Sommerloch des tages

See unter dem Südpol
Flüssiges Wasser auf dem Mars entdeckt

Im päjhper der forschergruppe ist zwar nur von „anzeichen für flüssiges wasser“ die rede, aber eine derart zurückhaltende ausdrucksweise macht sich ein jornalist doch nicht zu eigen. Auch dann nicht, wenn er ansonsten von „fäjhkwissenschaft“ spricht, weil päjhpers in nicht ganz stubenreinen zeitschriften veröffentlicht werden. Denn um sich so zurückhaltend ausdrücken zu können, müsste der jornalist ja lesen, was die wissenschaftler schreiben, und das kostet doch viel zu viel zeit im harten kampf an der contentfront.

Und was fehlt jetzt noch für eine richtige tatütata-sommerlochmeldung? Dass zum mindestens fünften mal anzeichen für flüssiges wasser auf dem mars entdeckt wurden, interessiert doch keinen. Dass auf äußerst indirektem wege unter kilometerdickem eis unter fachwissenschaftlern umstrittene anzeichen für wasser gefunden wurden, welches mutmaßlich durch gelöste salze und enormen druck bei minus siebzig grad celsius flüssig gehalten wird, ist auch eher so eine meldung für generell sehr wissenschaftsinteressierte menschen. Kleine grüne männchen oder doch wenigstens ihre vorstufen werden benötigt… oh…

Die Suche nach flüssigem Wasser ist wichtig, weil das eine wichtige Voraussetzung für Leben ist. Wissenschaftler suchen noch immer Hinweise darauf, ob es früher oder vielleicht sogar noch heute Lebewesen auf dem Mars gibt

Bingo!

Der übliche jornalismus aus der sommerloch-hölle eben, die hundstage der hirnlosen.

Ach so, für genießer: die spektrum der wissenschaft hat natürlich auch einen artikel, und zwar mit deutlich weniger irreführendem titel. Und auch der text bei den seriösen wissenschaftsjornalisten…

Ob es ein richtiger See ist, eine Art Schlamm oder wassergesättigtes Sediment, können die Wissenschaftler allerdings noch nicht sagen

…klingt gleich viel erträglicher. Aber damit zieht man ja auch nicht ein nessie-äjhlien aus dem sommerloch. 😉

Jornalismus des tages

Habt ihr sicherlich auch mitbekommen: dieses NASA-marsauto hat auf der marsoberfläche erstmals komplexere kohlenstoffverbindungen (so genannte organische verbindungen) gefunden, und die NASA hat da auch gleich eine presseerklärung rausgerotzt, eine stunde juhtjuhbb befüllt und ständig und immer wieder davon gelabert, dass es sich um ein indiz handele, dass es einmal leben auf dem mars gegeben haben könnte. Und die scheißjornalisten im sommerloch haben diese vorlage dankbar abgeschrieben, ohne auch nur die spur eigener reschersche oder gar eigener gedanken anzufügen.

Ich wills mal so sagen: auch auf dem mars fallen immer wieder einmal steine vom himmel. Darunter zum beispiel auch kohlige chondriten. Die sind zwar recht selten, aber enthalten dafür ein bisschen komplexere kohlenstoff-wasserstoff-verbindungen (und sogar ein bisschen zeugs, das älter als unser sonnensystem zu sein scheint). Und über einen zeitraum von rd. vier milljarden jahren läppert sich das ganz ordentlich. Das gesamte heutige wasser der erde scheint zum beispiel auf meteoriten zurückzugehen, weil die erde in ihrer „heißen fase“ das ursprüngliche wasser verloren haben wird, und die erdoberfläche ist ja doch ganz ordentlich mit dem nassen zeugs bedeckt.

Darüber hinaus enthalten kometenkerne eine menge kohlenstoff-wasserstoff-verbindungen aller art, und zwar so viel, dass die sie so schwarz sind, dass sie kaum licht reflektieren. Und auch davon müssen im laufe der jahrmilljarden mal ein paar auf dem mars geprasselt sein.

Was passiert, wenn kohlenstoff in sauerstoffarmer atmosfäre (also so wie auf dem mars oder auf der frühen erde) verfügbar ist, etwas wasser da ist (also so, wie es auf dem frühen mars reichlich spuren hinterlassen hat) und ein bisschen beinahe beliebige energie dazukommt, kann man zum beispiel am Miller-Urey-experiment sehen: da schwimmen recht schnell ein paar aminosäuren auf den pfützen.

Ganz ohne, dass irgendwelche marsbakterien beteiligt waren. Und nicht durch irgendeinen uns unbekannten vorgang. Die von der NASA nahegelegte deutung ist also mehr als nur ein bisschen bullschittig; und bei den ideen, dass von diesen möglichen marsmikroben aus einer feuchteren vergangenheit sogar noch welche leben könnten, geht es (so sehr ich mir so einen fund wünschen würde) in die haltlose spekulazjon. Ein mensch mit ganz gewöhnlicher allgemeinbildung (biologie und chemie auf abiturniewoh) — also jemand anders als ein jornalist — hätte das nicht nur bemerken können, sondern bemerken müssen.

Ein lob von mir geht allerdings an golem. Dort erfuhren die spektakulären PResseerklärungstexte der NASA eine angemessene und nötige relativierung:

Absichtlich irreführende Formulierungen wie „altes organisches Material“ lassen sich nur noch mit Spitzfindigkeiten begründen. Ja, Kohlenwassestoffe [sic!] werden als organische Moleküle bezeichnet und auf der Erde ist das meistens auch organisches Material. Aber die Formulierung deutet im Fall des Mars auf Leben hin, wo keines ist. Mit der gleiche Begründung könnten auch Asteroiden, die seit über 4 Milliarden Jahren im Sonnensystem kreisen, als organisches Material bezeichnet werden […] Tendenziell lassen die Ergebnisse in den beiden Papieren aktives oder früheres Leben auf dem Mars eher noch unwahrscheinlicher erscheinen als zuvor

Geht doch! 😉

Ach ja, ist ja auch golem, also ein jornalistisches produkt eher so aus der zweiten reihe ohne den ganz großen presseapparat dahinter. Schon übel, wenn dort sauberer und aufklärerischer gearbeitet wird als von den springers, burdas, bertelsmännern, spiegeln, gruner-und-jahrs, madsäcken und sonstigen contentindustriellen jornalistiksimulazjonen auf der suche nach wirksamer clickbait.

Und nein, die arbeiten bei anderen temen auch nicht sorgfältiger. Immer, wenn ich mich irgendwo auch nur ein bisschen auskenne — ich bin wahrlich kein experte für chemie, astronomie oder gar exobiologie, sondern habe nur kenntnisse auf elementarem niewoh, die ich für grundbildung halte — stelle ich fest, wie schäbig, schlampig, rescherschefrei, kenntnislos und unreflektiert die scheißpresse arbeitet. Die annahme, dass das besser wäre, wenn ich mich einmal irgendwo einmal nicht auskenne, wäre eine sehr dumme annahme.

Tatsächlich ist es bei temen mit etwas unklarer oder schwer zugänglicher faktenlage — also politik, wirtschaft, medizin und wissenschaft — vermutlich sehr oft eine ganz gute annahme, dass die wirklichkeit genau andersrum als in der scheißpresse beschrieben ist, denn so ist es immer, wenn ich es selbst bemerken kann. Aber bitte nicht von einer lügenpresse sprechen, denn das ist pfui und nazi… :mrgreen:

Bullschitt des tages

Ordentlich verschlüsselte Kommunikation könne man nicht von zufälligen Signalen unterscheiden, erklärte Snowden. Vielleicht haben wir also schon viele Kontaktversuche von außerirdischen Zivilationen erhalten, aber bislang für kosmische Mikrowellenhintergrundstrahlung gehalten – und so jede Menge kosmische Anrufe verpasst

So viel ist sicher: wenn technisch fortgeschrittene außerirdische in den näxsten paar zehn- bis hunderttausend jahren diesen ausfluss unverschlüsselter menschlicher kommunikazjon lesen, dann werden sie von der hand im gesicht eine beule bekommen… 😀

Warum zum beispiel schreibe ich dieses blog nicht verschlüsselt? Xöaagr rf qnena yvrtra, qnff vpu rf fpuervor, qnzvg rf iba naqrera tryrfra jreqra xnaa haq qnff vpu qvr „erpugr thgfpuervohat“ fpuba nyf mhzhghat traht rzcsvaqr? Warum also sollten außerirdische zivilisazjonen verschlüsselte kommunikazjon zur kontaktaufnahme verwenden, und zwar bei empfängern, über deren technik und kultur sie nichts wissen, so dass sie erstmal mit der möglichst leicht verständlichen übermittlung einiger naturgesetze (ergänzt von einer darlegung von ideen aus matematik und logik) eine kommunikative grundlage (zeichenvorrat, code, etc.) schaffen müssten. Dabei ist die anwendung von kryptografie so kontraproduktiv, als belegte ich einen japanischkurs, um mich besser mit menschen in dänemark unterhalten zu können…

Aber wer weiß: vielleicht haben wir ja das große schweigen im weltraum, weil eine mächtige galaxis-STASI nach dem vorbild der NSA alles mitschneidet und gegen die planeten verwendet, die dann mit todesstrahlen entmaterialisiert werden. Und ausgerechnet die erde sendet rundfunk aus, dessen inhalte so etwas wie eine laut alarmschrillende warnboje für jede empfindsame und intelligente wesenheit sind… 😯

Die tolle nachricht des tages

Die NASA ist nur noch ein läppisches jahrzehnt davon entfernt, außerirdisches leben zu entdecken. Also immer noch ganz genau so, wie ich es schon seit fünfzig jahren gewohnt bin.

Ich wünsche der NASA viel erfolg beim p’litischen geldeinsammeln — und bitte, verschont mich mit ungerichteten presseerklärungen voller allzu vertrautem blahblah, die da drüben übern atlantik eh kein senator jemals zu lesen bekommt.

Und hej, golem, das mit der clickbait geht anders. Versuchts doch mal mit einer anderen überschrift. Zum beispiel: „Aliens ganz nah! Du wirst nicht glauben, was diese forscherin über außerirdisches leben sagt“! Damit sich die überschrift endlich mal an den inhalt anpasst… :mrgreen:

Außerirdisches leben des tages

Tief unter dem zerklüfteten eis auf dem saturnmond enceladus könnte es leben geben

Ich versprechs euch: wenns da auch erdöl gibt, gibts irgendwann in mittelfristiger zukunft förderroboter. Sonst interessierts keinen. (Obwohl ich ja sehr interessiert daran wäre, wie leben chemisch funkzjoniert, das sich völlig unabhängig von der erde entwickelt hat — wenn wir überhaupt dazu imstande sind, solche lebensformen als lebendig zu erkennen. Aber so ein ausschließlich wissenschaftliches interesse bewegt nun einmal kein geld, wenn man daraus weder waffen bauen kann noch etwas daraus produzieren kann, was sich teuer verkaufen lässt.)

Kwantitätsjornalismus des tages

Die golem-redakzjon so: was nehmen wir denn mal als überschrift? Wie wärs mit „forscherin vertritt nach betrachtung von fotos die auffassung, dass diese sedimentgesteine auf dem mars nur durch biologische aktivität entstanden sein können“.

Nee, geht nicht, das gibt zu wenig klicks und damit zu wenig reklamegroschen.

Nehmen wir doch das hier stattdessen:

Curiosity hat vielleicht Spuren von Leben entdeckt

Nur das „vielleicht“ stört noch ein bisschen in der clickbait.

Wieder einmal außerirdisches leben entdeckt

Wer ein paar elektronenmikroskopische bilder von (mutmaßlichen) fossilen einzelligen lebensformen sehen möchte, die sich in einem meteoriten aus marsgestein gefunden haben: hier gehts lang.

Ich frage mich bei solchen meldungen der NASA ja spontan, ob denen eine geldkürzung bevorsteht und ob sie deshalb mal mit was spektakulärerem als fotos von steinen auf dem mars an die öffentlichkeit treten müssen. 😀