Mond

Wie schön für die contentindustrie, wenn man mitten im sommerloch so ein rundes jubiläum der ersten bemannten mondmissjon hat und sich den content einfach aus dem archiv zusammenkopieren (und mit massenhaft reklame versalzen) kann. Aber langsam nervt es.

Fünfzig jahre nach dem apollo-programm — wisst noch den propagandaspruch von Niel Armstrong, das mit dem kleinen schritt für einen menschen, aber riesenhüpfer für die menschheit — bezahlen die BRD-krankenkassen wirkungslose homöopatische zuckerkugeln mit den geistern längst entschwundender substanzen, während unentbehrliche medizinische hilfsmittel wie eine brille für menschen mit fehlsichtigkeiten unter sex dioptrien nicht bezahlt werden. Und bis zum april dieses jahres wurden nicht einmal brillen für sex dioptrien bezahlt. Wer will denn schon gucken und lesen können? Ein bisschen mit dummen beitragsgeldern zum großbetrug aufgepustete zauberei ist doch viel wichtiger. Und das ist bei weitem nicht die einzige sache, wo sich das neue mittelalter ausgebreitet hat, und noch nicht einmal die schrillste und dümmste.

Aber wenn ich jetzt eine liste anfangen wollte, verpasste ich den rest des tages. Der hokuspokus-irrsinn durchzieht inzwischen alles. 😦

So, und nun zum zwangsgebührenfinanzierten parteienstaatsfernsehen der BRD, das explizit anlässlich des fünfzigstens jubiläums der mondlandung „Johanna, die Mondfrau“ bringt [archivversjon]:

Es gehört zu Johannas schönsten Erinnerungen, wie sie in hellen Nächten mit ihrem Großvater über die Bergwiesen ihrer Tiroler Heimat wanderte. Von ihm lernte sie alles über Heilkräuter und die Wunderkraft des Mondes. Ein uraltes Wissen, das seit Generationen in ihrer Familie weitergegeben wird: nicht mündlich, sondern durch tagtägliche praktische Anwendung. Johanna stammt aus einer Bergbauernfamilie. Von klein auf erlebt sie, wie hart Eltern und Großeltern arbeiten müssen. Aber auch, dass sie sich nach dem Mondkalender richten und dadurch viel Geld sparen. Sie brauchen weder Kunstdünger noch Pflanzenschutzmittel. Keine Arbeit auf dem Feld, im Wald, im Stall und im Haus, die nicht nach den Mondphasen und dem Lauf der Sterne ausgerichtet ist. Johanna sagt, ihr Opa sei schon ein Ökobauer gewesen, als es diesen Begriff noch gar nicht gab. Der kleinen Enkelin hat der Großvater einen Schatz anvertraut, dessen Wert sie erst als erwachsene Frau erkennen kann. Mit fünfzehn verlässt Johanna Tirol und sucht sich in München eine Arbeit als Verkäuferin. Sie will eine moderne, selbstständige Frau werden. Ihr besonderes Wissen über die Kräfte der Natur behält sie jahrelang für sich. Doch dann gibt sie eines Tages ihren Freundinnen im Frauenchor kleine Tipps für die Gartenarbeit. Das Interesse ist riesengroß. Johanna beginnt, Vorträge zu halten, sucht sich einen Autor, der ihr Wissen aufschreibt – und landet mit dem ersten Buch einen Bestseller.

Willkommen im 21. jahrhundert, dem ersten jahrhundert des neuen mittelalters! Und frauen dürfen darin auch gleich eine viel größere rolle spielen als sie es in den von männern geprägten ingjenörswissenschaften tun, mit denen man immerhin im gegensatz zur guten, alten zauberei die regeln im kosmos versteht und für seine pläne nutzbar machen kann. 🔮🤦🤮

Vielleicht sollte ich einfach nicht mehr betteln, sondern für blätter blätter geldscheine zauberdienstleistungen aller art anbieten… denn je dumpfer, psychischer, abergläubischer, leichtgläubiger und unwissender die gehirne werden, desto leichter kann man den menschen, die diese gehirne durch ihr leben tragen, irgendeinen bullschitt verkaufen, von der esoterik über die medizyn bis zur scheißp’litik.

Datenschleuder des tages

Ermöglichen Sie Ihrem Team, die richtigen Kontakte zur richtigen Zeit zu erreichen, mit der perfekten Botschaft, die intelligent, schnell und reichweitenstark umgesetzt wurde

Nun, diese möglichkeit ist jetzt auch kriminellen gegeben, denn die big-däjhta-klitsche namens apollo hat die auch aus nicht-öffentlichen kwellen gesammelten daten zu über 200 milljonen menschen veröffentlicht.

Auch weiterhin viel spaß beim ganz festen glauben an den überall schnell, gern und völlig konsekwenzenlos zugesagten schutz eurer persönlichen daten. Die liste wäxt und wäxt und wäxt.

Reschersche-sommermeisterschaften bei der tagesschau

Heute mal etwas aus dem horosk… ähm… börsenbullschitt-wirtschaftsteil [archivversjon]:

Im Jahr 1969 gingen die vielleicht berühmtesten Bilder in der Geschichte der Fotografie um die Welt: Der Astronaut Neil Armstrong schoss mit einer Kodak-Kamera Bilder von der Mondoberfläche

Das stimmt natürlich nicht. Nein, ich meine nicht das mit der mondlandung, das wird wohl gestimmt haben (und wäre sehr schwierig zu fälschen gewesen), sondern das mit der von der tagesschau-redakzjon gesehenen kodak-kamera. Es handelte sich um eine kamera von hasselblad, wie man mit leichtigkeit frei verfügbaren kwellen bei der NASA entnehmen könnte, wenn man lust auf seinen jornalistenberuf und die damit verbundene reschersche hätte. Immerhin kam der film von kodak. Was der unterschied zwischen einem film und einer kamera ist, sollte sogar in einer wirtschaftsredakzjon verstanden werden können.

Aber hej, die anderen kwalitätsjornalistischen berichte der ARD-tagesschau werden sicherlich mit mehr sorgfalt und handwerkskunst erstellt und sind glaubwürdig. Solche schlampigkeiten gibts immer nur in bereichen, in denen ich mich zufällig ein bisschen auskenne… 😉

Schnäppchen des tages

Robuste plastiktasche mit reißverschluss, weiß, schwarzer aufdruck in englischer sprache. Im müll gefunden. Gebrauchsspuren: zwei risse im unteren bereich, deshalb nicht mehr dicht; innen sichtbar mit feinem schwarzem staub und gröberen gesteinskörnchen beschmutzt. Bei der versteigerung wird ein preis von bis zu vier megadollar erwartet. 😯

„Open source“ des tages

Der kwelltext für die steuerung der apollo-mondmissjonen ist veröffentlicht… und nein, nicht in einer lizenz für Freie softwäjhr, sondern in der „public domain“. Hat ja auch wahrlich genug US-steuermilljarden gekostet, ein paar leute auf den mond zu schießen! (Ich wollte, alles, was die USA mit ihrem geld machen, wäre so harmlos…)

Hui, assembler

# Finally, note that the original Apollo AGC assembler (called "YUL") is no longer 
# available (as far as I can tell).  Actually, it had already been replaced by another
# assembler (called "GAP") by the time of Apollo 11, but GAP isn't available either.
# The replacement assembler yaYUL accepts a slightly different format for the source 
# code from what YUL or GAP accepted, so the source code has been targeted for 
# assembly with yaYUL.

…aus dem informazjonstechnischen präkambrium, mutmaßlich in einer zeit geschrieben, in der LSD noch frei verfügbar und beliebt war:

$PINBALL_GAME_BUTTONS_AND_LIGHTS.agc		# pp. 307-389

Ob das die ganzen apollo-verschwörungsteorien zum verstummen bringt? 😉

Na ja, assembler ist ja generell wieder im kommen. Wenigstens macht das auf heutigen CPUs ein kleines bisschen mehr spaß als damals. (Wenn ich nur an den verdammten 6502 mit seinen drei acht-bit-registern und seinen komplett hirnverkwarzten adressierungsarten denke, die aus naheliegenden fiesheitsgründen natürlich nicht für jede operazjon zur verfügung standen!) Trotzdem ist davon auszugehen, dass gerade ganz viele leute direkt an ihrem kopfschmerz erfühlen, warum es zur entwicklung so komischer programmiersprachen wie „C“ gekommen ist… 😀

Übrigens: ein fehler ist auch schon gemeldet worden. Und es gibt auch tolle tipps zur behebung:

Have you tried turning it off and on again?

Bwahahahaha!

Spuren im staub

Ich sags ja ganz ehrlich, dass ich es sehr beeindruckend finde…

LGS-foto von der apollo-14-landestelle mit erkennbaren fußspuren der selenonauten

…wenn mir die NASA ein derartiges foto präsentiert, das vom „lunar reconnaissance orbiter“ aus der mondumlaufbahn heraus gemacht wurde. Die auflösung ist einfach nur überwältigend, und die fußspur des selenonauten (Astronaut? Für den hüpfer? Nimmer!) ist deutlich erkennbar.

Ich frage mich allerdings auch, ob ein solches foto fysikalisch möglich ist. Ich habe gerade keinen guten internetz-zugang (nur ein modem) und kann deshalb nicht so einfach die sehr fette homepäjtsch der NASA aufrufen, um mir mal die technischen daten der sonde anzuschauen, sonst hätte ich es jetzt einfach ausgerechnet.

Die sonde befindet sich ja in einer gewissen höhe über der mondoberfläche, und in alleiniger abhängigkeit von dieser höhe hat sie eine gewisse geschwindigkeit, mit der sie den mond umläuft. Die kamera benötigt für ihre aufnahmen eine gewisse belichtungszeit, und innerhalb dieser zeit bewegt sich die sonde also mit einer leicht berechenbaren geschwindigkeit um eine ebenfalls leicht berechenbare strecke auf ihrer bahn um den mond. Dabei entsteht durch die bewegung der sonde eine gewisse unschärfe des bildes, welche die erzielbare auflösung beschränkt. Für eine genaue berechnung müsste auch die eigenbewegung des mondes berücksichtigt werden, doch da sich der mond in knapp einem monat einmal um seine axe dreht, ist diese bewegung sehr langsam und damit in einer ersten näherung völlig ignorierbar. Wenn jemand die muße hat, schaue er bitte mal auf der webseit der NASA nach (die technischen daten einer missjon sind immer irgendwo veröffentlicht, aber die muss man schon ein bisschen suchen) und rechne das durch, denn ich werde in den kommenden zwei bis drei wochen nicht dazu kommen. Nicht, das ich ein anhänger der vielen teorien zu einer apollo-verschwörung bin, aber ich bin von dieser bildauflösung so beeindruckt, dass sich in mir echte zweifel regen, ob sie überhaupt möglich ist.

Und außerdem: es wäre doch zu herrlich, wenn man der NASA eine fälschung durch einfache fysik-kenntnisse und einen taschenrechner nachweisen könnte. Wann kann man schon einmal mit so wenig aufwand eine leistung erbringen, die gewiss weltweit wellen schlagen wird? 😉

(Und nein, ich bin wirklich kein anhänger der teorien einer apollo-verschwörung. Eine solche hätte die damalige sowjetunion mit großem genuss und angemessener häme auffliegen lassen. Ich bin nur manchmal etwas „übertrieben“ kritisch, wenn mir etwas „spanisch“ vorkommt, mehr nicht. Und mit genau dieser haltung habe ich es in meinen fähigkeiten zur einsicht weit gebracht…)

Zum abschluss dieser kleinen betrachtung noch mein linktipp gegen die allgemeine apollo-hysterie: „Entmannte Raumfahrt?“ bei Kritisch gedacht