Wasser gefunden!

Endlich gibt es eine karte mit möglicherweise nutzbaren wasservorkommen auf dem mars, falls doch noch mal jemand dort hinmöchte.

Besonders geeignet für eine Landung oder Marsstation wäre demnach Arcadia Planitia, eine Ebene in den mittleren Breiten der Nordhalbkugel […] Wie die Forscher jetzt ermittelten, liegt dort das Wassereis stellenweise weniger als 30 Zentimeter tief und ist von lockerem, gut aushebbarem Material bedeckt

Immerhin weit genug weg vom nordpol, wo das bisschen kohlendioxid aus der marsatmosfäre gefriert und als eis am boden liegt. Mit einem bisschen glück wird es nicht viel kühler als minus fuffzich grad celsius. Muss man sich halt warm anziehen. Und wenn man dann auch noch mit dem spaten nach wasser gräbt, wird einem gleich noch wärmer. Oder man muss eine menge kohlendioxid von der erde mitbringen (und dafür noch mehr kohlendioxid auf der erde ausstoßen), damit es auch auf dem mars einen treibhauseffekt gibt — und feststellen, dass der mars zu wenig masse hat, um dauerhaft eine dichtere atmosfäre zu halten.

Wissenschaft des tages

Auch langjährige wissenschaftliche tätigkeit schützt nicht vorm bullschitt, und dann sieht ein insektenkundler mit lehrstuhlhintergrund auf einmal fossile insekten auf dem mars:

Das klingt ziemlich unglaubhaft, doch der frühere Professor ist von dem überzeugt, was er auf den Aufnahmen zu erkennen glaubt: „Es gab und gibt noch immer Leben auf dem Mars“, konstatiert er. Es gäbe gleich mehrere Fotos, auf denen klar insektenähnliche Wesen mit Thorax und einem segmentierten Hinterleib zu erkennen seien […] Als Indizien für seine marsianischen Lebensformen wertet Romoser unter anderem bestimmte anatomische Merkmale, die auffallend insekten- oder reptilienähnlich seien

Warum ich dazu so schnell „bullschitt“ gesagt habe? Weil ich es für sehr unwahrscheinlich halte, das lebensformen auf dem mars, die sich völlig unabhängig von der irdischen evoluzjon in einer nicht-irdischen umwelt entwickelt haben müssten, dabei ähnliche körperformen wie die irdischen lebensformen herausgebildet hätten. Wenn jemand auf dem mars etwas sieht, was ihn an die erde erinnert, handelt es sich sehr wahrscheinlich um pareidolie. Und ich befürchte, wenn die menschheit irgendwann das erste mal in ihrer geschichte vor einem foto einer außerirdischen lebensform steht, dann wird sie darauf gar nichts erkennen…

(Ich finde es ja auch schade, dass es noch kein sicher identifiziertes beispiel außerirdischen lebens gibt.)

Und wieder kein außerirdisches leben!

Es sieht so aus, als ob die gelegentlichen metan-anstiege in der marsatmosfäre auf meteoriteneinschläge zurückzuführen sind, die metan mitbringen und/oder aus tieferen bodenschichten lösen. [Link geht auf einen englischsprachigen text]

Our results support the idea that methane release on Mars might be characterised by small, transient geological events rather than a constantly replenishing global presence […]

Immer, wenn es irgendwo im sonnensystem messergebnisse gibt, die aufgeregt als anzeichen außerirdischen lebens gedeutelt werden, handelt es sich um nieten.

Astronomische überraschung des tages

Dass es auf dem planeten mars wasser gegeben hat, überrascht niemanden mehr, denn die von wasser geformten geologischen (besser: areologischen) strukturen waren schon auf hochauflösenden fotos aus einer umlaufbahn sichtbar. Heute ist der mars knochentrocken und recht… ähm… kühl, wie man es bei der größeren entfernung von der sonne und der sehr dünnen atmosfäre auch erwarten könnte. (Die schon in etwas größeren teleskopen von der erde aus sichtbaren polkappen des mars bestehen nicht aus wassereis, sondern aus gefrorenem kohlendioxid.) Aber es ist überraschenderweise viel länger viel mehr flüssiges wasser auf dem mars herumgeflossen und hat dort oberfläche gebildet, als es die marsklimamodellierer bislang erwartet haben.

Gängiger Theorie nach war der Mars schon vor rund drei Milliarden Jahren ein kalter Wüstenplanet. Regen fiel so gut wie gar nicht mehr, weil auch die Atmosphäre längst zu dünn für dicke Regenwolken war. Doch die Flusstäler aus dieser Zeit zeichnen nun ein ganz anderes Bild. Demnach gab es trotz des frostigen Wüstenklimas zwischendurch doch noch Perioden mit starken, kurzen Regenfällen

Die schangse, dass man da irgendwann einmal spuren einer von der erde unabhängigen biologischen evoluzjon (also spuren früheren lebens) findet, ist also gar nicht so schlecht — vorausgesetzt, wir erkennen die überreste völlig fremder lebensformen überhaupt als solche. Und genau daran habe ich so meine zweifel, denn wir kennen ja nur ein einziges mögliches modell (nämlich das irdische) für diese hochkomplexen wexelwirkungen in einem fließgleichgewicht, die wir „leben“ nennen, und alle unsere annahmen gehen dahin, dass es woanders im kosmos sehr ähnlich sein müsse. Zu leicht findet man sich da als landbewohner wieder, der in einer stadt wie berlin vergeblich nach dem dorfgemeinschaftshaus sucht, es nicht findet und daraus schließt, dass dort wohl keine menschen leben…

Und nun zur areologie¹

Der marsvulkan arsia mons scheint ausgebrochen zu sein [archivversjon des ESA-bildes, falls dem bild bei flickr demnächst etwas zustoßen sollte]. Krasse bilder! Beim durchblättern auf flickr (javascript ist leider nötig) zeigt sich schnell, dass es sich nicht um einen bildfehler handeln wird, denn die an eine lange rauchsäule erinnernde struktur wandert mit der planetenoberfläche. Und dabei hieß es immer, diese vulkane seien schon lange nicht mehr aktiv.

Nun gut, auf einem weiterhin vulkanisch aktiven mars erklärt sich vielleicht auch dieses unerwartete metan, das in spuren in der atomsfäre vorkommt und durch irgendeinen prozess immer wieder nachproduziert werden muss, weil metan nun einmal nicht stabil in der marsatmosfäre ist. Für jene, die lieber ein paar lebende marsbakterjen als erklärung gehabt hätten, vielleicht ein bisschen enttäuschend, aber seit wann ist die wirklichkeit auch dafür da, uns zu gefallen…

Die bilder sind übrigens schon über einen monat alt, und ich habe nirgends davon gehört.

¹Von „geologie“ mag ich nicht sprechen…

Prof. dr. Offensichtlich

Prof. dr. Offensichtlich hat einen nebendschobb bei golem angenommen, einmal scharf nachgedacht und dann eine tolle schlagzeile für das sommerloch formuliert:

Raumfahrt:
Terraforming des Mars ist mit heutiger Technik nicht möglich

Eine menschheit, die zurzeit nicht einmal so etwas wie eine bemannte mondmissjon hinbekäme, hat sich immer noch nicht vom schock dieser überraschung erholt! 😀

Jetzt müssen die menschen doch erstmal auf der erde bleiben. Vielleicht sollten sie einfach mal damit aufhören, die erde zu deterraformen… :mrgreen:

Sommerloch des tages

See unter dem Südpol
Flüssiges Wasser auf dem Mars entdeckt

Im päjhper der forschergruppe ist zwar nur von „anzeichen für flüssiges wasser“ die rede, aber eine derart zurückhaltende ausdrucksweise macht sich ein jornalist doch nicht zu eigen. Auch dann nicht, wenn er ansonsten von „fäjhkwissenschaft“ spricht, weil päjhpers in nicht ganz stubenreinen zeitschriften veröffentlicht werden. Denn um sich so zurückhaltend ausdrücken zu können, müsste der jornalist ja lesen, was die wissenschaftler schreiben, und das kostet doch viel zu viel zeit im harten kampf an der contentfront.

Und was fehlt jetzt noch für eine richtige tatütata-sommerlochmeldung? Dass zum mindestens fünften mal anzeichen für flüssiges wasser auf dem mars entdeckt wurden, interessiert doch keinen. Dass auf äußerst indirektem wege unter kilometerdickem eis unter fachwissenschaftlern umstrittene anzeichen für wasser gefunden wurden, welches mutmaßlich durch gelöste salze und enormen druck bei minus siebzig grad celsius flüssig gehalten wird, ist auch eher so eine meldung für generell sehr wissenschaftsinteressierte menschen. Kleine grüne männchen oder doch wenigstens ihre vorstufen werden benötigt… oh…

Die Suche nach flüssigem Wasser ist wichtig, weil das eine wichtige Voraussetzung für Leben ist. Wissenschaftler suchen noch immer Hinweise darauf, ob es früher oder vielleicht sogar noch heute Lebewesen auf dem Mars gibt

Bingo!

Der übliche jornalismus aus der sommerloch-hölle eben, die hundstage der hirnlosen.

Ach so, für genießer: die spektrum der wissenschaft hat natürlich auch einen artikel, und zwar mit deutlich weniger irreführendem titel. Und auch der text bei den seriösen wissenschaftsjornalisten…

Ob es ein richtiger See ist, eine Art Schlamm oder wassergesättigtes Sediment, können die Wissenschaftler allerdings noch nicht sagen

…klingt gleich viel erträglicher. Aber damit zieht man ja auch nicht ein nessie-äjhlien aus dem sommerloch. 😉

Wissenschaft des tages

Tja, auf dem mars hat es zwar flüssiges wasser gegeben, aber dieses wasser kann gar nicht existiert haben, weil es wegen der fehlenden kohlenstoffverbindungen im gestein mit sicherheit viel zu wenig kohlendioxid in der atmosfäre gab, um flüssiges wasser zu ermöglichen. So schafft grundlagenforschung immer wieder neue heitere einsichten.

Ich (wohlgemerkt: ohne nennenswerte bildung in geologie oder den teilbereichen der astronomie, die sich den vorgängen auf planeten befassen) habe ja den verdacht, dass die wegen der gegenwärtigen irdischen situazjon wie gebannt auf das kohlendioxid starren und darüber völlig übersehen, dass es auch andere spurengase oder prozesse geben könnte, welche die oberflächentemperatur beeinflussen. Dann können die lange nach den spuren von kohlendioxid suchen…

„Prozesse“ meinte eben ausdrücklich auch exotische prozesse höherer komplexität, die vielleicht sogar mit dem vergleichbar waren, was wir auf der erde „leben“ nennen (oder vielleicht auch nicht). Die anwesenheit nennenswerter mengen des lösungsmittels wasser macht einiges möglich, und wir menschen kennen nur ein gut erforschtes beispiel von dem, was ich gerade „exotische prozesse“ genannt habe…

Raumfahrt des tages

Amerikanische und kanadische Wissenschaftler haben auf dem Mars ein Meer aus gefrorenem Wasser entdeckt, meldet NASA. Die aus Wassereis, Sand und Gas bestehende Schicht liegt einen bis zehn Meter tief unter der Planetenoberfläche im westlichen Teil von Utopia Planitia – einer größeren Tiefebene auf dem Mars. Die Schicht ist 80 bis 170 Meter dick und hat ein Volumen von etwa 14.300 Kubikkilometern

Na, irgendwo musste das ganze wasser ja sein, das die marsoberfläche recht deutlich sichtbar geologisch… oder sollte ich besser „areologisch“ sagen… geformt hat. Klar ist im laufe einiger jahrmilljarden vieles davon durch UV-licht in wasserstoff und sauerstoff zerlegt worden, der wasserstoff dann wegen der geringen gravitazjon des mars ins weltall entwichen, während der sauerstoff auf der marsoberfläche in form von rost gebunden wurde, aber dass alles wasser so flüchtig sein sollte, war angesichts der niedrigen temperaturen doch ein bisschen unwahrscheinlich.

Eventuelle bemannte und befraute marsmissjonen — ich finde ja, dass man den gesamten SPD-vorstand so schnell wie möglich zu astronauten machen sollte — werden also ordentlich wassereis vorfinden, das sie nur mit hohem aufwand fördern müssen…