Nicht der postilljon

Wie man mit Faxgeräten datenschutzkonform kommuniziert, beschreibt die Bayerische Datenschutzbehörde – und erklärt das Fax zum Gradmesser der Digitalisierung

Achtung, kommt noch besser:

Wenn das Versenden verschlüsselter E-Mails so unkompliziert möglich ist wie das Versenden eines Faxes, und wenn in die Stabilität der dafür benötigten IT-Systeme so vertraut werden kann wie in die Verfügbarkeit von Telefax-Diensten, wird diese Technik das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben.“

Zum versenden einer verschlüsselten mäjhl muss man… klicken können. Man muss nicht einmal ein stück papier ins faxgerät legen und eine nummer wählen. Wenn bayerische verwaltungsmitarbeiter damit überfordert sind, zu klicken, dann wundert mich gar nichts mehr. Und nein, auch die administrative arbeit ist nicht aufwändiger als das anschließen von faxgeräten, und schon gar nicht aufwändiger als das aufsetzen eines faxsörvers.

Jetzt ist die gesamte BRD-verwaltung im arsch

Auch der hessische datenschutzbeauftragte hat sich mal fax angeschaut und festgestellt, dass die übertragung unverschlüsselt ist und häufig übers internet läuft, so dass es nicht besser als eine unverschlüsselte (und digital nicht signierte) mäjhl. Und das geht gar nicht mit der DSGVO.

Der Hessische Datenschutzbeauftragte geht im Rahmen seiner Stellungnahme damit noch über die Ansicht des Bremer Datenschutzbeauftragten hinaus. Unzulässig ist demzufolge nicht nur die Nutzung von Fax-Diensten zur Übertragung besonderer Kategorien personenbezogener Daten gemäß Art. 9 DSGVO. Bereits die Übermittlung sensibler personenbezogener Daten kann gegen die DSGVO verstoßen

Das wird nur nix ändern. Denn staatliche instituzjonen sind bei der durchsetzung der DSGVO mit bußgeldern explizit ausgenommen. Was habt ihr denn erwartet? Dass datenschutz menschenschutz ist? Dann gäbe es aber auch einen strikter durchgesetzten datenschutz für menschen als für autokennzeichen.

Jetzt ist die verwaltung in der BRD am ende!!1!

Die datenschützer haben sich nämlich mal das fax angeschaut und dabei rausgekriegt, dass das weder sicher noch datenschützend ist [link geht zu golem]:

Mittlerweile ist jedoch der Faxversand durch diverse technische Veränderungen informationstechnisch als unsicheres Kommunikationsmittel einzustufen“ […] der Grund dafür liege in der Digitalisierung der Faxübertragung und den Endgeräten. Bei der Übertragung über das Internet sei nicht gewährleistet, dass diese nicht abgefangen werde – immerhin erfolge sie unverschlüsselt […] die Übermittlung von personenbezogenen Daten per Fax sei „daher mit dem Risiko des Verlustes der Vertraulichkeit der übermittelten Daten behaftet“

Und, was ändert das? Richtig, es ändert nix. Die verwaltung kümmert sich nicht um technische tatsächlichkeiten, sie kümmert sich um die rechtsprechung. Und danach entspricht ein fax der schriftform, und ein kommunikazjonakt über das internet nicht. Aus den augen eines juristen gesehen, also aus einer parallelwelt mit hohem realitätsabstand und hang zur faktenflucht, stimmt das ja auch: ein fax kann man lochen und abheften. Deshalb wird immer gefaxt, wenn die schriftform gewahrt werden muss. Meine prognose: die behörden werden auch in fünfzich und auch in hundert jahren noch beim faxen bleiben, wenn die dazu vorhandenen gründe nicht beseitigt werden.

Oh, wieso habe ich auf einmal die stimme vom genossen Erich im kopp? 😁️

Inzwischen gibts digitale signaturen, DE-mäjhl, das beA…

Der Verband reichte seine Klage nach eigenen Angaben noch in der Nacht per Fax beim Oberlandesgericht Braunschweig ein. Die Übertragung des mehr als 240 Seiten starken Dokuments schlug mehrmals fehl, gelang dann aber gegen 2 Uhr – und dauerte fast 40 Minuten

😦

Im grunde handelt es sich hier um berichte von den zuständen in einem dritte-welt-land. Aber man kann schon faxen. Immerhin muss für die kommunikazjon mit der BRD-justiz kein pergament mehr gewonnen werden, das von einem schreiber handschriftlich mit text befüllt und von einem laufboten zum gericht getragen wird.

Hej, und es ist BRD hier. Da ist es die hauptsache, dass die VW-betrugssoftwäjhr läuft. Andere dinge haben keine priorität.