Die NZZ über den zustand der meinungsfreiheit

Auch mit Argumenten vorgetragene und in einem sachlichen Ton formulierte Positionen werden zunehmend mit dem Hinweis aus Medien verbannt, dass über bestimmte Fragen nicht mehr diskutiert werden könne. Die Wahrheit steht offensichtlich schon fest, wer daran zweifelt, hat nicht eine andere Meinung, sondern ist ein Ketzer […] Dazu gehören Bekenntnis- und Bussrituale, die Wiederholung der immergleichen Formeln und Floskeln, die Gesten der Empörung und des Zornes angesichts ketzerischer Behauptungen sowie die pathetischen Bekundungen tiefen Abscheus: So etwas höre man sich nicht länger an, mit solchen Menschen setze man sich sicher nicht auf ein Podium, „derartige Meinungen haben in diesem Blatt nichts zu suchen“. Ein Reizwort genügt, und man wendet sich brüsk ab – was immer dann noch kommen mag

Diese das bewusstsein umgehende reakzjon auf einen schlüsselreiz ist nun einmal das ergebnis einer kondizjonierung. Das schlimmste daran: die opfer dieser schulisch, universitär und massenmedial täglich verabreichten kondizjonierung merken gar nicht, wie blöd und psychisch ihre reakzjon ist, sie halten sie für heilig, richtig, schlau und wahr.

Netzwerkdurchsetzungsgesetz des tages

Das netzwerkdurchsetzungsgesetz — ein von Heiko Maas (SPD) zur angeblichen bekämpfung von häjhtspietsch durchgesetztes BRDDR-gesetz, das „sozjale netzzwerge“ unter absurder strafandrohung zur privatwirtschaftlich betriebenen zensur verpflichtet — ist ein rohrkrepierer vom feinsten. Das fratzenbuch hat zum beispiel folgenden „hasskommentar“ gelöscht (und den kommentator gesperrt):

Die Deutschen verblöden immer mehr. Kein Wunder, werden sie doch von linken Systemmedien mit Fake-News über ‚Facharbeiter‘, sinkende Arbeitslosenzahlen oder Trump täglich zugemüllt

Und dann meinte das landgericht berlin dazu, dass es sich um eine vielleicht unterkomplexe und dumme, aber dennoch zulässige meinungsäußerung handele und setzte eine richterunterschrift mit gerichtsstempel unter eine einstweilige verfügung [archivversjon]. Meiner auffassung nach übrigens zu recht, denn die freiheit der meinungsäußerung gilt natürlich auch für dumme oder sehr zugespitzt formulierte äußerungen, ansonsten wäre sie nämlich völlig wertlos. (Das in der übelschrift der tagesschau-meldung gewählte wort vom „pöbelkommentar“ ist die in scheißjornalistenkreisen übliche form der psychischen manipulazjon durch wertenden wortgebrauch in scheinbar sachlichem kontext.) Wenn dann auch noch einer trolls genug ist, zum anvergewalt zu gehen und seine kommentarmöglichkeit gerichtlich durchzusetzen, als sei die fratzenbuch-teilhabe ein unabdingbares menschenrecht, löst das in mir vor allem eine leichte heiterkeit aus. Vermutlich sind die richter auch ein bisschen fratzenbuchsüchtig.

Auch bei Hadmut Danisch ist fühlbar etwas heiterkeit ausgebrochen.

Aber in der folge solcher vorgehensweisen wird dem fratzenbuch immer mehr die verfügungsgewalt darüber entzogen, was menschen auf seiner webseit kommunizieren dürfen (sozusagen das äkwivalent zum hausrecht). Und das ist ziemlich gaga, zumal jeder mensch mit leichtigkeit, wenig technischem wissen und sehr geringem finanzjellen aufwand selbst eine webseit aufmachen kann. Noch. Bis einem irgendwann die rechtsprechung die verfügungsgewalt über die eigene webseit immer mehr wegnimmt… nein, nicht bei klar strafbaren dingen, sondern bei meinungsäußerungen. 😦

Nachtrag: was mir die kwalitätsmedien nicht mitgeteilt haben, aber dafür telepolis, das ist die kleine sammlung von fratzenbuch-sperrungen durch den anvergewalt, der diese einstweilige verfügung erstritten hat. Leider nicht ohne javascript benutzbar, und mit javascript-träcking-kohd von fratzenbuch und guhgell. Aber ihr wisst ja, wie das geht mit noscript (oder mit umatrix)…

Bitter!

Ist denn heises telepolis der letzte contentindustriell-jornalistische ort geworden, an dem noch jemand das recht verteidigt, seine meinung frei äußern zu können? [Sehr langer text…]

Unterdessen ist es zurzeit beim deutschsprachigen lösch- und fratzenbuch unter den sprachreinheitsfantasien unseres werten herrn bummsjustizministers Heiko Maas eine schnell gelöschte form der „hassrede“, wenn man in einem pohsting oder kommentar von einigermaßen sichtbarkeit reinschreibt, dass man ebendiesen herrn Maas für inkompetent hält. Willkommen in der DDR 2.0, und bedankt euch bei euren scheißjornalisten, die das überwiegend total toll finden!

Web-3.0-geldherrschaftswillkür des tages

Menschen systematisch informazjonell fertigmachen, weil sie eine schlechte rezension über einen im internetz geschrieben haben. Natürlich mit strafzahlungsforderung und verweis aufs kleingedruckte, gegen das mit so einen unverschämten, aber unglücklicherweise nach US-verfassung noch geschützten akt der mitteilung aufs scheußlichste verstoßen wurde. Wie gut für den armen, entrechteten kaufmann, dass man jenseits des rechtes einfach eine geldforderung behaupten kann und damit bei den auskunfteien der banken ankommen kann!

Aber hej, heise, euch ist schon klar, dass es auch in der BRD zu völlig unberechtigten schufa-einträgen kommt (von unbekannteren auskunfteien einmal völlig abgesehen) — und zwar ohne, dass die davon betroffenen bei dieser art von datengewalt auch nur eine schangse haben, ein einigermaßen angemessenes schmerzensgeld für die meist unerfreulichen folgen einzuklagen.

Was heise übrigens nicht schreibt: es handelt sich um diesen anbieter hier. Und nicht, dass ich besonders viel von „web of trust“ halten würde, aber auch da hat sich dieser laden schon einen tollen ruf erworben. Da besteht also noch viel möglichkeit, ganz vielen leuten den mund wegzuklagen! Das wird bestimmt irre gut fürs geschäft, wenn sich das rumspricht. :mrgreen: