Und nun zur wissenschaft

Huch, da guckt man mal anderthalb tage nicht in die webseit der spektrum und kriegt gar nicht mit, dass mal wieder die riemannsche vermutung bewiesen wurde. So sehr ich mir wünsche, dass der beweis korrekt ist…

Die einzelnen mathematischen Umformungen nahmen nur drei Zeilen in Anspruch. Damit hatte niemand gerechnet

…so gering ist mein glaube daran. Alles weitere gibt es dann in nächsten tagen wohl von richtigen matematikern. 😉

Wer nicht weiß, was die riemannsche vermutung ist: der wicked-pedia-artikel ist zwar inhaltlich korrekt, aber setzt vorkenntnisse oder lesebereitschaft voraus. Wer etwas englisch kann und einen etwas anschaulicheren zugang zur zeta-funkzjon sucht, sollte sich vielleicht dieses beachtliche video von 3blue1brown anschauen. Aber selbst dafür sollte man schon einmal von komplexen zahlen gehört haben…

Dissertazjon des tages

Hat vielleicht mal jemand lust, die dissertazjon von frau dr. rer. nat. Sabina Jeschke, gegenwärtige p’litische günstlingin der SPD im bahnvorstand, zu lesen? Ist auch richtig „gut“, hat auch richtig pralle „summa cum laude“ gekriegt. Aber achtung! Dünnbrettbohreralarm!

Die vorliegende Arbeit beleuchtet vielfältige, ausgewählte Aspekte dieses gesamten komplexen Themenkreises, die weitgehend in Form von „Essays“ (Kapitel auf der Hauptebene) formuliert werden […] Obwohl die Fragestellungen des Teils E sich nahtlos an die vorangegangenen Kapitel anschließen, kommt diesem Abschnitt im Rahmen dieser Arbeit eher die Bedeutung eines Anhanges zu: Hier werden (Forschungs-)Fragen diskutiert, die weniger naturwissenschaftlich-fachspezifischer Natur als vielmehr dem Bereich Organisation und Management zuzuordnen sind

Wisst ihr noch, damals, als eine doktorarbeit ein fortschritt für die wissenschaft sein sollte. :mrgreen:

Ich habe da nur ein paar seiten kwergelesen, was leicht fällt, weil man nach harten inhalten vergeblich sucht, und ich habe schnell damit angefangen, den dissertazjonsmüll ganz schnell durchzublättern, weil die bullschittdichte meinem köpfchen zu schaffen machte, aber auf beinahe jeder seite findet sich ein klopper, der schon einen interessierten laien mit richtigen kenntnissen zum lachen bringt.

Immerhin hat die gute frau doktor (oder ihr tippsklave) es geschafft, das ding in LaTeX zu setzen und durchaus anspruchsvoll zu formatieren. Das ist bei doktoren mit p’litikhintergrund wahrlich keine selbstverständlichkeit, wie ich in den vergangenen jahren schon mehrfach feststellen durfte.

Nur für den unwahrscheinlichen fall, dass dieses kleine dokument der zeitgeschichte demnächst aus dem freien internetz verschwinden sollte, gibt es hier eine lokale kopie. Niemanden soll der genuss einer 306seitigen doktorarbeit der matematik (denn genau das ist informatik, und deshalb ist frau Jeschke jetzt ja auch eine dr. rer. nat.) vorenthalten werden, in der sich zwar etliche langatmige aufzählungen verblüffend geringer informazjonsdichte, teilweise lustige visualisierungen (hier nur ein völlig willkürlich ausgewähltes beispiel von seite 159, es ist stellenweise ein bildchen nichtssagender als das andere)…

Unbedingt erforderliche visualisierung einer anmeldemaske mit benutzer-ID und passwort

…und viele gewinngarantien für eine runde bullschittbingo finden, aber dafür (außerhalb von gelegentlichen screenshots von anwendungssoftwäjhr) keine einzige formel und keine einzige darlegung oder gar matematische analyse eines algoritmus.

Wie die werte frau doktor matematikerin an die matematik herangeht? Ach, ich gebe ihr selbst das wort (seite 195):

Moderne 3-D Spiele-Engines können verwendet werden, um virtuelle mathematische Welten zu erzeugen. Solche Welten sind interaktiv erkundbar und sind mit mathematischen Modellen, Demonstrationsobjekten und Effekten angefüllt. Durch das Hinzufügen detaillierter mathematischer Erklärungen und Anweisungen auf Anforderung wird die Engine-Umgebung zu einem mächtigen Werkzeug. Schöpferisches Talent, intellektuelle Neugier und Spielinstinkt werden Teil der Lernprozesses

Mit allergrößtem lobe! So lange die frau doktor das nicht selbst (mit-)programmieren muss, sondern nur darüber schwafelt… 😀

Hach, waren das noch schöne zeiten, als die universitäten in der BRD noch keine titelmühlen für dünnbrettbohrer waren!

Wissenschaft des tages

Nicht, dass die Riemannsche vermutung am ende von fysikern statt von matematikern bewiesen wird! Und da sage noch mal jemand, zahlenteorie sei eine spielerei ohne praktische bedeutung (wenn man mal von moderner kryptografie absieht)… 😉

Für menschen, die im lande des matematischen analfabetismus noch nie von der Riemannschen vermutung gehört haben und deren interesse eben gerade erwacht ist: Es ist leider sehr schwierig (aber meiner meinung nach mit ein bisschen unterstützendem multimedia nicht unmöglich, außer vielleicht für mich), eine einfache einführung zu geben. Wer keine angst vor etwas abstrakterer lektüre hat, gehe einfach hier lang.