Endlich: informatikunterricht an der schule

Non vitae, sed scholae discimus
Lucius Annaeus Seneca, stoischer filosof, ca. 1-65 nach unserer zeitrechnung

Saarland:
Leitlinien für das Schul-Pflichtfach Informatik vorgestellt

Huj, doch jetzt schon? Wir haben erst das jahr 2022, vielleicht gehen diese kompjuter ja noch mal weg.

Natürlich nur im saarland. Na ja, hauptsache wir haben keine flickenteppiche in der BRD!

Im Schuljahr 2023/24 soll es im Saarland mit dem Pflichtfach Informatik losgehen.

Aber gibt es nicht schon matematikunterricht? Da könnte man doch auch mal — anstelle der endlosen rechenexerzizjen im zeitalter der überall verfügbaren elektronischen rechenmaschine — etwas vernünftiges vermitteln. Etwas mit lebenspraktisch bedeutsamer matematischer einsicht zum beispiel.

Das Fach soll Grundkompetenzen vermitteln […]

„So schaltet ihr den kompjuter ein, was ihr da auf dem bildschirm seht, heißt meikrosoft windohs, der kasten da an der seite ist eine maus, wenn ihr die verschiebt, bewegt sich ein pfeil, den könnt ihr über symbole bewegen, wenn ihr auf den linken knopf drückt, nennt man das klicken und wenn ihr auf den rechten knopf drückt, geht ein auswahlmenü auf“.

[…] und nah an der Lebensrealität sein

„Heute lernen wir den umgang mit meikrosoft wörd, danach lernen wir eksell, pauerjoint und äkzeßß. Schließlich lernen wir nicht für die schule, sondern fürs leben. Deshalb schreiben wir ja auch immer diktate“.

Der Unterricht solle die Vielfalt der Informatik und der damit verbundenen Berufsfelder aufzeigen

„Wir haben voll vielfalt in diesem kompjuterkrams. Und die läuft ausschließlich unter meikrosoft windohs. Alles andere funkzjoniert nicht“.

Für die Erarbeitung der Leitlinien setzte sie ein „Expert:innen-Forum“ unter Leitung der Informatik-Professorin Prof. Dr. Verena Wolf von der Universität des Saarlandes (UdS) ein

„Vergesst nicht, immer schön die geschlechtertrennende sprache zu verwenden, liebe schülerys, sonst gibts notenabzüge“.

„Die technologische Perspektive erklärt und hinterfragt Phänomene, Gegenstände und Situationen der digital vernetzten Welt, mit Fokus auf der Funktionsweise von Informatiksystemen. Die gesellschaftlich-kulturelle Perspektive beschreibt die Wechselwirkungen zwischen den Systemen und der Gesellschaft und die anwendungsbezogene Perspektive fokussiert sich auf Fragen zur Nutzung der Systeme.“

„Die technologische perspektive erklärt euch, dass meikrosoft windohs und meikrosoft offißß die beste sache seit geschnitten brot sind, die gesellschaftlich-kulturelle perspektive erklärt euch, dass ihr das können müsst, sonst kriegt ihr keinen dschobb, und die anwendungsbezogene perspektive zeigt euch, wohin ihr klicken müsst, wenn ihr mit meikrosoft offißß arbeitet. Fortgeschrittene schüler im A-kurs lernen sogar die benutzung von absatzvorlagen“.

Bildungsministerin Streichert-Clivot betonte: „Der Informatikunterricht soll [Schüler:innen] in ihrem Alltag abholen, das ist mir besonders wichtig“

Lacksäuferin Streichert-Clidiot betonte: „der so genannte informatikunterricht soll schülerys das gendern vermitteln und ihnen zeigen, wie sie ihr referat mit einer pauerjoint-präsenzjon noch langweiliger und unerträglicher für die zuhörer machen. Das ist mir besonders wichtig. Das ist dieser realitätsbezug“.

Laut Arbeitsgruppe sollen die Inhalte des Pflichtfachs dazu beitragen, dass „die Schüler:innen die Rolle erkennen, die Informatik und Informatiksysteme bereits jetzt in der Welt einnehmen.“

Lt. lacksäuferrunde würden die schülerys niemals bemerken, dass überall kompjuter rumstehen, wenn es ihnen an der schule nicht erzählt würde.

Die zentralen Inhalte seien demzufolge: „Information und Daten“, „Algorithmen“ sowie „Informatiksysteme und Netzwerke“. Diese würden durch die Querschnittsbereiche „Informatik, Mensch und Gesellschaft“ sowie „IT-Sicherheit“ ergänzt.

Die zentralen inhalte — auf so einen kram wie landausymbole und anderes zeug, das an matematikunterricht erinnert, wird natürlich verzichtet — werden ergänzt durch staatsbürger- und sozjalkunde, gendern und die anwendung von schlangenöl. Wie man seinen persönlich benutzten kompjuter halbwegs wirksam absichert, wird nicht gelernt. Und dass es eine scheißidee ist, in eine nicht digital signierte mäjhl zu klicken, begreifen ja noch nicht einmal die lehrer oder die kultusminsterys. Die begreifen gar keine digitale signaturen. Das ist so komplizierter kryptokram. Die persönliche anwendung kryptografischer metoden ist schlecht für einen angehenden überwachungsstaat, der alles mitlesen, alles unerwünschte darin zensieren und eventuell sogar beweise fälschen will, deshalb wird sie nicht gelehrt.

Bei der Ausgestaltung des Inhaltsbereichs „Algorithmen“ sei „das selbstbestimmte und altersgerechte Programmieren eigener Systeme“, aber auch die Analyse bereits bestehender Systeme zu fördern.

Selbstbestimmtes programmieren heißt hier: hirnlos und unreflektiert machen, was der lehrer von einem verlangt und nicht einmal die dabei verwendeten werkzeuge (programmiersprache, editor, build-system, kwelltextanalyse-hilfsprogramm) selbst auswählen zu können. Schließlich darf man an einer BRD-schule ja auch nicht jeden beliebigen taschenrechner benutzen, sondern nur den, den die scheißlehrer kennen, der im überteuerten schulbuch gezeigt wird und der deshalb auch gleich einen mondpreis kostet, damit hartz-IV-eltern gleich noch einen weiteren nachteil für ihre kinder haben. Und auch bei der analyse eines bestehenden systems hat man keine freie wahl der hilfsmittel, obwohl es unendlich praktisch ist, wenn man zum beispiel eine relazjonale datenbank hat und ein werkzeug benutzt, das daraus ein E/R-diagramm macht. Stattdessen wird sicherlich gefordert, dass man händisch arbeiten macht, die eine maschine viel besser und weitgehend fehlerfrei erledigen kann… und ohne dabei kopfschmerzen zu kriegen. Das nennt das lehrery und sein kultusministery dann „praxisgerecht“.

In Sachen Geräte und Software verfolgt die Leitlinie, dass produktunspezifisches Wissen aufgebaut werden solle. Die Arbeitsgruppe schränkt aber entsprechend ein, dass die Nutzung von Informatiksystemen zu einem gewissen Grad auch produktspezifisches Grundwissen voraussetze. Dies solle dementsprechend auch vermittelt werden

Auf jeden fall wird ganz viel meikrosoft offißß und meikrosoft windohs gelernt. Und dazu immer wieder erklärt, dass das so einfach ist, dass man es eigentlich gar nicht lernen müsste und dass alles andere viel komplizierter ist und nicht richtig funkzjoniert. Das ist alternativlos!!1!

Gruß auch an die lacksäuferys im saarländischen kultusministerjum!

2 Antworten zu “Endlich: informatikunterricht an der schule

    • Ich machs ja selten und ungern, aber manchmal passt es… und ein -y-suffix ist im gegensatz zu den universitär veblendeten schreibreformideen der höheren töchter mit politik- und jornalismushintergrund sprechbar und unverkrampft.

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