Bullschitt des tages

Heise onlein im schleichwerbemodus schreibt lustige, technikreligjöse texte ab, damit der fysik-analfabetismus nicht mehr so auffällt:

Die nun von HyperloopTT vorgestellte Hülle einer Transportkapsel heißt „Quintero One“ und wurde aus einem Verbundmaterial namens Vibranium gefertigt. Es ist laut HyperloopTT-CEO Dirk Ahlborn „das sicherste Material der Welt“ und außerdem „intelligent“, da es die Integrität der gesamten Struktur „fühlen“ könne

Ein sicheres und intelligentes material, das auch dahin fühlen kann, wohin niemand gucken könnte. Das ist kaum noch von der anpreisung eines esoterik-beutelschneiderproduktes zu unterscheiden, und es klingt für meine ohren auch ganz genau so seriös.

Die fragen, aus welchem material man diese lange fastvakuumröhre bauen will, durch die diese geschosse mit schallgeschwindigkeit bewegt werden (darauf liegt permanent ein enormer druck der erdatmosfäre, nämlich rd. 1 kilogramm pro quadratzentimeter), mit welchen pumpen man dieses vakuum in langen röhren herstellen und erhalten will (an den stazjonen wird luft ins vakuum einströmen, und zwar auch bei guten gegenmaßnahmen in erheblichen mengen) und was man bei einem unfall (oder terroranschlag) zu tun gedenkt, wenn die röhre verletzt wird und eine wand aus luft mit schallgeschwindigkeit auf die gefährte in der röhre zurast und diese zerschmettert, diese fragen bleiben in diesem heiteren, bei heise onlein gewiss nicht kostenlos veröffentlichten reklametext natürlich völlig unbeantwortet. Wer noch einen ollen röhrenfernseher rumstehen hat, kann gern mal mit der bildröhre ausprobieren, was passiert, wenn luft schlagartig in ein vakuum einströmt, aber bitte ganz, ganz vorsichtig. So eine bildröhre ist winzig in vergleich zu dieser monströsen rohrpost.

Und überhaupt, das ist noch dieses foto der fertigen kapsel, das fragen aufwirft: warum baut man kapseln, die durch eine evakuierte röhre geschossen werden sollen, eigentlich so windschnittig? Das wäre doch gar nicht nötig. Die fliegen durch vakuum. Da gibt es keinen luftwiderstand und keine verwirbelung und keine bremsung durch luftreibung und nix dergleichen. Das war doch der eigentliche vorteil bei dieser rohrpost-idee. Deshalb kann man da doch menschen und güter in einem wahnsinnigen tempo durchschießen.

Ich fände es ja echt erfreulich, wenn ein derartiges system funkzjonieren würde. Aber allein, wenn ich lese, was für einen bullschitt die obermotze derjenigen klitsche von sich geben, die dieses system aufbauen will, fehlt mir jeder glaube daran. Stattdessen steht die nadel meines bullschitt-o-meters am anschlag und alle alarmglöckchen läuten sturm. Ich kann da nur noch an betrug und an den bald kommenden bankrott denken, bis zu dem sich ein paar leute vermutlich ordentlich die taschen mit dem geld anderer leute vollgemacht haben werden. Aber hej, ich bin ja auch ein spinner, verschwörungsteoretiker und dummkopf…

Vielleicht sollte ich einfach mal eine firma gründen, die mineralöl auf dem mond fördern will und dafür risikokapital einsammeln, statt immer nur zu klagen… :mrgreen:

Bullschitt des tages

Endlich! Der „hyperloop“-beschiss kommt jetzt auch nach europa, und die opfer der europäischen schul-, hochschul- und sonstigen verdummungssysteme werden massenhaft auf die vollmundigen versprechungen reinfallen.

Hier nur eine anmerkung.

Man braucht nicht viel fysik zu verstehen, um zu bemerken, dass eine vakuumkammer von derartigen dimensjonen problematisch wird — und dass ein gehöriger atmosfärischer druck auf der wand dieser vakuumkammer lastet, dem wegen des vakuums¹ im inneren kein gegendruck entgegensteht. Pro kwadratmeter röhrenoberfläche sind das rd. 10.000 kilogramm. Und wenn es irgendwo in dieser röhre unter diesem druck einen kleinen riss gibt, dann strömt die luft explosionsartig ein und zerreißt die röhre, ganz ähnlich wie bei der wesentlich kleineren implosjon einer ollen fernsehbildröhre, nur viel größer, teurer, zerstörerischer. Und mit menschen drin. Die sich mit überschallgeschwindigkeit bewegen und plötzlich auf luftwiderstand stoßen, so dass sie leider viel zu kurz leben, als dass die impulserhaltung für sie eine bewusst gemachte erfahrung werden könnte, während sie klitsch klatsch zu menschenmatsch gemacht werden.

Von möglichen anschlägen — es muss ja gar nicht ein tatütata terrorist sein, es gibt ja auch „altmodische“ erpresser und gemeingefährliche psychopaten — habe ich da noch gar nichts gesagt. Mit einem bömbchen auf einer mehrhundert kilometer langen röhre könnte man eine ganze fernstrecke so kaputt machen, dass sie längere zeit nicht mehr benutzbar ist, und es gibt als bonus für kranke mörder eine ordentliche „punktzahl“ bei der anzahl der toten.

Und nein, das ist nicht das einzige problem beim „hyperloop“-beschiss, aber es ist hoffentlich das einleuchtendste. Es ist so wie bei jedem anderen beschiss auch: es klingt toll, wenn man davon hört, aber das hört auf, wenn man darüber nachdenkt. Der scheißjornalist im PResseerklärungswiedergabemodus wird natürlich nicht nachdenken, sondern die lügen wiedergeben, als seien sie tatsachen, wie man es etwa gerade beim ehemaligen technikverlag heise sehen kann — und ja, es sind lügen, also bewusst ausgesprochene unwahrheiten, denn jeder inschjenör kann mit leichtigkeit verstehen, warum das nur mit gewaltigem aufwand geht und praktisch nicht machbar ist. Die gestalten, die sich das geld in die tasche stecken, das dafür verbrannt wird, sind genau so seriös wie leute, die geld dafür einsammeln, dass sie „mineralöl“ auf dem mond fördern wollen…

Es handelt sich ganz einfach um einen beschiss.

Bitte nicht darauf reinfallen! Gehirn benutzen!

¹Dass darin immer noch ein geringe menge restatmosfäre von vielleicht einem tausendstel der dichte der erdatmosfähre ist, habe ich beim überschlagen kurzerhand ignoriert. Es macht keinen nennenswerten unterschied.