Datenschleuder des tages

Heute mal ein richtiges leckerli: das fratzenbuch erzwingt von seinen nutzern ja schon seit längerer zeit die angabe einer telefonnummer, wisst schon, damit das fratzenbuch „sicherer“ wird und das benutzerkonto nicht so leicht gecräckt werden kann. Und jetzt kommt mit lautem rumms die folge dieser „erhöhten sicherheit“ beim fratzenbuch: die zurzeit für werber, gewinnbimmler und trickbetrüger frei zugänglichen daten von sportlichen 533 milljonen [!] fratzenbuch-nutzern bestehen nicht nur aus „den üblichen“ geodaten und profilangaben, sondern beinhalten auch die telefonnummer [link geht auf einen englischsprachigen text]. Da habt ihr euren „verbesserten Datenschutz“ durch noch mehr Datenangabe! Ist doch schön, wenn mal wieder jemand anruft. :mrgreen:

Wenn mich jemand nötigt, eine telefonnummer oder einen skänn eines amtlichen ausweispapieres preiszugeben, bin ich da weg, manchmal sogar noch mit sehr unfreundlichen worten. Noch letzte woche wurde ich deshalb als „paranoid“ bezeichnet. Aber ich vermisse jetzt auch den trost darin, recht gehabt zu haben. Dafür ist der schaden mal wieder viel zu groß. Es gibt nur einen einzigen wirksamen datenschutz, und der besteht in weitestgehender vermeidung der angabe von daten. Insbesondere gilt das bei der angabe von völlig unnötigen daten (geburtstag, geschlecht, telefonnummer, meldeanschrift, religjöses bekenntnis, haarfarbe, penislänge, fingerabdruck usw.), die man wegen irgendwelcher vorwände oder wegen glitsche-glatsche-schlangenölsicherheit angeben soll. Die anmeldung über einen kontonamen und ein gut gewähltes passwort ist seit über sechzig jahren ausreichend. Alles andere ist das vertrauen auf die zusagen eines unsichtbaren gegenübers, und zwar über ein technisches und anonymes medium. Dieses vertrauen kann man natürlich haben, wenn man dumm genug dazu ist. Ich habe es nicht. Und schon gar nicht bei börsennotierten S/M-unternehmen ohne seriöses geschäftsmodell.

(Dass ein händler, bei dem man etwas bestellt hat, eine lieferanschrift benötigt, ist etwas anderes. Ich empfehle, nach abschluss des geschäftes explizit die löschung der daten zu verlangen. Dass mir dieser wunsch gewährt wird, ist übrigens keine gnade, sondern ein recht — und ein halbwegs zivilisierter mensch müsste darum gar nicht erst gebeten werden. Gastronovi ist überall.)

Wer nach diesem kleinen vorfall beim fratzenbuch, der ein zehntel der weltbevölkerung (darunter rd. 6 milljonen menschen aus der BRD) betrifft, immer noch nicht glaubt, dass die angabe unnötiger daten gegenüber irgendwelchen datensammelklitschen das genaue gegenteil von security, privatsfäre und datenschutz ist, sollte einfach mal ein bisschen lesen und klicken: die unerfreuliche liste wäxt und wäxt und wäxt, alle kommen einmal dran. Das ist eine gute lektüre für langweilige stunden im löckchendäunchen.

Ich bin ja mal gespannt, wie hoch das DSGVO-bußgeld für das fratzenbuch ausfallen wird. Oder ist diese DSGVO am ende doch nur dazu da, den datenschutz für autokennzeichen durchzusetzen, nicht den für menschen? Und dazu, privaten mitgestaltern des deutschsprachigen internetzes noch mehr knüppel aus rechtsunwägbarkeiten zwischen die beine zu werfen?

via @benediktg5@twitter.com

S/M des tages

Twitter steht eine Millionenstrafe der US-Regulierungsbehörde Federal Trade Commission (FTC) ins Haus. Das kündigte das Unternehmen in einer Börsenmeldung an. Die Strafe könnte sich demnach zwischen 150 und 250 Millionen Dollar bewegen. Zwischen 2013 und 2019 hatte Twitter Telefonnummern und E-Mailadressen für gezielte Werbung genutzt, obwohl es gegenüber seinen Nutzer:innen behauptet hatte, diese Daten nur für Sicherheitszwecke und 2-Faktor-Authentifizierung angefordert zu haben. Diese Praxis gestand das Unternehmen im Oktober 2019 ein und sagte, dass die werbliche Nutzung „unbeabsichtigt“ geschehen sei

So so, „unbeabsichtigt“. In der BRD wäre das zwitscherchen damit durchgekommen und hätte eine völlig lächerliche strafe bekommen.

Allen menschen, die an irgendwelche börsennotierte klitschen ohne seriöses geschäftsmodell, aber dafür mit hang zur trojanerprogrammierung und asozjalen datensammelei ihre telefonnummer verraten, um irgendetwas „sicherer“ zu machen, wünsche ich auch weiterhin viel spaß mit ihrer dummheit. Ist doch schön, wenn jemand anruft. :mrgreen:

☎️ Warum man keiner S/M-analwanze die telefonnummer gibt ☎️

„Hej, gib uns deine telefonnummer“, sagen die S/M-analwanzen, „dann machen wir zwei-faktor-autentifizierung und alles wird viel sicherer. Komm, mach schon, du willst doch auch kein gehäcktes konto haben“, sagen die S/M-analwanzen, und die scheißjornalisten wiederholen es noch einmal völlig unrelativiert, weil sie ja nicht fürs denken bezahlt werden, wenn sie ihre PResseerklärungen abschreiben, damit diese form der reklame von anderer reklame umpflastert werden kann.

Und überhaupt, was kann da schon schiefgehen, wenn man so einer S/M-analwanze, so einer unternehmung wie das zwitscherchen, also einer unternehmung ohne seriöses geschäftsmodell (jenseits der vergällung menschlicher kommunikazjon mit scheißreklame) immer mehr daten gibt?

Twitter gibt versehentlich Telefonnummern und E-Mail-Adressen für Werbezwecke frei

Twitter hat aus Versehen Telefonnummern und E-Mail-Adressen, die Nutzer hinterlegt haben, zum Abgleich mit Werbeunternehmen freigegeben

Dann landen die daten halt „versehentlich“ mal woanders. 😧

Kommt, regt euch wieder ab, ihr S/M-lemminge! Ist doch schön, wenn man mal angerufen wird, wenns auch wieder nur so ein grenzbetrügerischer scheiß-gewinnbimmler ist… :mrgreen:

Und überhaupt, ihr konntet das ja alles gar nicht vorher wissen. Euch hat ja nie einer gewarnt. Und wenn doch mal einer gewarnt habt, dann habt ihr so laut drüber gelacht, dass ihr nichts hören konntet. Jetzt habt ihr den salat. Guten appetit! Könnt ja beim zwitscherchen drüber fiepsen, dass euch der salat nicht schmeckt! 😈