Die „reichpressekammer“ (DPA) meldet…

Aufforderung des tages:

Zur Gleichschaltung: googlet mal „neben regierungschef arseni jazenjuk und dem deutschen diplomaten wolfgang ischinger versammelten sich“

So sieht er aus, der kwalitätsjornalismus mit den „multimedialen ‚ready-to-publish-Produkten‘“ der DPA. Nein, das schräggestellte ist nicht mein zynismus, das ist die reklame der DPA-tochter, die mit diesem gleichgeschalteten, zentralistischen jornalismussurrogatextrakt ihre geschäftchen macht.

Lösungen ohne probleme: guhgell glahß

Hej, heise, hat guhgell euch für diesen artikel bezahlt? Ich will es doch schwer hoffen! So einen idjotischen reklamesprech zu einem technischen produkt liest man bei euch (zum glück) nur selten.

Google will seine Datenbrille Glass verstärkt in Firmen unterbringen. Der Internet-Konzern legt dafür ein Programm namens „Glass for Work“ auf, das Unternehmenskunden zusätzliche Dienste und Service-Leistungen bieten soll. Dabei sollten spezifische Probleme am Arbeitsplatz gelöst werden

Ach! Es sollen also durch ein tragbares display, ein mikrofon und eine kamera „spezifische probleme am arbeitsplatz“ gelöst werden? Welche „spezifischen probleme“ bitte sehr? Wie man seine mitarbeiter besser überwacht und ausbeutet? Oder wie man ständig irgendwelchen von der arbeit ablenkenden infoschrott hat, der im blickraum rumzuckelt? Das müssen ganz tolle probleme sein, denn bis zum heutigen tag habe ich noch nie irgendwo gelesen oder gehört „ich hab da so ein betriebliches problem, und die beste lösung dafür wäre so eine datenbrille, wie guhgell sie gerade testet“. Nicht einmal von guhgells reklameabteilung habe ich so etwas gelesen oder gehört.

Zugleich werde dies Glass auch für Verbraucher verbessern

Aha, wenn man „spezifische probleme“ am arbeitsplatz mit dem glotzwürfel im blickfeld lösen kann, dann wird der glotzwürfel im blickfeld auch für „verbraucher“ besser. Das ist eine bestechende logik, der man sich eigentlich nur entziehen kann, wenn man gerade mehr als zwei handvoll freier synapsen zur verfügung hat. Dann deutelt man diesen ganzen nichtssagenden blahsprech als: „wir haben den idjoten eigentlich nur für viel geld einen prototypen verkauft und wissen bei licht betrachtet immer noch nicht, wofür das konzept unseres gerätes gut sein soll, aber es ist etwas ganz tolles, müssensemirglauben“.

Ein Vorteil der Google-Brille ist, dass der Träger Informationen auf dem kleinen Bildschirm vor dem rechten Auge ablesen kann, ohne dafür die Hände zu nutzen

Ich bin begeistert! Endlich kann ich mit den augen lesen und benötige nicht mehr die hände dazu. Das ist besonders praktisch bei den ärzten, die hier als beispiel herhalten müssen. Endlich kann mitmensch metzger… ähm… chirurg wieder operieren, weil er eine hand freihat, denn bislang war ja in der einen hand die wodkaflasche und in der andern hand das buch „chirurgie für dummies“.

Außerdem kann die Kamera des Geräts Bilder und Videos aufnehmen

Dass man mit einer irgendwo eingebauten kamera bilder und videos aufnehmen kann, ist ja ein großartiges und vor allem total neues und bislang völlig ungesehenes leistungsmerkmal. Gut, dass man dafür gar nicht mehr die händchen braucht. Gut, dass das — wegen der „spezifischen programme“ am arbeitsplatz — einfach der scheff für einen übernehmen kann, damit er immer alles im blick hat. Oder der nette wachtmeister von der zuständigen polizeiwache.

Zuletzt schloss Google eine Partnerschaft mit dem weltgrößten Brillen-Hersteller Luxottica, um stilvollere Gestelle zu entwickeln

Auch das stilvollste diesein nützt nichts für ein stilloses (und darüber hinaus ziemlich nutzloses) produkt.

Ach, das habt ihr von der DPA übernommen, ihr da hinten in der karl-wiechert-allee? Mir stellt sich dann nur eine frage: warum? Der informazjonsnährwert dieses textes ist so gering, dass flüchtige leser hinterher dümmer sind (nachdem wegen fehlen kein inhalt hängengeblieben ist, halten sie guhgell glahß für eine wichtige sache, weil darüber ja immerhin berichtet wurde) und aufmerksame leser hinterher bedauern, dass ihnen etwas beschränkte lebenszeit von diesem bullschitt geraubt wurde. Oder, wie ich es eingangs nannte, weil es alle merkmale dieser besonderen „literatischen gattung“ hat: scheißreklame im redakzjonellen teil.

Hoffentlich hats sich für euch gelohnt. Für eure leser hats sich nämlich nicht gelohnt.

Kwalitätsjornalismus des tages

DPA, kwelle: bildzeitung.
Und dafür haben wir — zum schaden für das gesamte in der BRD gehosteten internetzes — das leistungsschutzrecht bekommen:

Es hätte genügt, zwei Stichwörter aus der „Bild“-Geschichte bei Google einzugeben, um festzustellen, dass die vermeintliche „Vorab“-Meldung alt und überholt ist

😦

Spämmflut rollt auf twitter zu…

Eine aufs zwitscherchen zurollende, alles mit sich reißende flut stinkender spam, das war mein erster gedanke bei dieser schlagzeile: „Internet Wahlen Wissenschaft Twitter USA: Studie: Viele Tweets bedeuten viele Wahlstimmen“ … aber zum glück ists nur der gewöhnliche agentur-bullshit der marke $tagesgeschehenReizwort mit „Twitter“, „Facebook“ oder einer ähnlichen S/M-firmierung verbinden und $behauptung dazu schreiben, am besten in form einer „studie“. So entstehen halt die nachrichten auf n-tv.

Heribert Cisab startet seinen Bullshit

Heribert Cisab, einst der meistgelesene deutschsprachige blogger, hat sein lange angekündigtes projekt Bullshit aus der taufe gehoben. Auf Bullshit.com (die .de-Variante war schon von der netzpolitischen enquete des bundestages belegt worden) will er über undefinierbares, zukünftiges zeug schreiben. Cisab hatte vor drei Jahren schlagzeilen gemacht, als er sein damaliges blog „basales denken“ für fast 47.000 euro an einen SEO-spämmer verkaufte. Unmittelbar danach machte Cisab seine immer noch sehr unreifen pläne für Bullshit öffentlich; ursprünglich sollte es sogar eine plattform für lokalen bürgerjornalismus werden, weil das damals irre modern klang.

Bullshit soll sich nicht über werbung finanzieren, sondern über seitbereiche, in denen unternehmen werbung präsentieren können. Cisab will in diesen bezahlten onlein-reklameprospekten technik so zeigen, „dass die leute das auch glauben, was die werber sie glauben machen möchten“, wie er im gespräch mit der nachrichtungsagentur DPA sagte. Dass er sich in einem satz selbst widerspricht, leugnet er nicht, er nenne das aber „transparenz“. Wenn sich deshalb ein leser beschwere oder abwende, „dann ist das eben so, schließlich habe ich mein vitamin b in der tasche und kann sogar eine nullmeldung bei der DPA unterbringen“. Als blog sieht Cisab sein projekt nicht, weil inzwischen der idee eines kronologisch sortierenden CMS jeder neuigkeitswert fehle. Nutzer können die beiträge nicht kommentieren. „Warum soll hier jemand das marketing beschädigen können? Eure temen, eure gespräche: das macht keinen sinn für mich.“, schrieb Cisab.

Mit der fokussierung auf spekulazjonen über die zukunft rückt Cisab von der ursprünglichen groben idee für Bullshit ab. Der unternehmer hatte eine plattform mit seiten für einzelne städte geplant, auf denen bürger aus ihrer umgebung berichten sollten. „Aber das mit den leuten und ihren meinungen macht immer wieder probleme beim vermarkten“, sagte er. Das projekt sei aus finanziellen gründen gescheitert: „Irgendwann war das geld weg.“

Einen genauen plan für Bullshit hat Cisab immer noch nicht: „Ob ich das für alle ewigkeiten weitermache, oder ob ich es über meine vielen konnäcktschenns aufbausche und einfach an den nächsten SEO-spämmer verhökere – keine ahnung.“ Hauptsache, das geld kommt dabei rum.

Wer es nicht gemerkt hat: Das ist natürlich eine satire auf eine heise-meldung. Die originalmeldung ist aber auch ganz besonders minderkwalitativ geraten und zeigt nur beim hinschauen, dass es sich um werbung im redakzjonellen teil handelt…