Neues aus der wissenschaft

Wenn man mit teuer raumfahrt ein bisschen aus dem sonnensystem rausfliegt, kann man es messen: das universum ist doppelt so hell, wie es nach modellrechnungen auf grundlage gegenwärtiger teorien erwartet wurde. Nicht, dass diese „dunkle materje“ — ein besseres wort wäre übrigens „unsichtbare materje“, denn lediglich dunkle dinge würden noch licht abschirmen, dabei energie aus dem licht aufnehmen, sich dadurch aufheizen und schließlich messbar im infraroten leuchten, was bislang nicht beobachtet wurde — am ende gar nicht so dunkel ist.

Dass die jetzt zur erklärung schnell herausgeholten axionen rein hypotetische teilchen sind, die aus symmetriegründen von einigen leuten postuliert wurden, die ihre eleganzvorstellungen mit gruppenteorie-antrieb mit einer so genannten „natürlichkeit“ verwexeln, hat zum glück sogar heise mal angedeutet. Dafür einen sorgfaltspunkt von mir. 😉

(Nein, nicht alles, was matematisch möglich ist, ist in der fysikalischen wirklichkeit existent. Und fysik sollte sich nun einmal mit dem beschäftigen, was man messen kann, denn das ist ihr gegenstand. Natürlich entstehen dabei hypotesen. Und natürlich werden diese hypotesen interessant, wenn es zu messungen kommt, die sie bestätigen. Aber der ganze zoo an teilchen, den die teoretische teilchenfysik postuliert, hat eine derartige beliebigkeit, dass man recht viele — vor allem unscharfe — messergebnisse mit diesen teilchen bestätigen kann. Und eine teorie, die alles erklärt, erklärt nix.)

Jetzt aber zu!

Ein internationales Astronomen-Team hat einen etwa 1,5 Kilometer großen Asteroiden entdeckt, der im ungünstigsten Fall in ferner Zukunft mit der Erde kollidieren und sie verwüsten könnte

[Archivversjon]

Wie, „ferne zukunft“? Wie fern ist denn die zukunft?

„2022 AP7 kreuzt die Erdumlaufbahn, was ihn zu einem potenziell gefährlichen Asteroiden macht“, sagte Studien-Hauptautor Scott Sheppard von der Carnegie Institution for Science der Nachrichtenagentur AFP. Die Gefahr sei allerdings gering, weil der Asteroid normalerweise sehr weit von der Erde entfernt ihre Bahn kreuze […] Das Risiko einer Kollision mit der Erde sei rein hypothetisch, doch hätte eine solche „verheerende Auswirkungen auf das Leben, wie wir es kennen“, erklärte Sheppard

Aha, es ist sehr ferne zukunft.

Aber eine halbe weltuntergangsschlagzeile produzieren!

Ich will mich aber gar nicht so sehr über die klickbäjht bei der tagesschau ärgern, andere drexpublikazjonen können das viel besser:

Science
Planetenkiller entdeckt, der sich im Licht der Sonne versteckt hat

Der killer hat sich versteckt, und jetzt kommt er aus dem warmen licht der sonne, um zu killen. Ist ja auch ein killer. Einer, der planeten killt. Meine fresse, ihr da bei futurezone müsst die klicks aber nötig haben! Hoffentlich kommt da bald der insolvenzverwalter! Um abzuwickeln.

Übrigens sind lt. wicked pedia zurzeit 57 objekte bekannt, die bei ihrer größten erdnähe näher als der mond sind, statt einfach nur langweilig in weitem abstand zur erde die erdbahn zu kreuzen. Und da sind nicht nur „kleine steinchen“ wie apophis dabei, die nach einem einschlag „nur“ in einem großen umkreis von einigen hundert kilometern alles in eine glühende mondlandschaft verwandeln, sondern auch der zehnmal so massereiche ryugu, der eher ein lockeres miteinander einiger kleinerer brocken ist und damit beim einschlagen nach einem vorherigen zerreißen aufgrund der reibung in der atmosfäre einen weltweiten hagel der zerstörung verursachen könnte. Aber ein killer, der sich im licht versteckt hat und jetzt kommt, um zu killen, klingt ja viel gruseliger.

Ähm… archäoastronomie des tages

Einem Astrophysikteam der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist es nun gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen anderer Fächer aus den USA und Italien erstmals gelungen, einen solchen Farbwechsel zeitlich sehr genau einzuordnen. Sie ermittelten mithilfe mehrerer historischer Quellen, dass Betelgeuse – der helle rote Riesenstern „links oben“ im Sternbild Orion – vor rund 2000 Jahren noch gelb-orange war. Der chinesische Hofastronom Sima Qian schreibt etwa um 100 v. Chr. über Sternfarben: Weiß ist wie Sirius, Rot wie Antares, Gelb wie Betelgeuse, Blau wie Bellatrix

Das klingt nach einer menge kwellenarbeit und filologie, also gar nicht nach normaler astronomie. Und mit dieser indirekt aus aufzeichnungen und berichten erschlossenen beobachtung lassen sich sogar ein paar konkrete aussagen machen:

Gerade aus der Tatsache, dass der Stern sich in den letzten zwei Jahrtausenden farblich von gelb-orange zu rot geändert hat, kann man zusammen mit theoretischen Rechnungen schließen, dass er etwa 14-mal mehr Masse als unsere Sonne hat […] Er ist dementsprechend 14 Millionen Jahre alt und befindet sich in der Endphase seiner Entwicklung. In etwa 1,5 Millionen Jahren wird er schließlich als Supernova explodieren

Die während unserer lebenszeit leider nicht verifizierbare vorhersage, wann es endlich das große supernova-feuerwerk mit beteigeuze gibt, ist natürlich mit den üblichen plus/minus rd. zehn prozent zu verstehen, die es in der astronomie immer irgendwie gibt. In diesem fall vielleicht noch mit einer zusatzunsicherheit wegen der verwendung antiker kwellen, über deren wirkliches alter und deren wirkliche urheberschaft oft nicht die wünschenswerte klarheit besteht. Aber der im ersten moment etwas schräg wirkende ansatz ist interessant genug und lässt sich vielleicht sogar auf andere objekte ausdehnen, für die es eine vielzahl alter beobachtungsberichte aus verschiedenen regjonen der welt gibt. Allerdings wird dabei wohl nicht noch einmal so etwas klares und auffälliges wie ein farbwexel eines hellen fixsterns ermittelt werden.

Contentindustrie des tages

Der contentindustrielle scheißjornalist so: oh, wir haben gerade einen kometen im sonnensystem, der sich möglicherweise in den kommenden tagen von der erde aus mit bloßem auge beobachten lässt. Damit reiße ich doch keinen vom hocker. Damit kann ich doch keine klicki-klickis ernten und keine werbeplätze vermarkten, und das ist schließlich der einzige grund, weshalb ich hier arbeite. Ich brauche ganz schnell eine knackige übelschrift. Eine, die gefühle auslöst. Nehme ich doch einfach die hier:

Komet rast auf Sonne zu:
Wie sich das Spektakel am Himmel am besten beobachten lässt

[Archivversjon]

Und nein, das ist nicht die bildzeitung…

Schon wieder daneben!

Entwarnung: Bisher stand Asteroid 2021 QM1 ganz oben auf der kosmischen Gefahrenliste – er könnte am 2. April 2052 die Erde treffen. Doch jetzt geben Astronomen Entwarnung: Neue Beobachtungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäische Südsternwarten haben gezeigt, dass der 50 bis 80 Meter große Brocken die Erde verfehlen wird. Der erst im Sommer 2021 entdeckte Asteroid ist damit keine Gefahr mehr – zumindest für die nächsten rund 100 Jahre

Auch das noch!

Jetzt wird unser schöner müllkippenplanet auch noch von der sonne beschossen [archivversjon]:

Astronomie :
Sonneneruption: Rasant wachsender Sonnenfleck bedroht die Erde

Unser Planet befindet sich gerade direkt im Schussfeld eines riesigen Sonnenflecks. Eine drohende Eruption hätte direkte Konsequenzen auf der Erde.

Möge die sonne gut zielen! 🎯️

Wissenschaft des tages

Die milchstraße hat ein loch. Das wusste man zwar schon etwas länger, weil das loch mit seiner masse von rd. 4,2 milljonen sonnenmassen jedes radioteleskopisch abbildbare sternchen in der umgebung auf ganz seltsame bahnen gebracht hat, aber jetzt ist es endlich gelungen, ein bild des loches zu erzeugen

Nein, das ist kein „foto“, wie onkel jornalist es in seiner knipsedenke ständig nennt. Weder kann man von der erde aus ins zentrum der milchstraße schauen, weil da so viel staub und gedöns im wege ist, noch wurde hier licht verwendet, weil das durch staub und gedöns nicht durchkommt. Und nein, es ist auch kein bild des loches, weil man das loch nicht sehen kann. Da kommt kein fotönchen raus. Für dieses bild der umgebung des loches — das loch selbst ist schwarz und hat sich aus unserem kosmos längst verabschiedet, wenn man mal von einer winzigen und nicht messbaren menge abgegebener hawking-strahlung absieht — mussten sehr präzise radioteleskopische messungen über den ganzen globus verteilt werden, diese messungen immer mit einem exaktem zeitstempel markiert werden und mit einem zahlenfressenden kompjuterpark ausgewertet werden. Jede dieser messungen erfasst ein selbstinterferenzgeschehen von radiowellen, während sich das radioteleskop (zum beispiel mit der erde) bewegt, und wenn man diese messungen „übereinanderlegt“, entsteht ein abbild des relativ kleinen objektes. Das wird auch ein guter kopfschmerz beim programmieren sein, und die datenmengen, die man für ein derartig scharfes abbild¹ eines so kleinen, weit entfernten objektes braucht — der ereignishorizont des loches ist kleiner als unsere sonne — müssen die astronomen eine unfassbar große menge daten ausgewertet haben. Da stellt sich sogar die frage, wie man diese datenmenge überhaupt transportiert… das wort „datenpaket“ könnte dabei eine völlig neue bedeutung bekommen haben. 😉️

¹Ich weiß, dass das nicht so aussieht, aber es ist wirklich ein relativ scharfes bild. Das loch und seine abgebildete akkrezjonsscheibe sind klein und rd. 26,5 kilolichtjahre von uns entfernt. Oder, obwohl das die entfernung eher noch unverständlicher macht, rd. 250 billjarden kilometer.

Schade! Fällt wieder aus: der weltuntergang!

„Riesiger Asteroid rast auf Erdumlaufbahn zu“
(Schlechte Schlagzeilen Folge 33)

[…] Korrekt wäre die Überschrift: „Typischer Asteroid fliegt mit typischer Geschwindigkeit durchs Weltall“. Aber damit kriegt man natürlich keine Clicks und kann keine Diskussionen in den sozialen Medien auslösen

Auch weiterhin viel spaß mit den jornalistischen machwerken, die nicht von der informazjon ihrer leser leben, sondern von vermarkteten werbeplätzen. Müsst ihr ganz froh drüber sein. Dürft ihr nie lügenpresse nennen. Dürft ihre macher niemals stinkende scheißjornalisten nennen. Das ist pfui und nazi. Die sind so etwas wie die vierte staatsgewalt. Für die demokratie fast so wichtig wie ein kleiner fruchtzwerg…

Stirb, jornalist, stirb! Verrecke, verleger, verrecke!

Es ist da!

Das james-webb-infrarotteleskop ist an seinem bestimmungsort angekommen. Wenn es demnächst runtergekühlt ist, kann das wissenschaftliche programm beginnen. (So ein abkühlen im vakuum kann erstaunlich lange dauern, weil die abkühlung nur über wärmestrahlung möglich ist.)

Gut, dass ich nicht wette. Ich hätte schon wieder geld verloren.

Wissenschaft des tages

Obwohl die messung sehr schwierig ist und immer mit einer gewissen unsicherheit behaftet bleibt, sind inzwischen schon zwei gute kandidaten für mögliche monde von planeten außerhalb unseres sonnensystemes bekannt. Das deutet darauf hin, dass es sich bei monden um planeten in sonnensystemen um eine eher häufige erscheinung handelt. Denn derart große monde von zweieinhalbfacher größe der erde dürften eher nicht so häufig sein. Sie sind aber am einfachsten mit einem (in einer erdumlaufbahn stazjonierten) teleskop zu entdecken…

Wer die englische sprache versteht und eine halbe stunde zeit hat: prof. David Kipping hat es sich nicht nehmen lassen, diese entdeckung gleich zur veröffentlichung seines päjpers in der nature selbst auf juhtjuhbb zu erläutern. Das ist meiner meinung nach auch für laien sehr gut verständlich (auch das englisch ist nicht besonders schwierig), gibt einen guten einblick in die damit verbundene arbeit, und dass er sich für meinen geschmack ein bisschen zu aufdringlich dafür feiert, vergebe ich ihm nach dem ende einer langen, erfolgreichen arbeit gern. Er hat übrigens auch einen sehr interessanten astronomischen juhtjuhbb-kanal, der sich an gebildete laien richtet und grob in monatlicher frekwenz mit videos befüllt wird.

Beteigeuze hat uns dieses schauspiel bis jetzt erspart…

…aber irgendwann in „naher“ zeit (astronomische skala) kommt das auch: dass der rote überriese eindrucksvoll explodiert. Immerhin ist jetzt klar, dass er dann vorher nicht dunkler wird, sondern hell und aktiv. Und man kann froh sein, wenn man weit genug weg ist.

Übrigens: keine sorge. Beteigeuze ist mit irgendwas zwischen 500 und 700 lichtjahren weit genug weg von der erde. (Man kann die entfernung nicht so genau messen wie bei vielen anderen sternen in der umgebung, weil beteigeuze so groß ist, dass der stern in teleskopen auf der erde nicht als punkt, sondern als langsam pulsierende scheibe erscheint — und der durchmesser dieser scheibe ist größer als die parallaxe, die durch die umlaufbahn der erde um die sonne entsteht und mit der astronomen die entfernung berechnen.) Die rotazjonsaxe zeigt auch nicht in richtung erde, so dass wir hier nicht den konzentrierten gammablitz verbritzelt kriegen. Das wird ein feuerwerk. Ich befürchte nur, die menschheit wird sich vorher mit ihrer dummheit selbst ausrotten. Schöne „spielzeuge“ für die selbstausrottung haben menschen ja schon fertig gebaut.

Einsame wanderer in ganz langer nacht

Die milchstraße scheint voller planeten zu sein, die nicht um eine sonne kreisen, sondern allein durch das kalte schwarz ziehen, vermutlich, nachdem sie während oder kurz nach der bildung eines planetensystemes um eine sonne aus diesem planetensystem gravitativ herausgeschleudert wurden, bis nur noch ein recht stabiles restsystem um die sonne übrig blieb. Natürlich sind alle zahlen nur schätzungen, weil solche objekte schwierig zu identifizieren und schwierig zu finden sind, aber es könnten milljarden sein.

Und nein, darauf lebt garantiert nix.

Pack die badehose ein!

Es scheint auch außerhalb der polregjonen auf dem mars wasser in oberflächennähe zu geben, allerdings nur in kleinen abschnitten in einem viele kilometer tiefen tal. Und im moment nur indirekt aus der umlaufbahn gemessen.

Was machen eigentlich die ganzen kommerzjellen bullschittprojekte, möglichst schnell leute zum mars zu schießen. Ich hätte da so ein paar kandidaten…