Hadmut Danisch des tages

Hadmut Danisch ist der (vorsichtig nur als frage formulierten) meinung, dass das verschleifen der barocken formenvielfalt und überkomplizierten grammatik der deutschen sprache ein anzeichen der massenverblödung sei.

Ehrlich gesagt: das habe ich auch schon gedacht. Und dann habe ich darüber nachgedacht (und meine tese immer wieder mal formuliert, um widerspruch zu provozieren). Schließlich habe ich diese naheliegende idee verworfen.

Einer der gründe für die… ähm… herausfordernde kompliziertheit des deutschen ist, dass die bibelübersetzung Martin Luthers in einer zeit sprachprägend wurde, in der es nur ein buntes nebeneinander deutscher dialekte gab, die teilweise gegeneinander sehr schwer verständlich waren. (Ich verstehe bis heute einen niederländer besser als einen bayern, ohne jemals niederländisch gelernt zu haben, und niederländisch ist dabei doch eine sehr andere sprache als deutsch.) Luther sah sich vor die aufgabe gestellt, eine schriftform für seine übersetzung zu finden, die einigermaßen geregelt war und regjonal übergreifend verstanden wird. Kein leichter dschobb, wenn man vogelfrei auf der wartburg sitzt und mal eben das neue testament übersetzt. Luther hat sich in dieser situazjon für „die sprache der säxischen kanzlei“ entschieden, eine kwasi-kunstsprache aus verwaltung und rechtspflege.

Davon, wie umständlich und überkompliziert bürokraten- und juristensprache in aller regel ist, kann man sich noch heute ein bild machen. Nicht nur im deutschen. 😉️

Aber das kaos wurde noch größer: die sprache basierte auf einem süddeutschen dialekt, aber die reformazjon und die schnell entstehende ev.-luth. kirche fanden ihre anhänger im norddeutschen sprachraum mit seinen niederdeutschen mundarten. In de folgend johren wurr en süüddüütsch dialekt in nedderdüütsch utspraak to de hoochspraak vun de düütschen… ähm… in den kommenden jahren wurde ein süddeutscher dialekt in niederdeutscher aussprache zur hochsprache der deutschen¹. Die niederdeutschen mundarten sind in den kommenden jahrhunderten immer weiter von dieser lustigen bibelsprache verdrängt worden, was natürlich auch an Luthers unzweifelhaftem talent lag, sprache so gut zu formen und zu verschriftlichen, dass dabei auch eine klare, griffige, alltagstaugliche sprache entstand.

Das ergebnis dieses prozesses wurde allerdings eine sprache, über die ich viel gutes sagen kann, nur eines nicht: dass man sie auch leicht erlernen könne. Die präzisjon und korintenkackerei der säxischen kanzlei verlieh dieser sprache allerdings eine klarheit und begriffsschärfe, die weit über die mundarten hinausging, so dass es schnell viel „weltliche“ literatur gab, bis hin zu Goethe und Schiller auf der lyrischen seite, sowie Schopenhauer und Kant auf der geisteswissenschaftlichen seite. Letzteres ist schwer genießbare literatur, selbst noch für einen deutschen muttersprachler. Die potenzjelle ausdruckskraft konnte durchaus mit dem etablierten gelehrtenlatein konkurrieren.

Diese sprache hat auch im alltag viel kompliziertheit behalten, es gab über längere zeit keinen druck in richtung vereinfachung. Die zuwanderung aus dem slawischen sprachraum brachte menschen hierher, die eine vergleichbar komplizierte sprache sprachen und die typischen deutschen strukturen schnell aufnahmen (und uns so schöne wörter wie „gurke“, „kwark“ und „peitsche“ brachten). Das strukturell sehr viel einfachere französisch auf der westlichen seite deutschlands hat die sprache hingegen in ihrer struktur kaum beeinflusst, wenn man mal von einer großtankerladung französischer lehnwörter (wie „büro“ für schreibstube, „adresse“ für anschrift, „dekorazjon“ für verzierung, „experte“ für fachmensch, „soße“ für tunke, „orangsch“ für kress, „populär“ für volxtümlich und dergleichen) absieht. Das bürgertum übernahm gern die vielen „elegant klingenden“ französischen begriffe, und irgendwann waren sie so deutsch, dass sich das bürgertum nach anderen sprachmarkierungen umschauen musste, um seine bildung und seinen stand zu markieren: gendersprache zum beispiel. Die für lernende sehr fiese deutsche grammatik, unregelmäßigkeit und eigenart blieb davon völlig unberührt, ebenso die neigung des deutschen zur substantivkompositumbildung, die weit in die umgangssprache hineinragt. Jeder deutschmuttersprachler weiß, wie ich ein wort wie „tittenmonster“ meine, wo es angemessen wäre, wo es ein bisschen unpassend wäre, wo es beleidigend sein könnte; aber der arme deutschlernende hat mit seinem wörterbuch erstmal keine schangse, auch nur etwas davon zu erahnen…

Einen druck auf sprachliche strukturen der deutschen sprache gibt es überhaupt erst seit weniger als einem jahrhundert mit der p’litisch gewünschten zuwanderung aus ferneren sprachräumen (so genannte „gastarbeiter“, die sich hier teils sehr wohl fühlten). In anderen sprachräumen, in denen ein solcher druck zur vereinfachung viel früher auftrat und viel länger anhielt, ist dieser prozess viel weiter vorangeschritten, meist durch große häfen. Das dänische zum beispiel, es kennt keine konjugazjon des verbs im präsenz mehr und hat seine ursprünglichen drei genera zu zweien verschliffen, und es war doch einmal die schwergewichtige alte wikingersprache, von deren übler grammatik das heutige isländisch zeugnis ablegt. Oder das englische, dessen formenreichtum in alten zeiten für deutsche muttersprachler fast ein bisschen leichter als für heutige briten lesbar ist, und das doch einmal beinahe so kompliziert wie das deutsche war. Und auch das niederländische hat viel barocken grammatikballast abgeworfen². Das da noch mehr geht, zeigt das afrikaans aus südafrika, das für mich immer ein bisschen wie niederländisch klingt, aber kaum noch verständlich ist: es gibt keine genera mehr, die konjugazjon der verben im präsens ist völlig abgeschliffen und die formen des präteritums sind weitgehend verschwunden (bis auf sehr wenige, aber wichtige verben).

Die dänen können hervorragendes lakritz machen und große schiffe bauen, obwohl ihre verben nicht mehr konjugiert werden und die grammatischen geschlechter „männlich“ und „weiblich“ zu einem gemeinsamen geschlecht geworden sind. Das englische ist zur weltwissenschaftssprache geworden; obwohl von der früheren grammatik fast nichts mehr übrig geblieben ist, kann man offenbar komplexe gedanken darin ausdrücken, beobachtungen präzise darin beschreiben und matematische beweise darin führen. In den niederlanden gibt es (nach meinem wissen) in rotterdam den größten kontäjhnerhafen europas, und die niederländer kriegen die logistische komplexität eines solchen hafens mit beachtlichem technischen aufwand und komplexer arbeitsteilung bewältigt, obwohl sie eine verschliffene grammatik haben und die deklinazjon von nomen und adjektiven (wenn man mal von ein paar umgangssprachlichen ausdrucksweisen wie ’s morgens absieht) in den vergangenen jahrhunderten völlig weggeschmirgelt haben.

Einmal ganz davon abgesehen, dass sowohl in großbritannjen, als auch in den niederlanden als auch in dänemark die züge im normalbetrieb pünktlich und zuverlässig fahren. Von der BRD kann man das leider schon lange nicht mehr sagen. Da hilft dann auch die komplizierte grammatik nicht weiter. In der BRD schaffen es die menschen nicht einmal mehr, im reichshauptslum berlin eine wahl zu organisieren.

Es gibt schlicht keinen zusammenhang zwischen grammatischer komplexität einer sprache und intellektueller leistungsfähigkeit der sprecher dieser sprache.

Wir bewegen uns galoppierend hin zu einer Verblödung der Sprache. Willkürliche Pronomen, Partizipiensprache (Fußgehende), und so weiter. Wir nähern uns sprachlich den Emojis an

Diese „verblödung der sprache“ ist rein ideologisch bedingt, sie kommt direkt aus dem lyssenkoismus des bürgerlichen gender-feminismus. Sie ist auch kein verlust grammatischer komplexität, sondern eine übergestülpte, zusätzliche komplexitätsschicht, die das erlernen, sprechen und schreiben erschwert, also in ihrem vorgeblichen streben nach „integrazjon“ zusätzliche hürden für integrazjonswillige aufbaut. Und zwar auf eine weise, auf der die meisten menschen im alltag — also: wenn sie nicht müssen — gern verzichten, weil sie in den allermeisten situazjonen keinen vorteil bringt. Deutsch ist verzwickt genug. Sogar für muttersprachler. Da wird dann auch die zwangsdressur der kinder an den BRD-zwangsschulen und ihre wie eine chinesische wasserfolter regelmäßig verabreichte fortsetzung durch die stinkenden feinde aus presse und glotze nichts nützen. Oder anders gesagt: sie ist ein nichts nützender versuch von feindenden.

Die wirkliche gefahr ist die dummheit. Diese wird in der BRD mit hohem aufwand hergestellt, in einem staatlichen zwangsschulapparat, der mit psychischen und körperlichen foltermetoden aus aufgeweckten, interessierten kindern heranwaxende und erwaxene macht, die für den rest ihrer lebensspanne angst vorm erwerb von wissen haben. Diese angst vorm wissenserwerb nennt man heute „hochschulreife“. Die sprache folgt dann der dummheit:

Der Satzbau wird primitiver. Der Wortschatz schrumpft, alles schnurrt zu Großkategorien zusammen, für alles gibt es nur noch einen Begriff oder ein positiv-/negatives Begriffspaar

So lange es noch für strg+C und strg+V und eine entfaltung des wunsches nach konsum und privileg reicht, reicht es doch. „Die märkte“ freuen sich, denn dumm kauft viel. Die verblödung ist da, sie ist nur nicht an die sprache gekoppelt. Die verarmung des wortschatzes ist natürlich auch da, denn eine unterkomplexe sicht auf die welt führt zu einem unterkomplexen ausdruck der eigenen gedanken. Am ende bin ich dann mal wieder ein nazi.

Schachtelsätze gibt es nicht mehr

Ich gebe weiter an Christian Morgenstern. 😁️

(Jener text ist auch für muttersprachler sehr schwierig. Wegen der schachtelsätze. Ein anderer großer schachtelsatzautor war Immanuel Kant. Aber der liest sich nicht so heiter. Mein text in diesen klammern: einfache sätze, keine nebensätze, kaum verben, wenig grammatik. Ist er dumm?)

Infinitiv nur noch in der Billigversion

Aber dafür etabliert sich gerade eine neue verbform in der deutschen sprache, zumindest in der mündlichen sprache: die verlaufsform. Der infinitiv wird groß geschrieben und mit „am“ eingeleitet, um mit einfachen sprachlichen mitteln aufzuzeigen, dass etwas genau in diesem moment des sprechens oder schreibens am geschehen ist. „Ich bin am essen“ geht nun mal leichter von der zunge als „Ich bin gerade damit beschäftigt zu essen“. Ich habe das zuerst vor rd. fünfundvierzig jahren in niederfränkischen mundarten gehört, höre es inzwischen aber im gesamten deutschen sprachraum. Ich schreibe es inzwischen auch, aber es ist natürlich grammatisch nicht ganz koscher und wird von ernsthaften autoren deshalb vermieden. Das wird sich in den näxsten zwanzig jahren ändern.

Da haben die deutschsprechenden also tatsächlich eine zeitform erfunden, die nicht einmal die ollen römer hatten — und ihre grammatik ein stück formenreicher gemacht. Und das auch noch in der ziemlich unreglementierten umgangssprache. Und es ist so erfolgreich, dass ich es hier in hannover (es soll ja angeblich hochdeutsch sein, was man hier spricht) auch von jenen türken aus der parallelgesellschaft höre, die sonst eher ihre problemchen mit der deutschen grammatik haben. Und das alles, ohne dass schule, presse und glotze dazu einen auch nur kleinen beitrag geleistet hätten…

Was ich nicht höre? Gender-neusprech.

Zeitformen nur noch nach Geschmack

Das deutsche hat noch nie eine besondere sorgfalt bei zeitformen gehabt, obwohl es ansonsten eher pedantisch ist. Ungefähr ab dem südlichen hessen hört man — außer in einigen redewendungen — seit jahrzehnten kein präteritum mehr. Auch die nahe vergangenheit wird durchgehend als perfekt wiedergegeben. Und in bayern ist es noch schlimmer. Zum ausgleich wird die nahe zukunft durch den präsens wiedergegeben. Eigentlich erstaunlich, dass wir alle einander im alltag verstehen, obwohl wir nur noch schwache zeitmarkierungen im verb haben. Das größte problem, das ein deutscher muttersprachler beim erlernen des englischen hat, ist die viel striktere zeitmarkierung am verb. Das ist für deutsche ungewohnt und wirkt kompliziert, obwohl alle formen analytisch und mit einem minimum neuer wortformen gebildet werden.

Ich frage mich, ob wir entweder die Sprache einer bereits eingetretenen Verblödung anpassen oder die Sprache der Verblödung folgt.

Oder ob dahinter ein Plan steckt und die Sprache auf eine noch kommende große Verblödung vorbereitet wird

Die sprache zur volxverblödung hat sich nie durch einfachheit ausgezeichnet, sondern durch künstliche und vorsätzliche kompliziertheit und klugscheißerei, die den sinn des gesagten oder geschriebenen verschleiern soll. Dazu nur ein beispiel: in der BRD zahlt man für jeden geschäftlichen geldfluss eine „umsatzsteuer“, nur nicht, wenn man geldflüsse aus spekulazjon oder geldanlage hat, dann ist es auf einmal eine „kapitalertragssteuer“. Mit dieser an sich völlig unnötigen kategorie kann man besser verschleiern, dass hier sehr verschiedene steuererhebungen auf ansonsten völlig vergleichbare geldflüsse stattfinden, und genau das ist p’litischer wille, ebenso die verdummung desjenigen teils der bevölkerung, der als arbeitende, werterzeugende menschenmasse nichts gegen seine absurd hohe besteuerung tun kann.

Einen dummen erkennt man daran, dass er einen naheliegenden gedanken (natürlich kann der auch mal falsch sein, wirkliche erkenntnis kommt nur aus einer disziplin der überprüfung) gar nicht erst denken kann. So lange ich lebte, wurde sprache, insbesondere p’litische und verwaltungssprache, genau zu dem zweck geschaffen, naheliegende gedanken im ansatz zu erwürgen. Das geht natürlich auch subtiler. Das verwaschen des unterschiedes zwischen „gleichberechtigung“ (verfassungsgut und menschenrecht) und „gleichstellung“ (umverteilung nach meist willkürlichen maßstäben) ist ebenfalls teil dieser vorsätzlichen verdummung. Leider mit dem erfolg, dass viele menschen gewisse gedanken nicht mehr denken können, also dümmer werden. Im moment denken die meisten menschen bei der zunächst gerecht anmutenden forderung „gleicher lohn für gleiche arbeit“ nur noch an frauen, aber praktisch niemals an zeitarbeiter, die für weniger geld als ihr fest angestellter kollege malochen. Klar, dass das auch scheiß-CDU, scheiß-CSU, scheiß-SPD, scheißgrünen und scheiß-FDP sowie den widerlichen jornalistischen speichelleckern der parteienoligarchie gefällt. Die haben ja den kwasisklavenmarkt der zeitarbeit erst eingeführt und öffentlich bejubelt und besenden ihn seit jahren mit ausgelieferten hartz-IV-verschleißkörpern, die unter existenzjellem druck oft keine andere opzjon als gefügigkeit haben.

Vergleicht mal Briefe von vor 100 Jahren, etwa von den Soldaten im Ersten Weltkrieg, mit dem Geschreibsel von heute

Ich hatte vor kurzem erst den genuss — weil ich noch halbwegs flüssig die deutsche kurrentschrift lesen kann, was wiederum daran liegt, dass ich als kind oft für gebrechliche leute eingekauft habe, die gar nicht anders schreiben konnten — ein paar briefe zu entziffern, teilweise in einer heftigen klaue. Ja, die geschriebene sprache war damals formeller und fehlerfreier. Aber dafür wurde sie sicherlich auch viel langsamer und überlegter geschrieben. Schon mit der erfindung der schreibmaschine dürfte sich die kommunikazjon beschleunigt haben, und heute haben menschen wischofone in der tasche und sind permanent onlein, so dass der unterschied zwischen mündlicher sprache und schriftsprache langsam, aber stetig zunehmend verschwindet. Die geschriebene sprache nähert sich von satzbau und schreibweise her der gesprochenen sprache an.

Das ist ein weiterer druck auf die barocken formen der deutschen sprache, insbesondere der schriftsprache. Ich bin gestern erst an dem folgenden zeugen dieses prozesses vorbeigegangen — an der ruine des ihmezentrums in hannover-linden:

An einem treppenaufgang mit klebehand angeklebtes, handbeschriebenes stück papier 'ihemepassage 10 A'.

Hier hat ein bewohnery³ der tristen betonburg etwas sehr intelligentes gemacht: es hat das problem behandelt, dass man seine anschrift nicht leicht finden konnte. Einfach einen zettel an eine stelle kleben, wo man die treppen steigen muss. Leider stand neben dem treppenaufgang auch die deutsche ortografie im wege, die noch nie eine einheitliche metode kannte, vokaldehnungen auszuzeichen, und so wurde aus der „Ihmepassage“ eine „Ihemepassage“. Man kann jetzt natürlich sagen: da ist jemandy so dumm, dass es nicht einmal mehr seine wohnanschrift richtig schreiben kann. Aber in wirklichkeit war es so intelligent, dass es eine alltagspraktische lösung für ein sicherlich konkretes problem gefunden hat. Nur die — lediglich durch auswendig-lernen zu bewältigende — frage, ob das lange „i“ jetzt mit einem „h“ oder mit einem „e“ geschrieben wird, hat das sprachgefühl ein bisschen überfordert. Sicherlich, es hätte sogar „Imepassage“ schreiben können und wäre auf das gleiche gesprochene wort gekommen, ganz ohne die überflüssige barocke kennzeichnung der vokallänge in einer offenen silbe — nederlanders doen hetzelfde — aber es hatte genug sprachgefühl, um zu sehen, dass das falsch wäre. Und dann entstand eine doppelt gemoppelte dehnung.

Derartige beispiele findet man oft, und manchmal sogar in etwas lächerlicher form. Sie deuten auf defekte der ortografie hin, und von denen gibt es eine menge. Im englischen sieht es sogar noch schlimmer aus. Hin und wieder tschätte ich ja auch mit englischen muttersprachlern, und ich bin immer noch ein bisschen eingeschüchtert, wenn ich in einer sprache schreibe, die nicht meine muttersprache ist und in der mir jene heitere sicherheit und die kleine prise humor wie im deutschen abgeht — bis ich dann sehe, was für fehler die muttersprachler machen. 😄️

Meiner meinung nach ist sprachwandel ein kontinuierliches geschehen. Ihn vor allem auf „verdummung durch sprachplanung“ zurückzuführen, ist etwas unterkomplex gedacht, zumal derartige versuche bis jetzt noch überall gescheitert sind. Und das, obwohl derartige versuche mindestens so alt sind wie der buchdruck mit beweglichen lettern. Versuche, in ideologischem neusprech zu schreiben wirken immer noch auf die mehrzahl der menschen sektiererisch bis lächerlich. Vor allem, wenn sich solche Versuche mit einer liturgiehaften weitschwafeligkeit verbinden, die fest mit beiden beinen in den wolken bereit steht, ohne uns weiterzumachen.

Die vorsätzliche und p’litisch gewollte verdummung breiter bevölkerungsschichten findet an ganz anderen fronten statt. Die erste davon ist die schule, und das war sie schon vor fuffzich jahren, sie wird ergänzt um das tägliche hirngemetzel in einem contentindustriellen jornalismus, der sich alle mühe gibt, das denken der menschen in möglichst unterkomplexe bahnen zu leiten — denn schließlich ist das eigentliche geschäft der contentindustrie die vermarktung von reklameplätzen. Das ist übrigens durchs internetz viel schlimmer geworden. Mit sehnsucht blicke ich auf die zeiten zurück, in denen ein lektorat wenigstens die gröbsten fehler geglättet hat. (Man merkt beim lesen deutlich, dass es sowohl beim spiegel als auch bei der NZZ noch ein lektorat zu geben scheint.) Leider funkzjoniert das geschäft auch ohne lektorat. Also gibt es jornalistische rohmasse. Dumme jornalistische rohmasse. Und die aufforderung, für irgendwelches „plus“ zu bezahlen und den werbeblocker abzuschalten.

¹Aktive sprecher und autoren des niederdeutschen mögen mir bitte verzeihen, wenn meine schreibweise des niederdeutschen etwas von ihrem standard abweicht. Ich habe mich zwar darum bemüht, lange vokale in geschlossenen silben durch verdopplung zu kennzeichnen, weil ich das immer wieder mal so gesehen habe, aber ich weiß nicht so ganz genau, wie man es „korrekt“ schreibt.

²Bitte nicht falsch verstehen: ich mag die deutsche sprache sehr. Auch und gerade mit ihrer schwerfälligen grammatik. Ich wüsste nicht, wie ich ohne diese sprache klar denken sollte. So geht es vermutlich jedem menschen mit seiner muttersprache…

³Es ist selten, dass ich gendere, aber wenn ich es tue, dann mit einem y-suffix und sächlichem geschlecht, weil man das sprechen kann und es nicht so verkrampft und geisteskrank wie die zungenstrafen des bürgerlichen gender-feminismus aussieht und klingt.

Eine Antwort zu “Hadmut Danisch des tages

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