Warum deutsch fast unerlernbar schwer ist…

Ich sage menschen, die deutsch lernen, ja gern, dass unser genitiv nicht etwa ein besitzverhältnis ausdrückt, wie sie es in ihren kursen lernen, als ob es eine ganz einfache sache wäre, sondern dass er irgendein völlig beliebiges verhältnis zwischen zwei dingen ausdrückt — nur abhängig vom kontext, und „kontext“ ist ein fremdwort mit der bedeutung „du hast verloren“ — und dass das in seinen einzelheiten so unlogisch und unverständlich ist, dass es vermutlich niemand richtig erklären kann. Am besten, man hört und liest viel deutsch und eignet sich die wichtigsten muster dabei an, ohne sie genauer zu analysieren. Aber dr. Bopp hat es mal mit großer tapferkeit versucht:

Bei Gefäßen kann ein Genitivattribut unter anderem die Beschaffenheit, aber auch den Inhalt angeben. In der Regel ergibt sich wie bei zum Beispiel „Becher–Gold“ und „Glas–Wein“ aus den Wortbedeutungen, was gemeint ist. Wenn dem nicht so ist und auch der weitere Kontext keine Klarheit schafft, sollte umformuliert werden: „eine Kiste edles Holz“ bzw. „eine Kiste aus edlem Holz“.

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Wenn man anfängt, über deutsch nachzudenken (zum beispiel, weil man es jemanden ein bisschen beibringen möchte, der sich zum gründlichen erlernen unserer wunderhübschen muttersprache entschlossen hat), wundert man sich nur noch, dass man selbst es einigermaßen fehlerfrei schreiben und sprechen kann…

Aber noch hundert jahre dummes reklamedeutsch, dummer jornalismus und zuwanderung, und die deutsche grammatik wird so runtergehobelt sein, dass deutsch ungefähr so erfreulich einfach wie niederländisch wird (da gibt es eine deklinazjon nur noch in ein paar älteren redewendungen und umgangssprachlichen ausdrücken wie „s’morgens“ und dergleichen¹). Ich finde das zwar schade, weil ich damit aufgewaxener das ganze grammatik-kaos im deutschen irgendwie mag, aber für lernende wird es eine riesige erleichterung.

¹Niederländer, die hier mitlesen, mögen sanft sein! Ich weiß nicht, wie man „s’morgens“ schreibt, ich habe es nur gehört. Und ich kann kein niederländisch, aber noch ein kleines bisschen platt…

Freut euch aufs neue deutsch!

Kommt, die alte deutsche grammatik ist ungerecht und schlecht, es wird zeit für eine neue, ganz nach den vorstellungen der privilegierten höheren töchterchen von großer großer gerächtigkeit:

Eigentlich will Frau Pusch etwas anderes, nämlich eine total gerechte Sprache – selbstverständlich unter Einbeziehung des diversen Geschlechts. Dazu will sie die grammatikalische Geschlechtlichkeit der Sprache völlig umbauen und letztlich das generische Femininum etablieren. Aber lesen und genießen Sie selbst: „Wir hätten dann etwa Freundin (Frau), Freundis (Mann) und Freundil (divers), Plural Freundinne, Freundisse, Freundille. Wenn das Geschlecht (welches auch immer) keine Rolle spielen soll, entfällt die Endung. Beispiel: Fragen Sie Ihre Freund, Arzt oder Apotheker. Wieso Ihre und nicht Ihren? Weil es (…) nur noch ein Genus gibt: Das Femininum

Juchu! Alle probleme der ersten welt gelöst! 💃

Wunderschöne deutsche sprache des tages

Der schüler wird haben getestet werden müssen

(Ich wusste bis eben gar nicht, dass es ein futur II passiv im deutschen gibt, und deutsch ist meine muttersprache. Eigentlich muss ich es mal an der schule gehört haben, aber ich habe es sehr gründlich vergessen. So unbrauchbar, unnötig, kopfgeburthaft, kaputt sind diese formen im passiv. Das hat sich doch ein idjot am schreibtisch ausgedacht, als er latein möglichst genau ins deutsche tragen wollte.)