TLP des tages

TLP noch nie gehört? Die wicked pedia hat eine erste einführung. Ja, heute mal ein bisschen anomalistik. 😉

Eine mögliche erklärung für TLPs, die von apollo-besatzungen vor allem im orbit gesehen wurden, könnte durch sonnenwind elektrostatisch geladener mondstaub sein, der aufgrund von abstoßung in der schwebe über den mondboden gehalten wird. Eventuell erklärt das auch einige… ähm… etwas seltsame beschreibungen der krater picard, proclus und peirce im mare crisium durch den apollo-astronauten Alfred M. Worden, der tagelang im orbit war und filme mit den damals teuersten fotos der welt vollgemacht hat (hervorhebung von mir):

It is almost like flying above a haze layer and looking down through the haze at the surface. Ejecta from that crater (Proclus) does not look like it is resting on top of Crisium. It looks like it is suspended over it

(Ich kann leider keine kwelle im web verlinken. Das zitat ist aus El Baz, Worden et al., The Proceedings of the 3rd Lunar Science Conference, 1972, page 95). Viel glück im antikwariat!)

Es muss ein sehr subtiler effekt sein. Auf einem typischen apollo-foto fällt nichts ungewöhnliches auf, und das von Worden im überflug genommene foto gibt zwar einen eindruck davon, was den astronauten so überrascht hat, dass er eine ungewöhnlich lebhafte beschreibung von oberflächenmerkmalen gab, aber es ist im vergleich zu seiner beschreibung doch eher unterwältigend. Aber wenn man darüberfliegt und es durch den parallaxeneffekt auffällig wird, dass dort etwas „in der luft“ zu schweben scheint, ist das für einen atmosfärelosen steinbrocken ohne vulkanismus eben sehr auffällig und unerwartet, und ich kann mir durchaus vorstellen, wo da die erregung herkommt.

Andere leute wie Richard Hoaxland haben regale voll mit sach- und lachbüchern verkauft, dass es sich um ruinen früherer zivilisationen handele, deren eingestürzte glaskuppeln… ach, das findet ihr selbst, denn davon ist das web voll. Und natürlich vertuscht die NASA das alles. Und natürlich heißt der geschäftstüchtige spinner, der so vertrefflich mit fotoschopp die wahrheit aus den apollo-fotos rausgeholt hat, in wirklichkeit „Hoagland“, nicht „Hoaxland“. Nur, falls wirklich jemand danach suchen möchte. 😉

(Es kann durchaus unterhaltsam sein, aber es ist oft auch sehr langatmig und öde, mit ausflügen über zahlenmystik und überinterpretierten JPEG-artefakten und ganz vielen erdrückenden beweisen.)

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Ein kandidat für das verstörendste bild der mondoberfläche

Gelangweilt von den ganzen „anomalien“ irgendwo im weltraum, die fast immer nur wenige pixel „groß“ und nicht wirklich gut erkennbar sind? Mal etwas beeindruckenderes als die „langweiligen“ apollo-fotos sehen? Ein guter kandidat für das verstörendste bild der mondoberfläche ist die seltsame, scheinbar leuchtende, entladungsartige struktur im apollo-16-panoramabild AS16-P-4095. (Die verlinkte seit benötigt flash.) Leider kann ich dort nicht direkt den ausschnitt verlinken, den ich meine, und deshalb habe ich hier mal ein bildschirmfoto hochgeladen.

Was das ist? Keine ahnung. Meine spekulazjonen? Nun… wenn man sich diese scheinbare entladung genauer anschaut, fällt auf, dass sie unscharf ist, während die details der mondoberfläche scharf sind. Sie wird also nicht auf der mondoberfläche stattfinden, sondern deutlich näher an der kamera. Auf der oberfläche würde sie wohl auch ein paar von den oberflächenstrukturen im schatten sichtbarer machen. (Das ist allerdings nicht sicher, kein film ist unendlich lichtempfindlich.) Wahrscheinlich scheint mir, dass da irgendwas zwischen dem film und der mondoberfläche aufgenommen wurde. Wenn das foto durch eine glasscheibe aufgenommen wurde, könnte es sich zum beispiel um eine irgendwie hervorgerufene entladung statischer elektrizität handeln. Oder vielleicht auch um eine beschädigung des filmmaterjales durch strahlung. Beides sollte, wenn die schnell aus den fingern gesogene erklärung zutrifft, häufiger als nur einmal passiert sein, aber natürlich werden für die pressearbeit — und damit für das mir vertraute bild vom mond — fotos ohne derartige artefakte ausgewählt, so dass ich nicht abschätzen kann, wie häufig solche seltsamen fotos sind. Und nein: ich bin nicht gewillt, das ganze verdammte archiv der NASA durchzugehen. Und möglicherweise werden derartige erscheinungen im regelfall von der hellen mondoberfläche überstrahlt und sind gar nicht sichtbar (oder eben nur mit gewissem aufwand sichtbar zu machen). Hier sieht es ja auch ein kleines bisschen danach aus, als ob die lichtschwache fortsetzung nach links oben noch ein stück weit in die erwartungsgemäßen krater und hügel hineinginge, aber dort eben nicht mehr sichtbar, sondern überstraht wird. Dass da ein LTP aufgenommen wurde, erscheint mir sehr unwahrscheinlich. Aber solange niemand halbwegs sicher weiß, was ein LTP ist¹, solange weiß auch niemand, wie es „aus der nähe“ aussehen würde…

¹Ich tippe auf multikausale gründe für LTPs. Kleine einschläge, die in der nähe des terminators staub so hoch auswerfen, dass er von der sonne beschienen wird; vielleicht gelegentlich auch ausgasende substanzen nach kleineren, ansonsten von der erde aus unbemerkten einschlägen; dazu vielleicht ein minimaler restvulkanismus.

Spuren im staub

Ich sags ja ganz ehrlich, dass ich es sehr beeindruckend finde…

LGS-foto von der apollo-14-landestelle mit erkennbaren fußspuren der selenonauten

…wenn mir die NASA ein derartiges foto präsentiert, das vom „lunar reconnaissance orbiter“ aus der mondumlaufbahn heraus gemacht wurde. Die auflösung ist einfach nur überwältigend, und die fußspur des selenonauten (Astronaut? Für den hüpfer? Nimmer!) ist deutlich erkennbar.

Ich frage mich allerdings auch, ob ein solches foto fysikalisch möglich ist. Ich habe gerade keinen guten internetz-zugang (nur ein modem) und kann deshalb nicht so einfach die sehr fette homepäjtsch der NASA aufrufen, um mir mal die technischen daten der sonde anzuschauen, sonst hätte ich es jetzt einfach ausgerechnet.

Die sonde befindet sich ja in einer gewissen höhe über der mondoberfläche, und in alleiniger abhängigkeit von dieser höhe hat sie eine gewisse geschwindigkeit, mit der sie den mond umläuft. Die kamera benötigt für ihre aufnahmen eine gewisse belichtungszeit, und innerhalb dieser zeit bewegt sich die sonde also mit einer leicht berechenbaren geschwindigkeit um eine ebenfalls leicht berechenbare strecke auf ihrer bahn um den mond. Dabei entsteht durch die bewegung der sonde eine gewisse unschärfe des bildes, welche die erzielbare auflösung beschränkt. Für eine genaue berechnung müsste auch die eigenbewegung des mondes berücksichtigt werden, doch da sich der mond in knapp einem monat einmal um seine axe dreht, ist diese bewegung sehr langsam und damit in einer ersten näherung völlig ignorierbar. Wenn jemand die muße hat, schaue er bitte mal auf der webseit der NASA nach (die technischen daten einer missjon sind immer irgendwo veröffentlicht, aber die muss man schon ein bisschen suchen) und rechne das durch, denn ich werde in den kommenden zwei bis drei wochen nicht dazu kommen. Nicht, das ich ein anhänger der vielen teorien zu einer apollo-verschwörung bin, aber ich bin von dieser bildauflösung so beeindruckt, dass sich in mir echte zweifel regen, ob sie überhaupt möglich ist.

Und außerdem: es wäre doch zu herrlich, wenn man der NASA eine fälschung durch einfache fysik-kenntnisse und einen taschenrechner nachweisen könnte. Wann kann man schon einmal mit so wenig aufwand eine leistung erbringen, die gewiss weltweit wellen schlagen wird? 😉

(Und nein, ich bin wirklich kein anhänger der teorien einer apollo-verschwörung. Eine solche hätte die damalige sowjetunion mit großem genuss und angemessener häme auffliegen lassen. Ich bin nur manchmal etwas „übertrieben“ kritisch, wenn mir etwas „spanisch“ vorkommt, mehr nicht. Und mit genau dieser haltung habe ich es in meinen fähigkeiten zur einsicht weit gebracht…)

Zum abschluss dieser kleinen betrachtung noch mein linktipp gegen die allgemeine apollo-hysterie: „Entmannte Raumfahrt?“ bei Kritisch gedacht