Opportunisten des tages

Pharmakonzern legt Preis für Remdesivir auf 390 US-Dollar pro Ampulle fest

Nach Schätzungen liegen die reinen Herstellungskosten bei 0,93 US-Dollar

Oder anders gesagt: die hätten unter dem wehen banner des „geistigen eigentums“ auch sehr ordentlich reibach gemacht, wenn der preis bei fuffzehn dollar pro ampulle gelegen hätte. Selbst, wenn sie die industrielle produkzjon des medikamentes nicht nach indien verlagert hätten und etwas für die binnenwirtschaft der USA getan hätten. Aber habt ihr jemals gehört, dass ein scheißvampir gesagt hat „ich bin satt, ich will nie wieder blut saugen“? Natürlich nicht. Der vampir lässt das blutsaugen nicht.

Und nein, für dieses medikament wurde nicht großartig neu geforscht und es musste kein neuer synteseweg gefunden werden. Es war schon da. Es bekommt „nur“ ein neues anwendungsgebiet, nachdem ein bisschen damit rumexperimentiert wurde, ob es gegen scheißcorona hilft — und da wurde mit so ziemlich jedem wirkstoff mal rumexperimentiert. So entsteht „geistiges eigentum“. Und so wird es von vampiren genutzt, um mehr blut saugen zu können. Gruß auch an die börsenkasinos, riesterrentner und an das wirtschaftswaxtum!

Coronamedikament des tages

Haben euch die scheißjornalisten gestern auch aus irgendeiner dabei natürlich nicht benannten PResseerklärung wiedergegeben, dass die „erfahrungen mit remdesivir in der corona-behandlung ermutigend seien“? Natürlich ohne jede relativierung, sind ja scheißjornalisten, die fürs abschreiben, für werbeplatzvermarktung und für clickbait bezahlt werden. Einfach nur, um euch ein bisschen dumme hoffnung zu machen und euch damit zum klicken zu bringen. Ich befürchte, da gibt es richtig schlechte nachrichten, aber die sind dafür leider echt:

Enttäuschung und Hoffnung zugleich: Der gegen Covid-19 getestete Wirkstoff Remdesivir hat sich in zwei Studien als nur mäßig wirksam erwiesen. Demnach verkürzt das Mittel die Krankheitszeit um wenige Tage und scheint auch die Todesrate leicht, wenn auch nicht signifikant zu senken

Die frase „nicht signifikant“ bedeutet hier: dermaßen geringfügig, dass man den scheinbaren „behandlungerfolg“ nicht von zufällen unterscheiden kann.

Und jetzt noch einmal zur verkürzung der krankheitszeit. Auch dieser „behandlungserfolg“ ist am äußersten rand der messbarkeit, aber immerhin etwas belastbarer als die senkung der letalität:

In beiden Studien zeigte Remdesivir einen leicht positiven Effekt, der aber geringer ausfiel als zuvor erhofft. Demnach erholten sich die Patienten mit dem Mittel einige Tage schneller als mit Placebo – in China waren es 18 gegenüber 23 Tagen, in den USA waren es elf Tage gegenüber 15 Tagen in der Placebogruppe. In China reichten diese Unterschiede jedoch nicht aus, um statistisch signifikant zu sein, in den USA schon

So viel zu den „hoffnungsmeldungen“ der jornalisten. 😦

Übrigens: ich kann im moment nur dringend empfehlen, sowohl scinexx als auch die spektrum der wissenschaft in die fiehdrieder aufzunehmen. Beide publikazjonen sind deutsch, tagesaktuell, für gebildete menschen recht gut verständlich und machen seriösen wissenschaftsjornalismus, auf den man sich ein bisschen verlassen kann. Scinexx ist sogar so seriös, dass die wissenschaftliche kwelle des berichtes regelmäßig mit DOI angegeben wird, so dass man bei bedarf oder tieferen interesse auch die „harte“ literatur (zum beispiel in einer universitätsbibliotek oder über sci-hub) lesen könnte. 👍

Ich habe keine ahnung, warum die meisten leistungsschutzrechtgeschützten jornalisten ihre kwellen vor den lesern verschweigen. Oder sagen wir es mal so: ich habe da schon eine ahnung, warum die tintenklexenden DPA-abschreiberlinge das genau so machen und die ist auch recht präzise, aber wenn ich die unbelegt äußere, werde ich gleich wieder als verschwörungsteoretiker (also als „geisteskranker nazi“ mit nähe zu flacherdlern, reichsbürgern und preppern) beschimpft, der haltlose unterstellungen verbreitet.