidung zwischen „Diskriminierung“ und „affirmative action“ erforderlich.

    Oder wolltest Du absichtlich die Ingroup-Sprache der Schickeria verwenden?
    Nützt nichts. Deren Immunsystem erkennt Dich trotzdem als Alien und filtert Dich aus, selbst wenn Du mit solchen Tricks an ein paar Rezeptoren andocken kannst.

    Scott Alexander hat da wieder einen lesenswerten Artikel geschrieben:

    A Modest Proposal For Republicans: Use The Word „Class“
    […]
    Trump stood against the upper class. He might define them as: people who live in nice apartments in Manhattan or SF or DC and laugh under their breath if anybody comes from Akron or Tampa. […] Who get jobs in journalism, academia, government, consulting, or anything else with no time-card where you never have to use your hands. Who all have exactly the same political and aesthetic opinions on everything, and think the noblest and most important task imaginable is to gatekeep information in ways that force everyone else to share those opinions too.

    Ich würde das ja nicht als „upper class“ bezeichnen, sondern eher als „Salon“-Gruppe. Jedenfalls ist Meinung dort ein homogenes Gruppenattribut, nichts individuell Entwickeltes, und wird gegen Lernprozesse geschützt. Ingroup-Begriffe zu verwenden, hilft da auch nicht.

    • Das ist ein völlig berechtigter einwurf.

      Ich habe mich davon verleiten lassen, dass die gendersprech-bestrebungen aus einer ecke kommen, die sich selbst immer wieder als diskriminiert darstellt, und zwar aus privilegierter posizjon heraus. Und menschen wie mich, mit meiner zufälligen kombinazjon aus alter, hautfarbe und geschlecht, als unterdrücker darstellt, denn man ist dort ja weder sexistisch noch rassistisch. Das geht bis hin zum nazivorwurf und zu in meinem fall eher hilflosen bekämpfungsversuchen wie dem kollektiven wegbeißen vom zwitscherchen. Wenn ich noch etwas zu verlieren hätte, dann hätte es auch schon ein richtiges doxxing gegen mich gegeben, um mir so richtig zu schaden.

      Wenn dieser scheinfeminismus aus der pipi-langstrumpf-universität nicht so ernsthaft in große bereiche der gesellschaft, insbesondere in jornalismus, hochschulen, verwaltungen, freie softwäjhr und parteien reinfräße, dann würde ich ja drüber lachen. Menschen können nun einmal sehr komisch sein. Sogar ich kann das. 😉

      Aus meiner sicht der dinge sind das alles nachwirkungen der bürgerlichen esoterik der siebziger jahre mit ihrer unverhohlen narzisstisch-allmächtigen magischen vorstellung, dass sprech- und denkakte die wirklichkeit formen können — nebst der kindischen aufforderung, positiv zu denken, nachzudenken und reich zu werden, denn das ist nun einmal das wichtigste. Wer es nicht macht, hat selbst schuld, so dass den gläubigen aus ihren eigenen privilegjen niemals eine verantwortung erwäxt. Es ist genau diese magie im gegenwärtigen knallkopp-feminismus der höheren töchter. Und genau die gleiche irrazjonale zauberei und tiefe, inappellable gläubigkeit.

      Die bürgerliche siebziger-jahre-esoterik (sowie ihre teilweise schrille nachgeburt in form der „geistlichen gemeindeerneuerung“ in den kristlichen kirchen der achtziger und frühen neunziger jahre) hat übrigens niemanden reich gemacht. Aber sie hat viele menschen mit etwas empfindlicherer psyche und mit unerfreulicher vorgeschichte in die klapsmühle gebracht. (Suizide waren verblüffend selten.) Ich lerne heute noch menschen kennen, die davon erzählen können, wie sie jeden boden unter den füßen verloren haben, nachdem sie in diese falle geraten sind, die ihnen jede möglichkeit richtigen nachdenkens entrissen hat. Nur einige scharlatane mit ihren büchern, ihrem tinnef und ihren „heilungsgottesdiensten“ haben richtig viel geld eingesammelt. Und scientology natürlich, aber die eher im fahrwasser, denn scientology ist etwas völlig anderes mit echter gehirnwäsche und richtigem faschismus. Aber die selbstoptimierungs-stategie zum anwerben neuer scientology-mitglieder hat da halt auch gut geklappt.

  3. Wenn dieser scheinfeminismus aus der pipi-langstrumpf-universität nicht so ernsthaft in große bereiche der gesellschaft, insbesondere in jornalismus, hochschulen, verwaltungen, freie softwäjhr und parteien reinfräße, dann würde ich ja drüber lachen. Menschen können nun einmal sehr komisch sein. Sogar ich kann das. 😉

    Es gab Zeiten, zu denen das noch als lustig galt, weil das niemand ernst genommen hat.

    Beispiel: Die Harahu-Suzumiya-Anime-Serie.

    Der vierte und letzte Anime „The Disappearance of Haruhi Suzumiya“ war das Erste, was ich von der Serie gesehen habe. Diesen vierten Teil finde ich immer noch großartig. Sehr zu empfehlen.

    Dann habe ich die vorangehenden Teile der Serie („The Melancholy/Boredom/Sigh of Haruhi Suzumiya“) zusammengeklaubt und angeschaut. Inklusive der endless eight ;-). Und festgestellt, dass das zwar ansprechend und unterhaltsam, aber zugleich beinhartes feministisches Programm der Marke „(nur) Mädchen dürfen alles“ ist. Das zeigt sich z. B. daran, wie Haruhi den Computer für den Klubraum organisiert. Oder daran, dass in der gesamten Serie sämtliche Gewalt und alle Nötigungen ausschließlich von Mädchen ausgehen. Damals muss das als lustig oder progressiv gegolten haben. Die Teile seien hier dennoch zur Vervollständigung empfohlen.

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