Der postilljon mal wieder

Im letzten Moment wurde die bis dato noch unbekannte Partei „Ja, ich nehme am Gewinnspiel teil“ vom Bundeswahlleiter zugelassen

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Brüller des tages

Wenn schon die bummstagswahl mit der einen, alternativlosen kanzlerin so interessant wie die betrachtung eines testbildes ist, dann müssen wenigens ein paar realsatiren her — aber erstmal die satire, die auf den heise-verlach zurückgeht:

Für die Auswertung hat das statistische Bundesamt die Analyse folgender Daten berücksichtigt: – Ihre Kommentare, Postings und Likes auf Facebook und Twitter zwischen dem 1. September 2020 und 31. August 2021; – von uns ermittelte Wahlschätzungsprofile anderer wahlberechtigter Bürger*innen, mit denen Sie im o. g. Zeitraum per Telefon, E-Mail oder WhatsApp kommuniziert haben; – auf Sie zugeschnittene Microtargeting-Kampagnen der Parteien auf Facebook und anderen Plattformen für den Bundestagswahlkampf (siehe Anhang S. 106); – Ihr Wahlverhalten in den vorherigen Wahlen (siehe Wahlhistorie, Anhang S. 112)

Nun, da hat jemand einfach ein paar jahreszahlen geändert und dann ab damit in die briefkästen… oder, um es mit dem vizeersatzpressesprecher des werten herrn bummswahlleiters zu sagen:

Da muss einer wirklich Aufwand betrieben haben

Diesen „wirklichen aufwand“, um irgendwelche schon längst fertig geschriebenen nachrichten in irgendwelche briefkästen durch nutzung des einwurfschlitzes zu verklappen, betreibt übrigens jeder verdammte pizzabringdienst mindestens einmal pro woche, und die altpapiertonnen sind voll davon. Der letzte müllmannbeschäftigungsmann, den ich angesprochen habe, konnte zwar kaum deutsch, aber ich habe trotzdem noch aus ihm rausgekriegt, dass er in hannover-döhren zweitausend zettel für acht øre zugestellt hat. Der hat nicht danach gefragt, was auf den zetteln draufsteht. Der konnte das nicht einmal flüssig lesen. Der hätte für ein paar scheißøre alles in irgendwelche briefkästen gesteckt, einfach nur, weil er sich durchschlagen muss. Aber solche einblicke in das alltagsleben der menschen in der BRD hat man in der parallelgesellschaft des BRD-p’litikbetriebes schon lange nicht mehr. Und dann sieht alles nach „hohem aufwand“ aus, was das vorstellungsvermögen dieser volxfernen menschenfeinde übersteigt.

Endlich! Altersarmut besiegt!!1!ölf!!!

Ist das die ultimative Lösung gegen Altersarmut? Die Bundesregierung will Arbeitslose und Geringverdiener ermutigen, exzessiver zu leben und jünger zu sterben – am besten vor Abschluss des 67. Lebensjahres. Zur Förderung des dafür nötigen selbstzerstörerischen Lebensstils plant die Regierung eine Kombination aus Steuererleichterungen, Gesetzeslockerungen und einer Werbekampagne mit dem Titel „Live fast, die young!“

Bwahahahaha! Der postilljon mal wieder!

Die gute und die schlechte nachricht…

Erst die gute nachricht:

Die gesamte deutsche Verwaltung soll digitalisiert werden und in ein Portal kommen. Und alles soll mit drei Klicks erreichbar sein

Das wäre ja durchaus mal ein fortschritt.

Wenn es auch nicht ein zehntel so toll ist, wie es in der (mutmaßlich direkt aus der PResseerklärung abgeschriebenen) zusammenfassung klingt:

Einige hundert der rund 5.500 deutschen Verwaltungsverfahren sollen in den nächsten Jahren digitalisiert werden

Aber hej, das ist auch etwas. Niemand geht gern mit ausgefülltem papier zu behörden und verplempert dort mehrere stunden seiner begrenzten lebenszeit mit warten, nur, um dann zu sehen, wie dort jemand anders das formular in den kompjuter abtippt, um den vorgang zu bearbeiten. Denn so verwaltet man zurzeit in der BRD. Es ist eigentlich erstaunlich, dass dabei keine lochkarten mehr benutzt werden… :mrgreen:

Und nun die schlechte nachricht: dieser fortschritt kostet auch so ein paar øre. Genau gesagt: er kostet laut projektplanung eine halbe scheißmilljarde scheißeuro! Ja, fünfhundert milljonen øre kostet das.

Wie kriegen die eigentlich immer solche mondpreise für die kosten hin?

Ich wage jetzt eine profetische voraussage — das ist ja immer sehr schwierig, wenn es dabei um die zukunft geht: man wird in vier jahren, wenn das projekt eigentlich schon zwei jahre fertig sein sollte, feststellen, dass es in der praxis nicht brauchbar ist, aber dass es leider schon vier bis fünf milljarden øre gekostet hat, so dass man es auch nicht einfach wieder einstellen möchte, sonst wäre es ja schade um das schöne geld und den erreichten (völlig unbrauchbaren) projektstand. Und dann wird nachgebessert und nachgebessert und nachgebessert, für insgesamt weitere vier bis fünf milljarden øre. Und dieses ganze geld wird an t-systems, siemens und die sonstigen üblichen verdächtigen in der bananenrepublik korruptistan gehen (vielleicht sogar an BRD-autobauer, wenn keiner mehr ihre rostbleche mit betrugssoftwäjhr kauft). Zu guter letzt wird es doch durch ein halbwegs brauchbares system abgelöst, dass nochmal einige milljarden øre kostet, die ebenfalls an t-systems, siemens und die sonstigen üblichen verdächtigen in der bananenrepublik korruptistan gehen — und dieses dann endlich in zehn jahren fertiggestellte, doch halbwegs brauchbare system wird mit dem beginn der abrissarbeiten am berliner fluchhafen unter dem beliebten bundeskanzler Cem Özdemir (dieser ist inzwischen in die bundesweit zur wahl antretende CSU eingetreten; sein überall plakatiertes wahlkampfmotto lautete: die neue kraft für deutschland; das p’litische motto seiner amtszeit ist: es gibt keine alternative) in betrieb genommen. Während der inbetriebnahme stürzt eine marode schule in der BRD ein und begräbt vierzehn schulklassen unter trümmern, eine längst alltäglich gewordene nachricht, die niemanden mehr aufregt…

Ich kann leider nicht davon ausgehen, dass ich selbst in zehn jahren noch am zucken bin und eine derartige realsatire erlebe¹, aber vielleicht erinnert sich ja jemand an meine kleine, defätistische vorhersage und trägt dann ein genau so ersticktes lachen mit sich herum wie ich es heute schon beim lesen solcher meldungen trage…

¹Der immer wieder auffallend ambizjonierte Cem Özdemir als CSU-mitglied und kanzler entspringt nur meiner kranken fantasie, der rest ist allerdings aus bisherigen projekten mit verwaltungshintergrund absehbar.