Curiosity mal wieder

Das nenne ich mal eine seltsame struktur auf der marsoberfläche! [Der link geht zu juhtjuhbb, für allergiker ist das video alternativ und ohne guhgell-träcking auch auf invidious guckbar]

Ich gehe allerdings davon aus, dass sich vieles von der seltsamkeit auflösen wird, wenn man wirklich mal näher ranführe und nicht alles von dieser pixelmatschigkeit überlagert wird. Oder dass sich das objekt als der überrest einer früheren sonde herausstellt, was natürlich auch möglich ist. Aber wo welche sonden runtergekommen sind, ist bekannt, und da scheint keine rumzuliegen. Außer natürlich, es hat sich um geheime missjonen zum mars gehandelt. Aber wer sollte die aus welchem grund gemacht haben? Ach, ist geheim? Na gut, dann kann man das ja nicht wissen…

Spaß beiseite: ich würde das auch gern mal auf einem besseren bild und/oder aus größerer nähe sehen, am besten noch mit einer zweiten perspektive, damit man die räumliche ausdehnung beurteilen oder gar an anaglyf draus machen kann.

Schräges foto des tages

This image was taken by Mast Camera (Mastcam) onboard NASA's Mars rover Curiosity on Sol 3466 (2022-05-07 07:58:16 UTC).

Dieses foto zeigt nicht etwa so etwas wie einen kellereingang auf der erde, sondern eine felswand mit… ähm… „interessant aussehender öffnung“ auf dem mars. Es wurde am 7. mai 2022 um 7:58:16 UTC vom marsrover „curiosity“ mit der mast camera aufgenommen.

Ich habe dieses rohdatenbild nicht weiter bearbeitet, also weder verkleinert, noch vergrößert, noch an den kontrasten rumgedreht, sondern es nur auf den interessanten teil zugeschnitten. Das original kann sich zum vergleich jeder bei der NASA anschauen oder dort runterladen.

Das ist für mich das bis jetzt mysteriöseste foto von einer struktur auf der marsoberfläche. Ich habe nicht die geringste vorstellung, wie eine solche struktur mit so verblüffend geraden kanten entstanden sein könnte. Ich bin allerdings auch kein geologe… und erst recht kein areologe.

Nein, es ist vermutlich keine durch licht und schatten verursachte illusjon. Die struktur ist auf zwei „kleinen“ bildern dieser serie ziemlich deutlich sichtbar, das andere ist das hier. Bei den beiden panoramaartigen bildern (dieses und dieses) sticht sie regelrecht ins auge. Da ist zwar auch ein riss im fels, der auf prozesse hindeutet, die auch materjal aus einer felswand rausbrechen lassen könnten, aber ich habe noch nie auf einem marsfoto etwas gesehen, das dermaßen künstlich aussieht.

Vermutlich würde sich mein eindruck schnell geben, wenn ich ein hochauflösenderes foto hätte. 😉️

Habe ich aber nicht.

Zum Spaß habe ich mich mal fünf Minuten mit Gimp drangesetzt und das Bild noch ein bisschen „besser“ gemacht, indem ich es leicht eingefärbt habe, damit es „augenfreundlicher“ ist; indem ich versucht habe, die pixel vorsichtig in unschärfe zu verwandeln, ohne gleich matsch aus dem bild zu machen¹ und indem ich den kontrast sehr vorsichtig erhöht habe. Bei alledem habe ich mir ein bisschen mühe gegeben, kein zweiter Hoagland zu werden. Das ergebnis sieht so aus:

Mit Gimp bearbeitete Version des gleichen Fotos

Natürlich ist das nicht die farbe des marsgesteins.

Wenn ich so etwas auf der erde sähe, wäre ich mir sicher, dass es von menschen gemacht ist. Auch, wenn es nicht exakt vertikal zu sein scheint. Auch, wenn es nur einen halben meter hoch wäre. Auf dem mars kann das aber nicht sein. Diese höhle muss natürlich entstanden sein. Für weniger plausible erklärungen wäre J. P. Skipper zuständig, aber der ist leider am 9. januar 2018 gestorben. Ich fand ihn ja immer recht unterhaltsam… vor allem, wenn er wortreich anomalien ausgedeutelt hat, die nichts als JPEG-artefakte bei voll aufgepustetem kontrast waren. Dabei konnten auch mal ganze städte entstehen. Die beweise sind erdrückend!!1!

¹Deshalb sieht man auch auf dem bearbeiteten bild noch die pixel, wenn man hinschaut. Sie nerven nur weniger. Hätte ich sie ganz verschwinden lassen, wären auch viele einzelheiten des bildes verschwunden. Jedenfalls, wenn ich das so schnell mache…

Ein großer schritt für die menschheit…

Auf dem mars gibt es wolken. Gut, die hat man sogar manchmal von der erde aus in größeren teleskopen beobachten können (sehr schwierig, weil es recht dünne und kleine strukturen sind), aber irgendetwas muss die NASA ja mal wieder vermelden, um daran zu erinnern, dass der olle curiosity-rover immer noch daten liefert.

Übrigens: so weit ich weiß, war diese missjon auf eine zwei-jahres-dauer projektiert. Aber das ding läuft und läuft und läuft! Und es war verdammt teuer, das auto da hochzuschießen. Die werden so lange weitermachen, bis curiosity einfach auseinanderfällt.

Schräge meldung des tages

Was würden sie davon halten, wenn ein gruppe ernsthafter wissenschaftler ein päjhper veröffentlicht, in dem sie aufzeigen, dass sie zahlreiche bilder der marsautos opportunity und curiosity von der marsoberfläche analysiert haben und dabei zu den schluss gekommen sind, dass es pilze, algen, flechten und schwämme gibt, die nicht nur auf der oberfläche des planeten waxen, sondern sogar auf der oberfläche der rover selbst

Ich würde mich ja sofort daran erinnern, dass die marsoberfläche wesentlich trockener als jeder ort der erde (ja, sogar noch trockener als australjen) und sehr kalt ist; ich würde mich dann fragen, wovon diese „pilze“ sich wohl ernähren; und ich mir würde schließlich vorstellen, wie ein paar „ernsthafte“ wissenschaftler ein paar narrenschwammerl¹ gefrühstückt haben, um sich anschließend fotos von der marsoberfläche anzuschauen. 😉

¹Ich mag dieses bairische wort einfach…

Und wieder kein außerirdisches leben!

Es sieht so aus, als ob die gelegentlichen metan-anstiege in der marsatmosfäre auf meteoriteneinschläge zurückzuführen sind, die metan mitbringen und/oder aus tieferen bodenschichten lösen. [Link geht auf einen englischsprachigen text]

Our results support the idea that methane release on Mars might be characterised by small, transient geological events rather than a constantly replenishing global presence […]

Immer, wenn es irgendwo im sonnensystem messergebnisse gibt, die aufgeregt als anzeichen außerirdischen lebens gedeutelt werden, handelt es sich um nieten.

Jornalismus des tages

Habt ihr sicherlich auch mitbekommen: dieses NASA-marsauto hat auf der marsoberfläche erstmals komplexere kohlenstoffverbindungen (so genannte organische verbindungen) gefunden, und die NASA hat da auch gleich eine presseerklärung rausgerotzt, eine stunde juhtjuhbb befüllt und ständig und immer wieder davon gelabert, dass es sich um ein indiz handele, dass es einmal leben auf dem mars gegeben haben könnte. Und die scheißjornalisten im sommerloch haben diese vorlage dankbar abgeschrieben, ohne auch nur die spur eigener reschersche oder gar eigener gedanken anzufügen.

Ich wills mal so sagen: auch auf dem mars fallen immer wieder einmal steine vom himmel. Darunter zum beispiel auch kohlige chondriten. Die sind zwar recht selten, aber enthalten dafür ein bisschen komplexere kohlenstoff-wasserstoff-verbindungen (und sogar ein bisschen zeugs, das älter als unser sonnensystem zu sein scheint). Und über einen zeitraum von rd. vier milljarden jahren läppert sich das ganz ordentlich. Das gesamte heutige wasser der erde scheint zum beispiel auf meteoriten zurückzugehen, weil die erde in ihrer „heißen fase“ das ursprüngliche wasser verloren haben wird, und die erdoberfläche ist ja doch ganz ordentlich mit dem nassen zeugs bedeckt.

Darüber hinaus enthalten kometenkerne eine menge kohlenstoff-wasserstoff-verbindungen aller art, und zwar so viel, dass die sie so schwarz sind, dass sie kaum licht reflektieren. Und auch davon müssen im laufe der jahrmilljarden mal ein paar auf dem mars geprasselt sein.

Was passiert, wenn kohlenstoff in sauerstoffarmer atmosfäre (also so wie auf dem mars oder auf der frühen erde) verfügbar ist, etwas wasser da ist (also so, wie es auf dem frühen mars reichlich spuren hinterlassen hat) und ein bisschen beinahe beliebige energie dazukommt, kann man zum beispiel am Miller-Urey-experiment sehen: da schwimmen recht schnell ein paar aminosäuren auf den pfützen.

Ganz ohne, dass irgendwelche marsbakterien beteiligt waren. Und nicht durch irgendeinen uns unbekannten vorgang. Die von der NASA nahegelegte deutung ist also mehr als nur ein bisschen bullschittig; und bei den ideen, dass von diesen möglichen marsmikroben aus einer feuchteren vergangenheit sogar noch welche leben könnten, geht es (so sehr ich mir so einen fund wünschen würde) in die haltlose spekulazjon. Ein mensch mit ganz gewöhnlicher allgemeinbildung (biologie und chemie auf abiturniewoh) — also jemand anders als ein jornalist — hätte das nicht nur bemerken können, sondern bemerken müssen.

Ein lob von mir geht allerdings an golem. Dort erfuhren die spektakulären PResseerklärungstexte der NASA eine angemessene und nötige relativierung:

Absichtlich irreführende Formulierungen wie „altes organisches Material“ lassen sich nur noch mit Spitzfindigkeiten begründen. Ja, Kohlenwassestoffe [sic!] werden als organische Moleküle bezeichnet und auf der Erde ist das meistens auch organisches Material. Aber die Formulierung deutet im Fall des Mars auf Leben hin, wo keines ist. Mit der gleiche Begründung könnten auch Asteroiden, die seit über 4 Milliarden Jahren im Sonnensystem kreisen, als organisches Material bezeichnet werden […] Tendenziell lassen die Ergebnisse in den beiden Papieren aktives oder früheres Leben auf dem Mars eher noch unwahrscheinlicher erscheinen als zuvor

Geht doch! 😉

Ach ja, ist ja auch golem, also ein jornalistisches produkt eher so aus der zweiten reihe ohne den ganz großen presseapparat dahinter. Schon übel, wenn dort sauberer und aufklärerischer gearbeitet wird als von den springers, burdas, bertelsmännern, spiegeln, gruner-und-jahrs, madsäcken und sonstigen contentindustriellen jornalistiksimulazjonen auf der suche nach wirksamer clickbait.

Und nein, die arbeiten bei anderen temen auch nicht sorgfältiger. Immer, wenn ich mich irgendwo auch nur ein bisschen auskenne — ich bin wahrlich kein experte für chemie, astronomie oder gar exobiologie, sondern habe nur kenntnisse auf elementarem niewoh, die ich für grundbildung halte — stelle ich fest, wie schäbig, schlampig, rescherschefrei, kenntnislos und unreflektiert die scheißpresse arbeitet. Die annahme, dass das besser wäre, wenn ich mich einmal irgendwo einmal nicht auskenne, wäre eine sehr dumme annahme.

Tatsächlich ist es bei temen mit etwas unklarer oder schwer zugänglicher faktenlage — also politik, wirtschaft, medizin und wissenschaft — vermutlich sehr oft eine ganz gute annahme, dass die wirklichkeit genau andersrum als in der scheißpresse beschrieben ist, denn so ist es immer, wenn ich es selbst bemerken kann. Aber bitte nicht von einer lügenpresse sprechen, denn das ist pfui und nazi… :mrgreen:

Weltraumfahrt des tages

Ein weiterer stiefbruder von prof. dr. Offensichtlich hat nach näherer betrachtung eines steines für die NASA rausgekriegt, dass es ganz viel und heißen vulkanismus auf dem mars gegeben hat und es damit gleich in die tagesschau des BRD-staatsfernsehens ARD geschafft. [Dauerhaft archivierte versjon gegen die von scheißpresseverlegern in den dunkelkammern des reichstags erzwungene „depublizierung“ von inhalten des BRD-staatsfernsehens] Angesichts von 22 kilometer hohen vulkanen, die man sogar mit fernrohren von der erde aus erahnen kann, ist das eine entdeckung, wie sie nachrichtenwürdiger und vor allem überraschender nicht sein könnte. Ein lob dem investigativen jornalismus der tagesschau-redakzjon, der im sommerloch scheinbar so ziemlich jede PResseerklärung abschreibt, ohne darüber auch nur nachzudenken oder gar zu rescherschieren!

(Warum die NASA im moment so viele hastig aufgeblasene meldungen rausgibt, die von eher zweifelhaftem nährwert sind? Ich vermute, dass man in der NASA befürchtet, demnächst unter US-präsident D. Trump die mittel drastisch zusammengestrichen zu kriegen — und deshalb ein bisschen offensiver als sonst PR betreibt. Es gibt nun einmal keine bessere reklame als erfolge, und im zweifelsfall muss alles zum erfolg aufgebauscht werden. Ich glaube übrigens auch, dass ein jornalist auf so eine vermutung kommen könnte, wenn er sein eingebautes gehirnchen mal benutzen würde. Das tut der jornalist aber nicht. Sonst wäre er ja auch kein jornalist geworden.)

Kwantitätsjornalismus des tages

Die golem-redakzjon so: was nehmen wir denn mal als überschrift? Wie wärs mit „forscherin vertritt nach betrachtung von fotos die auffassung, dass diese sedimentgesteine auf dem mars nur durch biologische aktivität entstanden sein können“.

Nee, geht nicht, das gibt zu wenig klicks und damit zu wenig reklamegroschen.

Nehmen wir doch das hier stattdessen:

Curiosity hat vielleicht Spuren von Leben entdeckt

Nur das „vielleicht“ stört noch ein bisschen in der clickbait.

Das wird ja noch richtig interessant

Kaum fährt „curiosity“ auf dem mars in einer gegend herum, in der es nach auffassung der wissenschaftler früher einmal für lange zeit viel wasser gegeben hat, schon gehts auch gleich auf eine metankwelle zu. Nicht, dass ich — wider erwarten — doch noch den ersten klaren beleg für außerirdisches leben erlebe…

Allerdings: so etwas deutliches wie eine kuh wird dort nicht rumstehen.

Unterdessen die bewohner des gleichen staates, der „curiosity“ hochgeschossen hat, so: nehmt mal die evoluzjonslehre aus den schulbüchern, die stimmt ja gar nicht, steht doch in der bibel, wie gott das leben gemacht hat.