Jornalismus des tages

Die Redakteure von ZEIT und Merian sollten das zwar für sich durchaus kritisch sehen, da einen Text veröffentlicht zu haben, bei dem jeder, der mit dem Thema vertraut ist aufstöhnt und auf Anhieb ein halbes Dutzend grober Fehler findet. Aber ich sehe es hier mal positiv: Daran lässt sich nämlich schön illustrieren, warum wir Wissenschaftsjournalist*innen brauchen, die sich mit den Themen, über die sie schreiben, auch auskennen

[Archivversjon]

Wenn jornalisten — und keineswegs nur wissenschaftsjornalisten — sich mit den temen, über die sie schreiben, auskennen würden, dann wäre mein tonfall gegenüber diesem gleichermaßen hochmütigen wie dummen geschmeiß schon viel sanfter. Aber immer, wenn ich mich in einem gebiet auskenne, stelle ich fest, dass der jornalist weder kenntnisse noch lust auf reschersche hat, nicht einmal auf diese minimalreschersche durch kurzen blick in die wicked pedia.

Aber warum sollte sich so ein scheißjornalist für seine wegwerftexte auch mühe geben. Die dienen schließlich nur als köder, um die leute zum eigentlichen geschäft der contentindustrie zu holen: zur scheißreklame. 🎣

Da hätte ich dann auch keine richtige lust mehr, mir mit dem schreiben mühe zu geben. Und genau so sieht die leistung von scheißjornalisten regelmäßig aus.

Gesundheit des tages

Nachdem hunderttausende von menschen mit ihren essstörungen in „psychosomatischen kliniken“ unter verbrennung erheblicher gelder aus der krankenversicherung systematisch psychisch gefoltert und entweder in den wahnsinn, die esoterik, in jahrelange terapiesucht oder auch mal in den freitod getrieben wurden, zeigt sich, dass es möglicherweise körperliche ursachen für essstörungen gibt.

Mädchen, die auf Grund einer schweren Infektion ins Krankenhaus eingeliefert worden waren, hatten anschließend ein um 22 Prozent höheres Risiko, eine Magersucht (Anorexia nervosa) zu entwickeln. Das Risiko für eine Bulimie stieg um 35 Prozent und das für andere, nicht näher spezifizierte Essstörungen um 39 Prozent im Vergleich zu Probandinnen, die nicht stationär behandelt werden mussten. Ein ähnlicher Trend zeigte sich im Hinblick auf die Behandlung mit antiinfektiösen Medikamenten wie zum Beispiel Antibiotika: Teilnehmerinnen, die drei oder mehr Rezepte für solche Mittel erhalten hatten, erkrankten später häufiger an Essstörungen als Personen, denen diese seltener verschrieben worden waren. Das Risiko war innerhalb der ersten drei Monate nach der Aufnahme ins Krankenhaus oder dem Einlösen eines entsprechenden Rezepts am größten

Auch weiterhin viel spaß mit der krankenversicherungsfinanzierten folter so genannten psychoterapien!

Und nun zu den wissenschaftsmeldungen

Hier ein kleines leckerli für alle menschen, die glauben, dass wir innerhalb einer kompjutersimulazjon existieren: der niederländische fysiker und nobelpreisträger Gerardus ‘t Hooft geht davon aus, dass das universum ein zellulärer automat ist.

Ich finde das übrigens einen interessanten gedanken, stelle aber fest, dass es dann je nach geometrischer anordnung der zellen „bevorzugte richtungen“ der informazjonsausbreitung geben müsste, und das widerspricht zumindest dem bild des kosmos im großen, denn der verhält sich nach allen richtungen gleich. Allerdings gibt es keinen grund, warum die zellen nicht in einer mehrdimensjonalen regelmäßigen anordnung vorliegen sollten, und der für uns beobachtbare kosmos wäre ein dreidimensjonaler schnitt in dieses gebilde. Dabei könnten schon im vierdimensonalen fall sehr überraschende muster entstehen (inbesondere solche, die symmetrisch sind, sich aber nirgends im raum wiederholen), und für fünf dimensjonen würde ich keine aussage wagen, was für eigenschaften solche schnitte haben könnten.

Herr ‘t Hooft ist mir allein deshalb schon sehr sympatisch, weil er an einen vollständigen determinismus allen geschehens glaubt und deshalb auch die illusjon der „willensfreiheit“ ablehnt. 😉

Und nun zur wissenschaft

Huch, da guckt man mal anderthalb tage nicht in die webseit der spektrum und kriegt gar nicht mit, dass mal wieder die riemannsche vermutung bewiesen wurde. So sehr ich mir wünsche, dass der beweis korrekt ist…

Die einzelnen mathematischen Umformungen nahmen nur drei Zeilen in Anspruch. Damit hatte niemand gerechnet

…so gering ist mein glaube daran. Alles weitere gibt es dann in nächsten tagen wohl von richtigen matematikern. 😉

Wer nicht weiß, was die riemannsche vermutung ist: der wicked-pedia-artikel ist zwar inhaltlich korrekt, aber setzt vorkenntnisse oder lesebereitschaft voraus. Wer etwas englisch kann und einen etwas anschaulicheren zugang zur zeta-funkzjon sucht, sollte sich vielleicht dieses beachtliche video von 3blue1brown anschauen. Aber selbst dafür sollte man schon einmal von komplexen zahlen gehört haben…

Und nun zum spocht…

Milliarden Euro wurden in den letzten Jahren für die Fußballweltmeisterschaft und die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro ausgegeben – nicht nur für dringend notwendige Infrastrukturmaßnahmen, sondern auch für Sportstätten, die seitdem überwiegend nicht mehr genutzt werden und verfallen. Selbst das legendäre Maracana-Stadion – Schauplatz des WM-Finales – verrottet langsam und wird nicht einmal von einer der zahlreichen großen Mannschaften Rios genutzt. Für das Nationalmuseum gab es dagegen nicht einmal Brosamen. Die Wissenschaftlerin Ana Lucia Araujo twitterte, wie sich das Budget des Museums in den letzten Jahren entwickelte: Der ohnehin für eine derart bedeutende Sammlung niedrige Etat wurde immer wieder drastisch beschnitten […] Erst kurz vor dem Brand habe man eine Zusage der staatlichen Entwicklungsbank für einen Kredit zur Feuerprävention heraushandeln können

Gruß auch an die organisierte kriminalität des IOC und der FIFA und alle ihre unterstützter aus den p’litischen klassen dieser wegwerfwelt!

Eine gute nachricht für kaffeetrinker

Kaffee verlängert das Leben – sogar wenn man sehr viel davon trinkt. Entkoffeinierter Kaffee gilt auch

Ich bin immer sehr ungläubig bei solchen langfristigen lebensmittelstudien. Ihr wisst ja: wer eine korrelazjon findet, denkt sich die kausalität gern aus. Immerhin ist die spektrum der wissenschaft ebenfalls zurückhaltend in ihrer berichterstattung, die bullschitt-jornalisten werden das ganz anders vermelden. (Im moment sind die aber alle mit Seehofer und Merkel beschäftigt.)

Schräge spekulazjon des tages

Dinosaurier auf zwei Beinen, die eine globale technische Zivilisation errichteten, einen geologischen Wimpernschlag lang den Planeten dominierten und dann wieder verschwanden – würden wir von ihnen wissen?

So als kleine desillusjonierung für alle, die glauben, ihr leben würde irgendwelche spuren hinterlassen… 😉

Lobende erwähnung

Während angesichts des „bundeshäx“ ahnungslose propagandajornalisten im vorkriegsmodus nebst intelligenzverachtenden p’litbratzen zur abfuhr ihres kontextfreien sprechreflexes rumseiern, dass einem beim zuhören das kleinhirn aus den ohren läuft, hat Ulrich Greveler mal das getan, was eigentlich jeder jornalist tun sollte und eine kurze liste der gesicherten fakten mit ebenso kurzen erläuterungen zum laufenden kräckerangriff auf die bummsregierung verfasst. Danke dafür! 😉

Das erste heroin war und ist immer umsonst…

Der Pharmakonzern bewarb seinen neuen Heilsbringer mit einer aggressiven Kampagne: Mehr als 30 000 Gutscheine verteilten seine Vertreter an die Ärzteschaft. Mit den Coupons konnten sich Patienten damals ihre erste Ration gratis abholen

…und wenns von einem drogenhändler in weißem kittel gegeben wird, stört sich auch niemand dran. Dieser US-krieg gegen die drogen ist ein totaler erfolg gewesen, die knäste sind voller kiffer, und die ärzte setzen ihre pazjenten massenhaft auf opioide. Verbessert ja auch die kundenbindung. Ganz großes kino!

Prof. dr. Offensichtlich

Prof. dr. Offensichtlich, der forsche forsche an allen fronten der wissenschaft, hat rausgekriegt, dass halluzinogene drogen nicht für jeden geeignet sind und bei einigen menschen mit bestimmter persönlichkeit böse nach hinten losgehen können. Die welt wird niemals wieder die gleiche sein! Und jetzt der oberhammer:

Da psychisch belastete Patienten in der Regel auch emotional instabil sind, wird von Experimenten in Eigenregie allerdings abgeraten

Ein hoch der wissenschaft! :mrgreen: