„Cloud“ des tages

Was hat uns allen, denen seit gefühlten zweieinhalb jahrzehnten das papierlose büro versprochen wird, denn noch so richtig gefehlt? Richtig: ein „cloud“-fähiger drucker. Natürlich gibts diese „cloudlösung“ zusammen mit einer Äpp (warum nicht „applösung“), die mit irgendeiner „sicherheitslösung“ kompatibel sein soll, genauer wollte sich der herr sprechepresser beim sprechepressen wohl nicht ausdrücken (oder ausdrucken)… :mrgreen:

Übrigens: die hier mit viel bullschitt-blubberbläschen an ein flachpublikum aus kaufleuten und anderen hirnkastraten verkaufte innovazjon, über ein netzwerk zu drucken, ist mir seit den neunziger jahren geläufiger bestandteil meines alltags. Und es gab und es gibt einen verdammt guten grund, das LAN so weit wie möglich vom WAN zu trennen. Im falle eines netzwerkdruckers sieht der gute grund so aus:

Fuck your ink!

Und dass man auch ansonsten kein interesse daran haben wird, irgendetwas im lokalen netzwerk ohne not im gesamten internetz zur verfügung zu stellen, sollte jedem einleuchten. Aber jetzt ist ja „cloud“, da ists mit der leuchte nicht mehr so weit her.

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CeBIT stablisiert sich…

…so lautet die überschrift über die presseerklärung der deutschen messe AG, die natülich wie jedes jahr nur gutes aus diesem jahr zu berichten weiß. Total gut finden sie es, ja, ein zeichen für waxtum und anhaltende goldgräberstimmung, dass im jahre 2012 so viele aussteller wie ende der neunziger jahre und so viele besucher wie ende der achtziger jahre kamen — angesichts der flut der diesjährig verteilten freikarten¹ ein deutliches zeichen.

Und die ganze jornaille schreibt es ab. Unreflektiert. Unhinterfragt. Presse eben, das produkt zum transport von reklame und zur sicheren vernichtung des geistes.

¹Ich bin obdachlos. Ich bin penner. Ich lehne es ab, für geld zu arbeiten. Mir wurde in diesem jahr in hannover fünf mal eine freikarte angeboten.

Tolle neuigkeiten auf der CEBIT

Ich brauche gar nicht so lange nachzudenken, ob ich irgend etwas verpasse, wenn ich nicht zur CEBIT gehe. Es reicht, einmal kurz zu überfliegen, was da an großartigen innovazjonen angepriesen wird.

Das Fraunhofer-institut hat eine berührungsfreie kompjuter-steuerung. Der anwender zeigt einfach mit dem finger irgendwo hin, eine kamera nimmt das auf und eine softwäjr versteht das. Ein toller ersatz für die maus. Nur noch hinzeigen, wie ein kleines kind, dass der sprache nicht mächtig ist. Vielleicht begleitet von unartikulierten lauten wie „da da“. Ich befürchte, der markt dafür wäxt zurzeit — und das liegt nicht daran, dass es mehr schwerbehinderte geben würde.

Das eintippen einer SMS über eine händi-tastatur ist ja wirklich kein vergnügen. Ich hätte in meiner arglosen jugend ja nie gedacht, dass die „ergonomie“ der folien-tastatur des ZX-81 noch einmal unterboten werden würde, aber die „moderne“ technik hat das hinbekommen. Trotzdem simsen die leute, als wäre die SMS das ei des kolumbus, obwohl diese form der datenübertragung selbst bei so genannten „billigen“ tarifen noch teurer ist als die kommunikazjon mit einem objekt im weltraum. Und um diesen idjoten das simsen noch ein bisschen einfacher zu machen, haben sich ein paar andere idjoten bei einer süddeutschen firma namens „dictocom“ die „SSMS“ ausgedacht. Man spricht seine SMS einfach bei denen ein, und die verschicken den text dann als SMS. Großartige idee, mit der man wohl hofft, schnell noch ein bisschen risikokapital abzugreifen — denn mit der zunehmenden selbstverständlichkeit des mobilen internet wird die SMS in relativ kurzer zeit völlig bedeutungslos werden, weil die menschen bessere und billigere technik für ihren austauschbedarf verwenden werden — und diese technik muss ja gar nicht erst entwickelt werden, denn mäjhl und diverse IM-dienste sind schon vorhanden. Ob allerdings in diesem zeitalter der orwellness jemand so blöd sein wird, seine mäjhl über den tollen dienst der firma „dictocom“ zu tippen? Es ist leider nicht auszuschließen.

Microsloth und samsung stellen ihr nohtbuck für kinder vor. Ist natürlich nix wirklich neues, sondern ein ganz normales netbook, und weil microsloth dabei ist, ist da natürlich auch windohs sieben drauf, damit sich schon die kinder an bills bunte bilder gewöhnen. Ganz wichtig: die möglichkeit für die eltern, das sörfen im internetz einzuschränken, eine ideale vorbereitung auf die später erfahrenen einschränkungen durch „vater staat“.

Und wo es so wenig neues zu vermelden gibt, muss doch wenigstens das geschäft mit den verkauf von schlangenöl laufen. ESET hat dermaßen viel sorge um die sicherheit der so genannten „smart phones“, auf denen ihre besitzer allerlei „apps“ instalieren, dass ESET eine sicherheitssoftwäjr für die gar nicht so smarten kwasselfunken verkloppen will. Nähere angaben zur funkzjon dieser sicherheitssoftwäjr sucht man vergebens, und ich gehe davon aus, dass es sich bestenfalls um ein signatur-basiertes verfahren wie in einem virenskänner handelt, dessen signatur-dateien immer zwei bis vier tage hinter den aktuellen angriffen zurückliegen. Aber immerhin: mitmensch ahnungslose dumpfbacke kann sich einreden, etwas für die sicherheit getan zu haben (nämlich ordentlich für ein produkt bezahlt zu haben), und danach kann er weiterhin alles auf seinem kreischkästchen installieren, was sich irgendwo im internetz findet und auf alles rumklicken, was sich nur anklicken lässt. Hokus pokus fidibus.

Und das waren die jornalistisch gemeldeten „highlights“ dieser hannöverschen ansammlung von bullshit und beflissenen verkäufern. Der rest droht, noch öder zu sein. Wer auf die CEBIT geht, hat zu viel lebenszeit und zu viel geld.