Erschieß mich!

Ich wollte es erst gar nicht glauben, dass die menschheit schon so in der verdummung angekommen ist, und dann habe ich es mal selbst mit einer guhgell-suche probiert:

Ergebnis einer guhgell-suche nach 'cloud based intranet' -- ungefähr 12.600 ergebnisse

Bitte die anführungszeichen um den suchbegriff beachten! Hier wird nach genau diesen drei genau so aufeinanderfolgenden wörtern gesucht, nicht einfach nach texten, in denen jeweils irgendwo das wort „cloud“, „based“ und „intranet“ vorkommt (was schon seltsam genug wäre). Ich bin davon überzeugt, dass eine welt, in der man „cloud based intranet“ verkaufen kann, schon in den nächsten jahren damit anfangen wird, ihre äcker mit isotonischen getränken zu gießen, weil da ja elektrolyte drin sind und weil wasser ungeeignet ist, denn damit spülen wir ja unsere kacke im klo runter… 😦

Ich kann mir so richtig gut vorstellen, wie irgendwelche durchgeschepperten reklameheinis unter abspulen hirnzerfleddernder pauerpeunt-foljen mit den ahnungslosesten der ahnungslosen entscheidungsträger labern (selbstverständlich auch in der verwaltung): „wie jetzt, sie betreiben ihr intranet noch bei sich selbst im unternehmen, und alle rechner hängen lokal im LAN? Verpassen sie nicht den anschluss an die zukunft, intranet macht man jetzt über die klaut!“ — und so schrille kwietschend dumm, wie diese zeit ist, könnte das schon nächstes jahr zu den ganz großen trends gehören. Aber das sehen wir dann ja auf heise onlein.

Datenschleudern des tages

Sucht man nach „inurl:intranet“ erhält man Treffer, die zu Intranets von Firmen, Vereinen oder Universitäten führen. Darunter sind Login-Seiten von Intranets, aber eben auch Inhalte, die eigentlich nicht für jedermann aufrufbar sein sollten

So sieht die praxis des datenschutzes in der mitte der zehner jahre mit ihrer voll entwickelten internetz-kriminalität aus: ohne jeden zugangsschutz ins offene internetz veröffentlichte interne datensammlungen, die zum teil sehr weit in die privatsfäre der darin verdateten menschen hineinragen. (Es handelt sich unter anderem um gesundheitsdaten.) Da kommt man dann mit dem nur bei eingeweihten superhäckern bekannten häckerzauberdingens namens „guhgell“ dran. Nein, nicht nur bei einer einzigen unseriösen klitsche, sondern als durchaus gängigere praxis, vom krankenhaus bis zur p’litischen partei. Tja, ist ja auch ein bisschen mehr reibach, wenn man die angemessene bezahlung¹ für einen halbwegs aufmerksamen administrator einfach einsparen kann, weils in der BRD mit ihren nullhaftungen ja nix kostet, wenn man daten in die welt schleudert. Und in der näxsten sonntagsrede wieder: der großartige verbraucherschutz in der BRD, von dem wir alle profitieren… 😦

Der einzige wirksame datenschutz ist und bleibt knauserigste datensparsamkeit. Der gern und blau versprochene datenschutz ist wertlos. Und zwar immer. Weil richtiger datenschutz teuer ist und weil schlechter datenschutz geld spart, ohne folgekosten nach sich zu ziehen. Es gibt in der BRD — im gegensatz zu weiten teilen der sonstigen zivilisierten welt — keine finanzjelle haftung für schlechten datenschutz und fahrlässige datenschleudereien. Der rest sind lügen aus der reklame und irgendwelche blendesiegel von im IT-bereich völlig unseriösen klitschen wie dem TÜV.

¹Nicht unter 65.000 øre p.a., wenn er halbwegs aufmerksam ist, und einen hübschen batzen mehr, wenn er richtig gut ist.