Fratzenbuch über TOR nutzen…

Eine tolle idee für mehr privatsfäre und wisst schon: man kann das fratzenbuch jetzt auch über eine darknet-adresse via TOR nutzen.

Ich kann mir so richtig die zielgruppe für dieses tolle angebot vorstellen. Mitglieder dieser zielgruppe sehen die startseite vom fratzenbuch, wenn sie nicht angemeldet sind, lesen den text der marke „wir wollen deinen realnamen, damit du dich anmelden kannst, und jetzt teil uns mal mit, was du gerade machst, was du gemacht hast, such dir deine freunde bei uns zusammen, damit wir auch wissen, mit wen du das machst und gemacht hast und lade am besten noch ein paar fotos mit dir und deinen freunden hoch und markier deine freunde auf den fotos“; melden sich an und tun das alles… und sagen sich: „Juchu, ich bin anonym im fratzenbuch!“

Es sind ganz harte zeiten für satiriker…

(Die idjoten, die das wirklich machen und damit einen brauser-fingerprint und ein fratzenbuch-cookie fürs fratzenbuch und damit für die NSA einer sehr konkreten person zuordnen, brauchen kein anonymisierungsnetzwerk, sondern eine porzjon handelsübliches gehirn.)

Zitat des tages

Es darf keine freien, anonymen Räume geben

Und hej ja, wer sich mit anonymisierung und verschlüsselung beschäftigt, ist ein extremist. Da ist es nur noch eine frage der zeit, bis aus den rechtsfreien räumen der horch- und morddienste der ferngesteuerte mordroboter — von p’litlügnern und den schreibtischtätern einer hirnfickenden arschlochpresse als „drohne“ verniedlicht — vorbeigeflogen kommt und für sicherheit sorgt.

Immer dran denken, überwachter: du bist terrorist.

Übrigens: Fefe hat seine zweifel. Ich habe bei der geschichte nur meine zweifel daran, dass ein BRD-kwalitätsjornalist den unterschied zwischen einer konfigurazjonsdatei, einigen skripten zur steuerung der softwäjhr¹ und einem kwellkohd der softwäjhr kennt. Ich kenne schließlich die kwalitätsjornalisten hier in der BRD, die unbeleckt von auch nur spuren von sachkenntnis über jedes tema schreiben.

Nachtrag 23:00 Uhr:

Die im Videobericht zu sehenden Unterlagen wurden mir für die Dauer des Interviews vorgelegt. Dort habe ich Quelltexte (tatsächlichen Programmcode in einer mir unbekannten Sprache, mit C++-Einschüben) gesehen, die offensichtlich XKeyscore-Plugins darstellen. In diesem Quelltext, dessen Qualität ich als generell minderwertig einschätzen muss (widersprüchliche Kommentare, Datenkopien mit Fehlern, etc) befand sich tatsächlich fest einkodiert die IP-Adresse meines Servers. Verweise auf eine externe Konfigurationsdatei habe ich keine gesehen.

¹Foto vom „kwelltext“ via netzp’litik.org

Überwachung des tages

Eine Vertreterin des Justizministeriums sei auf die Kernentwickler zugekommen und habe davon gesprochen, dass der US-Kongress Washington das Recht gegeben habe, „alles mit Hintertüren zu versehen“

Wer das liest, wird ja fast ein wenig froh, dass in einer zeit, in der jeder (spätestens in vier jahren zum weihnachtsgeschäft verfügbare) multimediale klopapierabroller einen internetz-zugang „benötigt“, ein großteil der so genannten „unterhaltungselektronik“ in china gebaut wird… moment… 😦

Die USA haben…

Die vereinigten staaten eines teils von nordamerika haben die NSA und das FBI, und diese haben PRISM und „XKeyScore“ zur verfügung und überwachen das gesamte internetz und jeden menschen anlasslos — aber einen schwerverbrecher ermitteln sie dann schließlich, weil er einmal dummerweise eine guhgell-mäjhladresse angab, die seinen echten namen enthielt. Besser kann man die polizeiliche und geheimdienstliche sinnlosigkeit und folglich unverhältnismäßigkeit der weltüberwachung durch die USA auch nicht mehr kommentieren, als es solche pressemeldungen tun.

Realsatire des tages

Realsatire des tages: ein NSA-kritisches buch beim datensammler, träcker und NSA-belieferer „amazon“ verkaufen. [Achtung! Link geht zu Amazon!]

Um die realsatire ein bisschen zu krönen: dieses blog liegt bei wordpress.com, und natürlich untersteht auch automattic dem „patriot act“ und ist somit gesetzlich verpflichtet, die US-dienste zu beliefern. Jeder sollte genau wissen, dass die NSA an einem der wichtigsten anbieter kostenloser blogs großes interesse haben wird und deshalb eine langfristig gespeicherte „sicherheitskopie“ der websörver-logs anlegen wird. Da steht mindestens für jeden aufruf die uhrzeit, die aufgerufene seite, die IP-adresse und der referer drin. Die IP-adressen allein ermöglichen, wenn sie aus vielen kwellen zusammenfließen, schon einmal ein aussagekräftiges profil von webnutzung und interessen, das für sich allein noch keiner person zugeordnet werden kann. Wenn dies mit daten von personalisierten nutzungen mit der gleichen IP-adresse zusammenfließt, etwa dem aufruf von guhgell, fratzenbuch, twitter etc., während man dort eingeloggt ist, oder auch nur mit dem betrachten einer seite, die den so genannten „button“ drin hat, ist oft eine zuordnung zu einer konkreten person möglich, über die aus der datensammlung leicht weitere informazjonen ermittelt werden können — nur eine von mehreren leuten genutzte IP-adresse macht diese zuordnung etwas kniffliger (aber keineswegs völlig unlösbar, da die interessenprofile recht ausdrucksstark und damit für gut entworfene heuristiken zugänglich sein dürften).

Wer aus irgendeinem grund nicht will, dass bei US-geheimdiensten ein persönliches profil von ihm entsteht, benötigt entweder einen vertrauenswürdigen proxy oder muss für zusätzliche verschleierung durch das tor-netzwerk sorgen. Letzteres ist ziemlich, aber nicht völlig sicher, und viele webseites — zum beispiel sämtliche guhgell-dienste — blockieren systematisch zugriffe über tor, was natürlich auch wieder sehr im interesse der US-geheimdienste liegt. Wenn dann die identifikazjon über „cookies“ oder HTML5-techniken möglich ist, waren der kleine aufwand und der manchmal große ärger über die langsamkeit eines über tor gerouteten webs sowieso vergebens. Deshalb sollten für halbwegs anonymisiertes sörfen auch „cookies“ abgelehnt, javascript abgeschaltet und die darstellung von „plugin“-inhalten unterbunden werden. Für letzteres bevorzuge ich die einstellung, „plugin“-inhalte erst auf klick zu laden, die mir die nutzung von „flash“ ermöglicht, aber heimlich untergeschobene träcking-wanzen erstmal blockiert.

Jeder, der erzählt, dass es auf diesem überwachungsplaneten leicht ist, der überwachung zu entrinnen (zum beispiel der amtierende innenminister der BRD, der dir einen von antivirusprogrammen zum schutz vor der NSA erzählt), ist entweder ein narr oder ein lügner. Und jeder, der dir erzählt, dass es in deiner verantwortung liegt, der überwachung zu entkommen und damit die verantwortung der überwacher für industriell betriebene grundrechtsverletzungen zurückweist, ist ein mit gewalt sympathisierendes und ansonsten menschenverachtendes arschloch, gar nicht so viel besser als jemand, der vergewaltigten frauen die schuld an ihrer vergewaltigung zuschreiben will.

Anonymität ist kindesmissbrauch

Nachtrag: In den Kommentaren weiterlesen.

Was macht man auf einem rechtsfreien überwachungsplaneten mit einem menschen, der anderen menschen eine möglichkeit gewährt, das internetz anonym zu nutzen? Man stellt ihn einfach vor gericht, weil er darstellungen von sexuellem kindesmissbrauch fördert, nein, weil er der „größte vermittler von kinderpornografie auf dem planeten“ ist:

Laut der Vorwürfe habe der 28-jährige die Übertragung von kinderpornografischen Bildern diverser Webseiten über das von ihm mitentwickelte Netzwerk dadurch begünstigt, dass es diese verschlüssele und verschleiere

In einer nahe liegenden erweiterung dieser „logik“ wird demnächst auch die deutsche post vor gericht stehen, weil sie die verbreitung von kinderpornografischen bildern dadurch begünstigt, dass sie die briefe und pakete nicht öffnet. Oh, moment mal, das könnte schiefgehen

Widerwärtig, wie schwer misshandelte menschen anschließend für das propagandistische empörungspotenzjal noch einmal p’litisch missbraucht werden!